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Flughafen Frankfurt nach Corona: „Dieses Jahr wird es noch etwas rumpeln“

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Von: Christiane Warnecke

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Nach der Corona-Pandemie kämpft Fraport in Frankfurt mit Personalnot und Flaute unter der Woche. Wie blickt Flughafen-Chef Schulte in die Zukunft?

Frankfurt – Corona hat den Flughafen Frankfurt monatelang fast komplett lahmgelegt. Während die Anwohner die Ruhe am Himmel genossen, erlitt der Betreiber Fraport erhebliche Einbußen. Wie das Unternehmen die Krise bewältigt hat, erzählt Vorstandschef Stefan Schulte im siebten Teil unserer Serie über die Folgen der Pandemie.

Wie haben Sie den anfänglichen Schock verdaut, als in Frankfurt fast alle Flieger am Boden bleiben mussten?

Der Luftverkehr ist die Branche, die am härtesten getroffen wurde. Am Anfang war es schwer zu begreifen, was da passiert und welche globalen Ausmaße möglich sind. Für alle war es ein Schock, dass der Verkehr fast auf Null eingebrochen ist. Es gab keine Einnahmen mehr, aber die Kosten von 100 Millionen Euro pro Monat liefen weiter.

Wie ist der Flughafen durch die Krise gekommen?

Nach zwei Jahren mit einem stark reduzierten Verkehrsaufkommen müssen wir mit einer deutlich höheren Verschuldung leben. Doch wir sind heute effizienter aufgestellt als vor der Krise. Und wir haben trotz allem an Zukunftsinvestitionen festgehalten und gehen damit gestärkt aus der Krise hervor – auch wenn wir noch Jahre brauchen werden, um die Schulden zurückzuzahlen.

Fraport-Chef Stefan Schulte erklärt die Hygieneregeln, die am Eingang des Frankfurter Flughafens empfohlen werden. FOTO: Fraport
Fraport-Chef Stefan Schulte erklärt die Hygieneregeln, die am Eingang des Flughafen Frankfurt empfohlen werden. © Fraport AG

Flughafen Frankfurt nach der Krise: „Wir haben eine neue Welt kennengelernt“

Was hat sich für Sie persönlich verändert?

Wir haben eine neue Welt kennengelernt. Früher sind wir viel geflogen und hatten viele Termine, die ganz wichtig waren. Plötzlich ging alles anders: ohne Abendempfänge und ganz viel virtuell. Viele Abläufe wurden effizienter. Doch je länger die Pandemie andauerte, umso mehr fiel auf, dass persönliche Kontakte fehlten. Trotzdem bin ich heute flexibler, komme auch mal früher nach Hause und nehme Termine virtuell wahr. Das ist ein großer Gewinn. Auch für unsere Beschäftigten, die das mobile Arbeiten schätzen. Doch soziale Bindungen am Arbeitsplatz sind auch wichtig. Jetzt geht es darum, die richtige Balance zu finden.

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Können Sie der Krise noch mehr Positives abgewinnen?

Ja, es ist gut zu sehen, wie geschlossen alle bei Fraport zusammengestanden haben. Die Mitarbeitenden, die große Sorge um ihre Arbeitsplätze hatten, sind die schnell gefassten und teilweise harten Entscheidungen mitgegangen – trotz aller Unsicherheit über die weitere Unternehmensentwicklung.

Ziehen Sie eine Lehre aus der Pandemie?

Wir werden uns in Zukunft alle flexibler aufstellen müssen. In unseren Geschäftsmodellen und in unserem Denken. Der Tourismusverkehr kommt viel schneller zurück als der Geschäftsreiseverkehr. Das führt zu Spitzen am Wochenende und Tälern unter der Woche, was neue Anforderungen an unsere Beschäftigten stellt, um nur eine Facette zu nennen.

