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Sybille Fuchs hat die Hochbeete des ?Urban Gardening?-Projekts ?Ginnheimer Kirchplatzgärtchen? im Griff.

Jeder Mensch ist ein Gärtner

Wird sich das Phänomen des "Urban Gardenings" etablieren?

Vor einigen Jahren wurde das Phänomen des Stadtgärtnerns („Urban Gardening“) entfacht, seitdem sind viele kleine Gemeinschaftsgärten entstanden. Das größte Projekt, der „Frankfurter Garten“ auf dem Danziger Platz, meldete vor kurzem die Insolvenz an. Ist der Hype um das Stadtgärtnern vorbei?

In Hochbeeten aus Draht wachsen die Blumen, Kräuter und Nutzpflanzen auf dem Ginnheimer Kirchplatz bereits seit vier Jahren. Um die etwa 25 Kästen kümmern sich ehrenamtliche Gärtner. Damit ist das Ginnheimer Kirchplatzgärtchen einer von zwölf Gemeinschaftsgärten in Frankfurt am Main. „Wir wollen Menschen zusammenbringen“, erklärt Sybille Fuchs, eine der Initiatoren des Projekts. Gestartet seien sie noch als Teil des Stadtlabor-Projektes des Historischen Museums. „Es sollte erforscht werden, wie es sich in Ginnheim leben lässt und die Bürger dazu motivieren, sich am Stadtbild zu beteiligen“, erzählt Fuchs: „Ganz nach dem Motto ,Jeder Mensch ist ein Gärtner’ wollten wir einen Stadtgarten entwickeln.“

Auch heute kann sich Fuchs noch auf die Gärtner verlassen. „Der große Hype ist vielleicht vorbei, aber die ,Urban Gardening’-Bewegung geht weiter“, betont sie. Ein Beispiel dafür sei ihr neues Projekt „Carpe Futurum“ mit der Kulturanthropologin Karen Schewina, das im Herbst starten soll. „Das wird aber eine größere Dimension als das Kirchplatzgärtchen haben“, erklärt Fuchs. Dort solle es um Klimaschutzmaßnahmen und nachhaltigen Konsum gehen, der Fokus aber auf dem Gärtnern bleiben.

Doch wie sieht es mit dem „Frankfurter Garten“ seit der Insolvenz-Anmeldung aus? Mit seinen rund 2500 Quadratmetern mitten auf dem Danziger Platz steht es für das einst größte „Urban Gardening“-Projekt Hessens. Die 23-jährige Jacqueline absolviert dort gerade ein Praktikum. „Viele finden es schade, dass der Garten die Angebote so zurückgeschraubt hat“, sagt die Studentin, während sie die Pflanzen gießt. Einige Fahrradfahrer kommen vorbei, um sich etwas im Kiosk zu kaufen und wundern sich über die verschlossenen Türen. „Der hat nur noch am Wochenende geöffnet“, erklärt ihnen die Praktikantin.

Für die Vorsitzende des Gartens ist das Projekt indes noch nicht vorbei. „Klar ist die Koordination von rund 50 Ehrenamtlichen manchmal schwer, aber insgesamt läuft es sehr gut“, betont Ilona Lohmann-Thomas. „Viele unserer Gärtner sind schon seit dem ersten Sommer dabei“, erklärt sie stolz. Außerdem böten mittlerweile alle Baumärkte Hochbeete an. „Auch die Nachfrage nach unserem Newsletter und auf Facebook wächst konstant“, ergänzt Boris Wenzel, der sich um die Internetseite kümmert.

Doch wieso dann die Insolvenz? „Zu Beginn bekamen wir eine Anschubfinanzierung von bekannten Firmen. Als wir es alleine schaffen sollten, waren die Formate schon zu breit aufgestellt“, erklärt Lohmann-Thomas. Deshalb hätten sie nun mit ihrem Anwalt einen Sanierungsplan erstellt und sammeln fleißig Spenden. „Wenn das wie geplant läuft, wird der ,Frankfurter Garten’ im Herbst saniert sein. Dafür haben wir radikal die Kosten reduziert und auch keinen Strom mehr“, betont sie. Falls die Sanierung nicht funktioniere, erhielten die Spender ihr Geld zurück.

Ob das Projekt mit Lohmann-Thomas und Wenzel weitergeht, wird sich im Laufe des Jahres zeigen. „Aber das .Urban Gardening’ auf diesem Platz wird auf jeden Fall weitergehen“, ist Lohmann-Thomas überzeugt.

Um das „Urban Gardening“ in Frankfurt zu unterstützen, plant die Stadtverordnetenfraktion der Grünen 100 000 Euro der Haushaltsförderung dafür ein. „Die Unterstützung ist aber für kleinere Projekte gedacht, die ein Startkapital, neue Geräte oder Pflanzen benötigen“, erklärt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ursula auf der Heide. Damit wolle man vor allem die von Nachbarn betriebenen Projekte fördern und eine Anlaufstelle für das Grünflächenamt und andere Institutionen einrichten. Der „Frankfurter Garten“ sei mit seiner Gastronomie und den Veranstaltungen ganz anders ausgerichtet. „Falls man dafür ein neues Konzept aufstellt, wäre eine Anschubförderung nicht auszuschließen“, erklärt Ursula auf der Heide. Für die Grüne ist die Idee des „Urban Gardening“ am Danziger Platz „keinesfalls gestorben.“

Am Sonntag, 11. Juni, um 11 Uhr treffen sich interessierte Neugärtner auf dem Kirchplatz in Ginnheim.

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