Hat der Verlust der Gemeinnützigkeit auch Folgen für arglose Unterstützer? Nein, sagt Awo-Vorstandsvorsitzender Steffen Krollmann. Wer Spenden an die Awo abgesetzt habe, habe nachträglich nichts zu befürchten.
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Hat der Verlust der Gemeinnützigkeit auch Folgen für arglose Unterstützer? Nein, sagt Awo-Vorstandsvorsitzender Steffen Krollmann. Wer Spenden an die Awo abgesetzt habe, habe nachträglich nichts zu befürchten.

Awo-Skandal

"Wir werden Herrn Richter in Regress nehmen"

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Frankfurter Awo-Chef Steffen Krollmann über Steuernachzahlungen und das weitere Vorgehen gegen die Verantwortlichen

Steffen Krollmann, Vorstandsvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Frankfurt, hat vorsorglich Rücklagen gebildet für die Steuernachzahlung, die jetzt tatsächlich fällig wird. Der Grund: Die Awo hat wegen der Eskapaden ihrer früheren Leitung die Gemeinnützigkeit verloren. FNP-Redakteur Thomas J. Schmidt hat mit ihm gesprochen.

Die Awo hat für die Jahre 2014 bis 2017 die Gemeinnützigkeit verloren. Sind Sie überrascht?

Nein. Das Finanzamt hat eine Betriebsprüfung für die Jahre 2014 bis 2017 durchgeführt. Wir haben das immer kommuniziert. Wir haben auch immer gesagt, dass wir die Gemeinnützigkeit der Awo gefährdet sehen. Es ist ja so, dass Taten Folgen haben. Dicke Autos, überhöhte Gehälter, teure Reisen unter der Regentschaft meines Vorgängers Jürgen Richter - die Konsequenz ist der Verlust der Gemeinnützigkeit.

Dieser Verlust wurde aber durch den Hessischen Rundfunk bekannt gemacht, nicht durch Sie. Ist das Offenheit?

Wir haben das Ergebnis der Betriebsprüfung seit einigen Tagen im Haus und hätten es zeitnah bekannt gemacht. Wir wollten nichts verheimlichen, man ist uns nur zuvorgekommen. Dass da jemand dem Hessischen Rundfunk etwas zusteckt - nun, das ist halt so. Wichtig für uns ist: Wir müssen die Gemeinnützigkeit zurückbekommen. Daran arbeiten wir.

Was ist denn mit den Jahren 2018 und 2019? Da sind ja auch grobe Fehler bei der Awo passiert.

Ja, und man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass wir auch für diese Jahre eventuell nachzahlen müssen. Es kam ja nicht überraschend.

Was ist denn mit den Leuten, die Ihnen gespendet haben, zum Beispiel 2015. Müssen die jetzt auch Steuern nachzahlen, weil die damals die Spendenquittung beim Finanzamt eingereicht haben und das Finanzamt heute sagt, dass die Awo damals gar nicht gemeinnützig war?

Nein. Eine von einer gemeinnützigen Organisation ausgestellte Spendenquittung bestätigt die Freistellung der Organisation und behält ihre Gültigkeit. Niemand muss befürchten, jetzt noch vom Finanzamt angegangen zu werden. Allerdings ist es so, dass uns diese Freistellung entzogen wurde, nicht nur für die Jahre 2014 bis 2017, sondern ab 2014. Seit einigen Tagen, als wir darüber informiert wurden, dürfen wir keine neuen Spendenquittungen mehr ausstellen.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Wir sammeln ja projektbezogen Spenden. Es ist ja nicht so, dass täglich jemand mit einer vierstelligen Spende vorbeikommt. Wenn jedoch eine solche Großspende käme, würde ich den Spender bitten, einige Monate zu warten.

Worauf?

Das Finanzamt prüft auch die Unterlagen für 2020, und wir setzen jetzt alles daran, für 2021 und ab 2020 die Freistellungsbescheide wieder zu bekommen. Dann sind wir wieder gemeinnützig und können wieder steuerlich absetzbare Spendenquittungen ausgeben.

Jetzt müssen Sie aber zunächst Steuern nachzahlen wie für ein normales Unternehmen, und zwar für die Jahre 2014 bis 2017?

Ja, und wahrscheinlich auch für die Jahre 2018 und 2019, da warten wir noch auf das Ergebnis der Betriebsprüfung.

Wie hoch ist diese Summe, und haben Sie das Geld?

Ja, wir haben ja damit gerechnet und entsprechend Rücklagen erarbeitet. Es handelt sich um eine sechsstellige Summe.

Werden Sie Ex-Geschäftsführer Jürgen Richter dafür in Regress nehmen?

Ja. Allerdings muss man wissen: Es gibt eine Vermögensschadenhaftpflicht-Versicherung, die alle Schäden ab 2016 abdeckt. Auch die jetzt erforderliche Steuernachzahlung. Aber eben erst ab 2016. Für die Jahre 2014 und 2015 werden wir Herrn Richter in Regress nehmen. Zurzeit läuft eine Schadenersatzklage gegen ihn wegen einer überhöhten Abfindung, die er jemandem gezahlt hat. Das ist schon vor 2016 geschehen. Alles Weitere folgt, sobald wir gerichtsfest sind.

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