Fraport über Personalnot am Flughafen Frankfurt: „Dieses Jahr wird es noch etwas rumpeln“

Der Krisenmanager

Stefan Schulte (62) übernahm 2009 den Vorstandsvorsitz bei Fraport. Zuvor war er nach Stationen bei der Deutschen Bank, bei Mannesmann Arcor und Deutz seit 2003 Fraport-Finanzvorstand. Der promovierte Betriebswirt ist Vater zweier erwachsener Kinder. 2020 schlüpfte Schulte in die Rolle des Krisenmanagers, erlitt Fraport doch im ersten Corona-Jahr einen Verlust von 690 Millionen Euro. Mit der ersten Belebung der Passagiernachfrage 2021 landete der Flughafenbetreiber mit 92 Millionen Euro wieder leicht im Plus. Doch ohne staatliche Hilfe ging es nicht: Fraport erhielt im In- und Ausland Ausgleichs- sowie Kompensationszahlungen von 320 Millionen Euro. (Christiane Warnecke)

Sehen Sie bei Geschäftsreisen dauerhafte Einbrüche durch Videokonferenzen?

Der Tourismusverkehr wächst schneller. An Pfingsten hatten wir schon wieder 75 Prozent des Vorkrisenniveaus. Ich rechne aber damit, dass am Ende auch 70 bis 80 Prozent der Geschäftskunden wiederkommen.

Nun müssen zahlreiche Flüge gestrichen werden, weil nach dem drastischen Personalabbau während der Pandemie Mitarbeiter fehlen, etwa bei der Abfertigung. Was lief in der Personalplanung falsch?

Die Luftverkehrsbranche war unter den am ersten, stärksten und längsten getroffenen. Zum Überleben mussten wir schnell reagieren auch über den sozialverträglichen Abbau von Personal und den Einsatz von Kurzarbeit. Wem das aufgestockte Kurzarbeitergeld zu wenig war, hat schnell einen anderen Job gefunden. Als Branche kommen wir nun als letzte aus der Krise heraus. In einer Phase, in der der Arbeitsmarkt bereits wieder angespannt ist. Wir sind mit Hochdruck am Einstellen in den operativen Bereichen. Dieses Jahr wird es aber noch etwas rumpeln und bitten unsere Kunden um Verständnis.

Sie bauen gerade ein neues Terminal, das jedenfalls in absehbarer Zeit nicht gebraucht wird. Der fertige Flugsteig G auch nicht...

Trotzdem war es richtig, dass wir daran festgehalten haben. Im Sommer werden die Fluggastzahlen bis zu 80 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen. Wir werden auch schnell wieder an 100 Prozent rankommen, dann brauchen wir das Terminal 3.

Fraport-Chef über den Ukraine-Krieg: „Das geht weit über geschäftliche Konsequenzen hinaus“

Beunruhigt Sie der Anstieg der Infektionen in Portugal?

Ich rechne nicht mit einem weiteren Lockdown. Wir lernen mit Corona zu leben.

Nun gibt es durch den Krieg neue Verwerfungen. Was bedeutet das für ihre Auslandsbeteiligungen?

Ein solcher Krieg in unserem Kulturkreis war für mich unvorstellbar. Das ist sehr bitter und geht weit über geschäftliche Konsequenzen hinaus. Die sind überschaubar. Unsere Beteiligung in Sankt Petersburg ruht und der russische Verkehr, der in Frankfurt fehlt, ist gering. Unter unseren anderen Flughäfen hat Antalya einen nennenswerten Anteil russischer Passagiere. Hier sehen wir aber steigendes Interesse aus anderen Ländern.

Ein Flugzeug startet am 09.03.2013 vom Flughafen Frankfurt (Hessen) aus in den Sonnenuntergang.
Ein Flugzeug startet vom Flughafen Frankfurt (Hessen) aus in den Sonnenuntergang. © Daniel Reinhardt/dpa

Als Sie 2009 Fraport-Chef wurden, war Fluglärm das alles überlagernde Thema. Rechnen Sie mit einem Aufflammen der Debatte?

Es gab damals eine sehr hohe Belastung in der Bevölkerung. Vor allem bei Menschen, die neu von Fluglärm betroffen waren. Inzwischen ist viel passiert im aktiven und passiven Schallschutz. Es kommt auch ein Teil Gewöhnung dazu. Trotzdem wird das Thema auf der Agenda bleiben und wir müssen weiter daran arbeiten, dass Flugzeuge leiser werden und mindestens ebenso wichtig: weniger CO2-Emissionen verursachen. Die Freiheit der Mobilität muss langfristig im Einklang mit dem Klimaschutz stehen. Mit dem, was wir als Flughafenbetreiber selbst in der Hand haben, sind wir gut unterwegs. Bis 2045 werden wir in Frankfurt und anderen Fraport-Flughäfen CO2-frei sein. (Christiane Warnecke)

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