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"Fühlen uns verschaukelt": Mieter leben seit Monaten in Ausweichquartier

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Von: Matthias Bittner

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Martin Ginz (links) und Klaus Schmack schauen regelmäßig nach ihren Wohnungen. Der Häuserblock in der Florstädter Straße/Ecke Löwengasse wird derzeit modernisiert. Ihrer Meinung nach läuft vieles dabei schief. FOTO: Holger Menzel
Martin Ginz (links) und Klaus Schmack schauen regelmäßig nach ihren Wohnungen. Der Häuserblock in der Florstädter Straße/Ecke Löwengasse wird derzeit modernisiert. Ihrer Meinung nach läuft vieles dabei schief. © Holger Menzel

Die Sanierung eines Wohnblocks in Frankfurt verzögert sich. Die Mieter sind sauer. Nicht nur wegen der Warterei. Sie beklagen Einbrüche und Mieterhöhungen.

Frankfurt - Pleiten, Pech und Pannen: Damit ist nach Ansicht von Martin Ginz und Klaus Schmack alles über den bisherigen Verlauf der Sanierung der Wohnblocks in der Florstädter Straße/Ecke Löwengasse in Frankfurt gesagt. Die Nassauische Heimstätte Wohnstadt (NHW), der die Häuser gehören, habe dabei fast alles falsch gemacht. Größter Kritikpunkt ist die schlechte Informationspolitik. Bei telefonischen Nachfragen sei niemand erreichbar. "Der Papst ist leichter zu erreichen als die NH", schimpft Schmack. Und: "Wir wissen nicht, wann es zurück geht."

Zuletzt sei den 48 Mietparteien in fünf Häusern mitgeteilt worden, dass es am 11. März so weit sei - doch das Datum sei verstrichen, ein neuer Termin sei nicht genannt worden. Ursprünglich sei Ende 2021 in Aussicht gestellt worden. Schmack zuckt mit den Schultern und sagt nur, dass seine Lebensgefährtin seit 40 Jahren in der Wohnung wohnt.

Frankfurter verärgert: Schon acht Monate im Ausweichquartier in Offenbach verbracht

Am 11. August hatte das Paar ein möbliertes Ausweichquartier in Offenbach bezogen. Das hatten sich Schmack und seine Partnerin selber gesucht, weil sie die Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Boardinghouse am Merianplatz in Frankfurt - eines von mehreren, das die NH ihren Mietern anbot - nicht beziehen wollten. "Jetzt sitzen wir schon seit mehr als acht Monaten in Offenbach."

Auch Ginz scharrt mit den Hufen, will in seine eigenen vier Wände zurück. Dass das so lange dauert habe damit zu tun, dass "bei der Sanierung von Anfang an was schief läuft", sagt er. Regelmäßig kontrolliere er in seiner Dachgeschosswohnung, ob alles in Ordnung sei. Leider gebe es oft böse Überraschungen. Weil bei der Dacherneuerung geschludert worden sei, habe es reingeregnet. In den Kellerabteilen und vereinzelt auch in Wohnungen hätten sich Einbrecher bedient, da Wohnungs- und Eingangstüren abends oft nicht abgesperrt würden. Und nach der Sanierung sei sein Bad kleiner als zuvor. Auch Leitungen und Kabel seien nicht fachgerecht verlegt worden. Und Arbeiten seien erledigt worden, die vorher nicht angekündigt worden seien.

Als Dank für die ganzen Unannehmlichkeiten hat die Wohnungsgesellschaft laut Schmack eine Mieterhöhungen von 130 bis 150 Euro angekündigt. Das findet er unerhört.

Ärger um Wohnungssanierung in Frankfurt: NHW erklärt sich

Auf Anfrage teilt die NHW mit, dass die Erhöhung sehr moderat ausfalle. Mieter profitierten von einem energetisch höherwertigen Haus mit deutlich reduziertem Heizenergiebedarf sowie einer zeitgemäßen Infrastruktur. Unter anderem werden die Fassade und die Dachgeschossdecken gedämmt, das Dach erneuert, dreifach verglaste Fenster und eine neue Heizung eingebaut. Elektroinstallationen in Bad, Flur und Küche sowie dort jeweils der Boden werden erneuert, die Bäder saniert und neue Türen werden eingebaut. Anschließend wird der Kanal saniert und die Außenanlagen werden überarbeitet. Die NHW geht davon aus, dass sich die kalkulierten Sanierungskosten von 4,9 Millionen Euro noch erhöhen werden.

Mehrere Gründe gibt es laut NHW für den Verzug der Arbeiten. Eine Mieterinitiative habe die energetische Sanierung abgelehnt. Das Ergebnis: Vier Monate Verzögerung und Fertigstellung erst Ende April anstatt Ende Dezember 2021. Materialengpässe und längere Lieferzeiten hätten ihr übriges getan. Anfang März seien dann in mehreren Wohnungen Heizungsleitungen in den Bädern und Elektroleitungen durchtrennt worden.

Arbeiten in Frankfurt-Bornheim wohl frühzeitig angekündigt

Dass Eingangs- und Wohnungstüren nicht verschlossen seien, klinge seltsam. Die mit der Modernisierung beauftragte Firma habe die Anweisung, nach der Arbeit Außen- und Wohnungstüren zu verschließen. Zudem gebe es einen Schlüsseldienst, der Schlüssel aushändige und abends die Rückgabe kontrolliere. Zutritt zu den Wohnungen hätten darüber hinaus die jeweiligen Mieter.

Die NHW arbeite außerhalb der normalen Arbeitszeiten mit einem externen Callcenter zusammen. Hier könne es durchaus Wartezeiten gegeben haben. Weil es während der Pandemie mehr E-Mail-Anfragen gebe und coronabedingt schon mal Personal ausfalle, sei die Bearbeitungszeit länger. Mangelnde Information über das Bauvorhabenin Frankfurt könne der NHW nicht vorgeworfen werden. Es habe mehrere angekündigte Begehungen gegeben, die erste im März 2017. Alle Mieter seien mindestens drei Monate vor Beginn der Maßnahme mit Schreiben vom 30. November 2020 über die Modernisierung informiert worden. Und am 20. Januar 2021 habe es eine virtuelle Mieterversammlung gegeben. (Matthias Bittner)

Hohe Wellen schlug zuletzt auch ein Fall aus dem Frankfurter Umland: In Oberursel beklagten sich mehrere Anwohner, weil sie Jahre nach der Sanierung ihrer Straße jetzt zehntausende Euro nachzahlen sollen.

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