Der ICE-Triebkopf musste mit rollenden Kränen vom Bahnsteig heruntergehoben werden. Die Ermittlungen zu dem Unfall sind noch nicht abgeschlossen; die Bahn prüft auch, ob dadurch die Umbaupläne für den Bahnhof verzögert werden könnten.
+
Der ICE-Triebkopf musste mit rollenden Kränen vom Bahnsteig heruntergehoben werden. Die Ermittlungen zu dem Unfall sind noch nicht abgeschlossen; die Bahn prüft auch, ob dadurch die Umbaupläne für den Bahnhof verzögert werden könnten.

Griesheimer Bahnhof

Wird Bahnhofsumbau verschoben?

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
    schließen

Nach dem ICE-Unfall im Griesheimer Bahnhof sorgen sich Bürger, dass das Unglück den Beginn des barrierefreien Umbaus der S-Bahn-Station verzögern könnte. Die Deutsche Bahn untersucht auch diesen Aspekt.

Hat das ICE-Unglück vom 17. Februar im S-Bahnhof Griesheim Auswirkungen auf den geplanten Umbau der Station? Das vermutet zumindest die Vorsitzende der SPD Griesheim, Birgit Puttendörfer. Sie hat deswegen eine entsprechende Anfrage an die Deutsche Bahn gestellt: „Dieser Unfall hat die Bevölkerung in Griesheim sehr beschäftigt. Es wurde die Hoffnung geäußert, dass der Umbau dadurch möglicherweise schneller vonstatten gehen könnte. Ich selbst befürchte allerdings, dass eher das Gegenteil der Fall ist“, sagt Puttendörfer, die ihre Anfrage auch an den SPD-Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling und das Verkehrsdezernat der Stadt weitergeleitet hat. Eine Antwort steht noch aus.

Ende 2018 war angesetzt

Nach der Planung für den barrierefreien Umbau des Griesheimer Bahnhofs soll die Unterführung, die die Bahnsteige verbindet, neu gebaut und die Unterführung zwischen der Alten Falterstraße und der Waldschulstraße saniert und barrierefrei erschlossen werden (wir berichteten). Seit 1. Mai vorigen Jahres befindet sich das Projekt in der Genehmigungsphase. Das heißt, dass die Pläne zur Genehmigung beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht worden sind. Das Planfeststellungsverfahren ist am 6. Juni vorigen Jahres vom Eisenbahnbundesamt Frankfurt eingeleitet worden. Baubeginn soll – auf diesem Stand ist auch der Magistrat – Ende 2018 sein.

Ob der ICE-Unfall Auswirkungen auf die Zeitplanung haben könnte, werde „derzeit noch untersucht“, teilt eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung mit. Ergebnisse würden erst in etwa 14 Tagen erwartet. Zumindest ist damit bestätigt, dass der Unfall überhaupt Thema bei den Überlegungen zum Umbau ist.

Ursache noch unklar

Der Führer des ICE hatte am 17. Februar auf der Fahrt in die Griesheimer ICE-Wartungshalle beim Rangieren auf einem Ausziehgleis einen Prellbock überfahren. Der Prellbock hatte den Triebkopf des Zuges angehoben, so dass der leere ICE auf dem Bahnsteig zum Stehen gekommen war. Direkt unterhalb der Unfallstelle verläuft der Personentunnel, der den Südteil Griesheims mit der Mitte verbindet. Noch immer liegt kein offizielles Ergebnis der Untersuchung zum Unfallhergang vor. Die Daten des Fahrtenschreibers sind inzwischen ausgewertet worden; eine Signalstörung, so wurde ebenfalls festgestellt, hat es nicht gegeben. Aus den gespeicherten Daten der Blackbox – offiziell von der Bahn als Fahrdiagnosegerät bezeichnet – kann der Fahrverlauf eines Zugs rekonstruiert werden. Dazu gehören Geschwindigkeit und Bremsverhalten sowie die Handlungen des Lokomotivführers, wie ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes in Bonn sagte. Der Hochgeschwindigkeitszug soll den Prellbock mit etwa 30 Kilometern pro Stunde überfahren haben.

Die Untersuchung zur Unglücksursache könne, so heißt es bei der Bahn, bis zu einem Jahr dauern. Auch die Schadenshöhe hat die Bahn noch nicht beziffert. Klar ist nur: Der Schaden geht in die Millionen. Der Lokomotivführer blieb bei dem Unfall unverletzt, erlitt aber einen Schock.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare