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"Wir werden jede Minute genießen"

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Von: Enrico Sauda

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Die Band "Glasperlenspiel" mit Daniel Grunenberg und Carolin Niemczyk kommt nach Frankfurt und ist im Waldstadion live zu erleben.
Die Band "Glasperlenspiel" mit Daniel Grunenberg und Carolin Niemczyk kommt nach Frankfurt und ist im Waldstadion live zu erleben. © picture alliance/dpa

Das Elektro-Pop-Duo Glasperlenspiel gibt sich bald im Waldstadion bei "Pop im Park" die Ehre. Im Interview erzählen sie, warum sich das wie ein Familienbesuch anfühlt.

Glasperlenspiel, das ist das Elektro-Pop-Duo Carolin Niemczyk (Sängerin) und Sänger und Keyboarder Daniel Grunenberg . In Frankfurt tritt das Paar aus Stockach in Baden-Württemberg besonders gerne auf. Jetzt sind sie bald wieder in der Mainmetropole - spielen im Waldstadion bei "Pop im Park". Wir sprachen mit Daniela Grunenberg über das neue Lied von "Glasperlenspiel", den Auftritt beim Open Air und über Frankfurt.

Habt Ihr eine Verbindung zu Frankfurt?

Es ist immer auch ein Familienbesuch: Caros Tante ist Richterin in Frankfurt, lebt hier - wir freuen uns schon aufs gemütliche Essen mit ihr. Und unsere Profi-Karriere begann auch hier: Wir hatten unsere erste Begegnung mit einem Produzenten hier. Leo Chantzaras hatte damals noch frei gearbeitet, wir hatten unser erstes Songwriter-Meeting mit ihm. Unser Lied 'Beweg dich mit mir' haben wir mit ihm in Frankfurt geschrieben - danach haben wir sogar unser erstes Album benannt. Und natürlich haben wir sehr gute Erinnerung an die Batschkapp. Dort spielten wir 2011 eine unserer ersten Shows auf unserer ersten Tour.

"Pop im Park" ist ein Open Air vor vielen Tausend Menschen nach einer langen Periode ohne Auftritte. Ist das für Sie nun Business as usual oder hat die Pandemie etwas bei Ihnen verändert?

Die Pandemie hat auf jeden Fall was verändert. Wir haben Energie gesammelt in den vergangenen zwei Jahren. Es war aber auch ein Prozess, der nicht leicht war, ohne Auftritte. Lust über die Pandemiezeit zu reden, habe ich nicht mehr - wir freuen uns, wieder unterwegs zu sein, endlich wieder auf der Bühne zu stehen. Wir freuen uns, mit den Fans ein stückweit Normalität zu feiern.

Ihr Song "SOS" basiert auf der Melodie von "Children" von Robert Miles - warum?

Wir sind große Fans des Tracks. Die Elektroszene in den neunziger Jahren hat mich mitgeprägt. Caro und ich haben die Melodie von Robert Miles gehört - und die passte zum Song. Musik hilft - und Songwriting ist Therapie, wir kehren damit unser Inneres nach außen. Den Weltschmerz in der aktuellen Situation hat jeder. Wir dachten, nach Corona wird alles positiv, dann gibt es diesen unfassbaren, barbarischen Krieg. Jeder von uns hat einen Schlag in die Magengrube bekommen und fragt sich, warum wir das 2022 erleben müssen. Caro und ich haben gesagt: Mit Freunden reden hilft, gesunder Austausch hilft, mit der Situation umzugehen. Und Musik.

Corona, Krieg - die Welt dreht am Rad. Wie geht es Ihnen?

Es geht uns, wie es allen geht. Die Fassungslosigkeit und Frustration kann man nicht leugnen. Die Ohnmacht, die man spürt. Wir wollen damit aufmerksam machen. Wir haben bei dem Corona-Musikprojekt 'WIER' mit 17 anderen Musikern und Bands gemacht, die Einnahmen wurden gespendet. Aktuell haben wir das auch geplant: Mit 27 weiteren Künstlern, das Geld spenden wir für die Ukrainehilfe.

Wie haben Sie die Corona-Zeit überstanden - war sie eine Kreativitätsbremse oder ein -schub?

Sowohl als auch. Wir sind schnell ins Studio gegangen, haben Songs geschrieben und aufgenommen, sie dann Freunden vorgestellt. Das Feedback war: Das ist aber traurig. Wir haben uns gefragt, ob wir unseren Job weitermachen können. Dann haben Caro und ich gedacht: Was passt zu Glasperlenspiel? Trost spenden - und dann haben wir wieder Songs aufgenommen. In der Zeit haben wir viel Energie gesammelt. Wir sind selten so heiß auf einen Festival-Sommer, wie dieses Jahr. Seit 2006 machen wir gemeinsam Musik, stehen seit 2011 auf der Bühne.

Krieg vor der Haustür? Beeinflusst dieser Ihr Schaffen oder Ihr Leben?

Es ist eine ganz furchtbare Situation. Man ist von der Informationsflut überfordert, hadert mit sich selbst. Wir haben gemerkt: Viel reden mit anderen und Mut zusprechen, hilft. Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Ändern können wir nichts - diese Machtlosigkeit frustriert.

Auf was freuen Sie sich besonders in diesem Jahr?

Highlight: Nach zweieinhalb Jahren wieder spielen. Bei einem großen Festival. Wir haben in der Corona-Zeit mal in Berlin unter freiem Himmel vor Tausend Leuten gespielt. Jetzt freuen wir uns auf eine gewisse Normalität. Auch das Publikum muss wieder lernen, gemeinsam Spaß zu haben. Ohne Angst zu haben beim nach rechts und links gucken. Ein Stück Normalität tut uns gut.

Auf was können Ihre Fans sich in diesem Jahr besonders freuen?

Auf viele neue Songs. Auch bei 'Pop im Park' werden wir neues Material dabeihaben.

Haben Sie ein spezielles Programm für Pop im Park zusammengestellt?

Wir haben ein neues Gewand. Glasperlenspiel wird in einer Art DJ-Club-Set spielen. Vorher sind wir immer mit Live-Band aufgetreten, jetzt ohne Live-Musiker. Caro wird live singen, ich als DJ auflegen. Ich bin mit elektronischer Musik aufgewachsen und wir haben uns Gedanken gemacht: Ich habe mich darin positiv verloren: So will ich unsere Musik präsentieren - es wird für uns eine neue Ära."

Wie lange werden Sie spielen?

Die Running-Order ist noch nicht raus. Aber sicher werden wir jede Minute genießen - und die Fans auch.

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