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Noch unklar ist, wo sich die Tram-Haltestellen am Nieder Tor befinden werden. Ein Kreisel wird aber gebaut.

Bebauungskonzept für den Ortsrand

Das wird aus dem Nieder Loch

Das Nieder Loch am Ortseingang des Stadtteils soll bis 2018 verschwunden sein. Dort entstehen Wohnungen und ein Supermarkt. Wie das danebenliegende Nieder Tor aussehen wird, ist dagegen noch nicht ganz fix. Klar ist aber: Es wird einen Kreisverkehr geben.

Nein, eine besonders ansehnliche Fläche ist das Nieder Loch – die unbebaute Fläche entlang der Mainzer Landstraße zwischen den Straßen Alt-Nied und An der Wörthspitze – nicht. „Aber ich kenne es hier nicht anders“, sagt Bürgermeister Olaf Cunitz. Er ist gestern gemeinsam mit Verkehrsdezernent Stefan Majer (beide Grüne) und dem Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, Frank Junker, zu dieser Stelle gekommen, um, man kann sagen endlich, das Bebauungskonzept für diesen Teil des Nieder Ortsrandes vorzustellen. In dem vorausgegangenen städtebaulichen Gutachterverfahren war es zudem um Ideen für das angrenzende Nieder Tor und die Fläche südlich der Einmündung Nieder Kirchweg auf der anderen Seite der Mainzer Landstraße gegangen.

„Hier werden 136 Wohnungen entstehen“, sagt Cunitz. 48 davon sollen öffentlich gefördert werden. ABG-Chef Junker kann sogar schon Mietpreise schätzen, in den geförderten Wohnungen 8,15 Euro pro Quadratmeter, sonst „unter 12 Euro“. „Wir stärken aber auch das Nahversorgungsangebot“, betont Cunitz. Im Gebäude zur heutigen Wendeschleife der Tram hin soll ein Supermarkt mit 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche einziehen – klar ist schon jetzt, dass der bisher in der Mainzer Landstraße 786 beheimatete Rewe umziehen und die größere Fläche nutzen wird.

Noch nicht endgültig beplant ist dabei die heutige Wendeschleife, mit der inbegriffen die Fläche rund 10 000 Quadratmeter beträgt. Den Plänen des städtebaulichen Entwurfs von Dirschl.Federle Architekten, deren Konzept beim Gutachterverfahren einstimmig siegte, sieht hier weitere Wohnungen samt Café und kleinem Platz vor. Die Wendeschleife würde dann durch ein sogenanntes Ausziehgleis ersetzt. Das heißt, dass es in der Mitte ein drittes Gleis mit schmalem Bahnsteig gäbe, auf dem der Straßenbahnfahrer von vorne nach hinten wechseln könnte, um in die andere Richtung weiterzufahren.

Losgehen soll es aber sowieso mit einem ersten Bauabschnitt am westlichen Ende des Nieder Lochs. „Hier wollen wir im kommenden Jahr beginnen“, kündigt Junker an, der ohne den Bereich der Wendeschleife insgesamt 42 Millionen Euro investieren will. Für den zweiten Bauabschnitt, in dem auch der Supermarkt Platz finden soll, muss noch neues Planungsrecht geschaffen werden – denn im Bebauungsplan ist bisher nur Wohnen vorgesehen. „Der Aufstellungsbeschluss soll in diesem Herbst erfolgen, Ende 2016 soll der Plan fertig sein“, sagt Cunitz.

Dann will die ABG Holding auch dort die Bagger anrollen lassen. „2018 wird das Nieder Loch verschwunden sein“, betont der Bürgermeister, der sich sicher ist, dass es sich um eine wesentliche städtebauliche Aufwertung des Ortsrands von Nied“ handelt. Vorgesehen sind viergeschossige Gebäude plus einem Staffelgeschoss. Am bestehenden Ortsrand soll es aber dreistöckig losgehen, damit die dortigen Bewohner nicht einen ganz so hohen Klotz direkt neben ihrem Grundstück haben. Geparkt wird auf 168 Stellplätzen in einer Tiefgarage. Die Baukörper selbst – natürlich im Passivhausstandard – sollen winkelförmig angeordnet werden, so dass sich Wohnhöfe für die Mieter bilden. Zur Mainzer Landstraße hin bilden sie aber eine klare Abgrenzung des Stadtteils.

Aber nicht nur das ist Junker wichtig. Für ihn war es von besonderer Bedeutung, Wege von Alt-Nied in Richtung Main zu schaffen. „Der Stadtteil wird an den Main herangeführt“, sagt der ABG-Chef, dessen Unternehmen die Flächen von Privatleuten erworben hat. Bis es zu einer Bündelung der Grundstücke und damit zur nun möglichen Bebauung kam, hat es daher Jahre, eher sogar Jahrzehnte gedauert. So hatte die Stadtverordnetenversammlung bereits im Jahr 2008 beschlossen, ein konkurrierendes Verfahren zur Gestaltung und Nutzung des Ortsrandes von Alt-Nied und des Nieder Tors an der Kreuzung Mainzer Landstraße / Alt-Nied / Nieder Kirchweg durchzuführen.

Die Planungen für das Nieder Tor und die Fläche auf der anderen Seite der Mainzer Landstraße waren in dem Gutachterverfahren als Ideenwettbewerb ausgeschrieben – und sind, auch wenn es mit Jo.Franzke Architekten einen einstimmigen Sieger gibt – längst noch nicht so konkret wie bei der Bebauung des Nieder Lochs. Sicher ist aber, dass es einen Kreisverkehr an der Stelle der bisherigen Kreuzung geben wird. „Das ist eine sehr günstige Lösung“, sagt Majer. Die Mainzer Landstraße soll zudem vom Kreisel bis zur Brücke auf beiden Seiten der Straßenbahnschienen verlaufen.

Unklar ist dagegen noch, wo genau die Straßenbahnhaltestellen platziert werden. „Wir prüfen verschiedene Varianten östlich und westlich des Kreisels“, sagt der Verkehrsdezernent. Nach Möglichkeit sollen sie mit den Bushaltestellen gebündelt werden. Was mit der Freifläche gegenüber der Mainzer Landstraße und der Kirche passiert, ist ebenfalls offen. Jo.Franzke Architekten hat dort einen freien Platz quasi als Kirchenvorplatz vorgesehen. Wie bisher sollen hierbei aber auch Ideen aus Nied und aus dem Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) weiter mit einfließen.

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