Senior Stephan Kiehl (links) mit den Geschwistern Luana (27) und Leon (25), die das Familienunternehmen in Zukunft weiterführen wollen - im Geiste ihres Ururgroßvaters, der es 1921 gründete. FOTO: enrico sauda
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Senior Stephan Kiehl (links) mit den Geschwistern Luana (27) und Leon (25), die das Familienunternehmen in Zukunft weiterführen wollen - im Geiste ihres Ururgroßvaters, der es 1921 gründete.

Unternehmen in Frankfurt-Sachsenhausen

"Wir wollen bezahlbaren Wohnraum erhalten"

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Die Hausverwaltung Karl Kompfe wird 100 Jahre alt. Das Familienunternehmen wird bald in fünfter Generation geführt.

Vor hundert Jahren gründete der Urgroßvater des heutigen Geschäftsführers Stephan Kiehl, Karl Kompfe, das Unternehmen Karl Kompfe GmbH. Das Schild "Verwaltet durch Hausverwaltung Karl Kompfe" inklusive Telefonnummer sieht man an den Eingängen etlicher Wohn- oder Geschäftshäuser in Frankfurt, die meisten davon in Sachsenhausen. Rund 2000 Wohnungen verwaltet das Unternehmen. "Das Schild ist für Handwerker oder Service-Firmen wie Mainova gedacht, die zum Beispiel bei unvorhergesehenen Arbeiten am Haus sofort wissen, wen sie kontaktieren müssen", erklärt Stephan Kiehl. Die Erfahrung besage, dass diese Information es allen Beteiligten einfacher macht, fügt er an.

Seit mehr als 40 Jahren in der Branche hat der Unternehmer ein sehr gutes Gespür für das, was wichtig ist - und auch für die "Sorte" Kunden, mit denen er gern zusammenarbeitet. Es sind die bodenständigen Hauseigentümer, denen es nicht etwa um Spekulation geht oder ums "Rauspressen" höchstmöglicher Mieten bei Geschäftsinhabern oder Wohnungsmietern. "Es ist aber mein Eindruck, dass die meisten Eigentümer ihre Häuser längst abbezahlt haben und nicht auf einem Schuldenberg sitzen. Also sind sie entspannt." Manchmal sogar zu entspannt, was die Einnahmen betrifft. "Wenn die Mieteinnahmen die Kosten gar nicht decken, stimmt natürlich etwas nicht."

Wenn der Schlüssel nicht mehr passt

Eine gute Hausverwaltung greift dann ein. Sie kümmert sich darum, dass eine Liegenschaft werterhaltend gepflegt wird. Wenn etwa der Keller eines Altbaus hoffnungslos feucht ist, so dass Pilze sprießen, ist es Zeit für eine Grundsanierung. Stephan Kiehl berät die Hausbesitzer dabei, was zu tun ist. Dabei kommt in Zukunft noch viel auf das Unternehmen zu - Stichwort energetische Nachrüstung, die für Bestandsgebäude zur Pflicht werden kann.

Das wissen auch Luana und Leon Kiehl. Die Geschwister werden das Unternehmen in fünfter Familiengeneration weiterführen und sind bereits in Vollzeit dabei, um ihren Vater zu unterstützen. Wann er in Ruhestand geht, weiß er indes noch nicht. Die Übergabe soll entspannt erfolgen. "Wenn der Schlüssel zum Büro nicht mehr passt, weiß ich, es ist Zeit zu gehen", schmunzelt der Senior. Seinem Sohn, Immobilien-Fachwirt Leon, macht die Arbeit großen Spaß.

Rote Karte für Miethaie

Der 25-Jährige will bezahlbaren Wohnraum auch in gehobenen Lagen der Stadt erhalten. "Mietinteressenten wundern sich, dass es noch Wohnungen von drei Zimmern auf 76 Quadratmetern Größe zu 850 Euro monatlicher Miete gibt". Auf der Schweizer Straße zum Beispiel. "Ein Interessent hatte eher 1500 Euro erwartet und war baff, als ich den Preis nannte", erzählt der Junior. "Der Mietspiegel gibt die Preise aber eindeutig vor." Vermieter, die ihre Miete zu weit über dem Mietspiegel ansetzen wollen, dem zeigt Stephan Kiehl die Rote Karte. "Das passt nicht zu uns."

Das Unternehmen verwaltet mit einem siebenköpfigen Team sowohl Mietshäuser als auch Wohneigentums-Gemeinschaften, die eine neutrale Hausverwaltung beauftragen, sowie Gewerbeobjekte. Viele der Gebäude sind im Stadtbild bekannt: Der kastige Geschäftsblock an der Ecke Textorstraße/Darmstädter Landstraße etwa, oder der Oeder Weg 51, in dem die Goethe-Apotheke sitzt.

Wenn die Kiehls aus dem Bürofenster an der Walter-Kolb-Straße schauen, haben sie einige der Häuser im Blick. "Die kurzen Wege zu uns freuen die Mieter, die gern ins Büro kommen, um sich die Abrechnung erklären zu lassen", so der Senior.

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