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Jost Gippert hält die gedruckte Ausgabe seines Wikipedia-Eintrags in die Höhe.

Wissenschaftler in 71 Sprachen geehrt

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Es war eine Überraschung – fast schüchtern streckte Prof. Dr. Jost Gippert gestern seinen Kopf in den alten Senats-Sitzungssaal im zehnten Stock des Juridicums.

Es war eine Überraschung – fast schüchtern streckte Prof. Dr. Jost Gippert gestern seinen Kopf in den alten Senats-Sitzungssaal im zehnten Stock des Juridicums. Er kam direkt von einer Vorlesung und rechnete nun mit einer Delegation aus Georgien. Stattdessen erwarteten ihn Studenten, Mitarbeiter, Doktoranden und Professoren mit Applaus zur Feier seines 60. Geburtstages.

Gippert ist ein beliebter Lehrer und Forscher. Mit Ehren ist er schon überhäuft, zählt zwei Ehrendoktortitel von Universitäten in Georgien und zudem einer Ehrenprofessur in dem kaukasischen Land. Der Sprachwissenschaftler ist seit 1994 Professor in Frankfurt. Er erforscht indogermanische Sprachen und ihre Geschichte sowie die allgemeine Sprachtypologie. Unter seiner Leitung untersuchen verschiedene internationale Kooperationsprojekte die Sprachen des Kaukasusraumes. Gippert ist Computerlinguist. Er initiierte das Titus-Projekt, welches Primärtexte in den altüberlieferten indogermanischen und benachbarten Sprachen elektronisch erschließt.

Nachlesen kann man all das auf Wikipedia, dem Internet-Lexikon, in dem Gippert einen Eintrag hat. Das haben andere Forscher auch. Aber nicht solche Anhänger wie Gippert. 90 Freunde im In- und Ausland übersetzten den Wikipedia-Eintrag binnen zweier Monate ehrenamtlich in 70 Sprachen. Über den Frankfurter Forscher Jost Gippert kann man sich nunmehr in Deutsch informieren, in einigen Dialekten, aber auch auf Abchasisch, Uigurisch, Chinesisch, Türkisch und Tagalog, Suaheli und Sudanesisch, Quetchua und Englisch, Rumänisch, Serbisch, Russisch und Albanisch, Ossezisch, Niederländisch und Malaiisch, um nur einige der Wikipedia-Ausgaben zu nennen, in denen über Gippert informiert wird. Nur wenige Forscher sind in der Sprachen-Welt so weit verbreitet. In manchen Sprachen gab es noch gar kein Wikipedia, Gippert eröffnete das Online-Lexikon. In anderen ist die Übersetzung des deutschen Artikels über ihn länger als der Beitrag über Barack Obama.

Das alles hat Gippert gestern bei der Überraschungsparty erfahren. „Ich bin zutiefst gerührt“, sagte er, „und hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Alter noch Überraschungen erleben werde.“ Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität und Gast bei der Party, fand: „Das wichtigste, was einem Forscher bleibt, ist die Anerkennung, die er erfahren hat.“ Er kommt aus der Steiermark und versprach: „Wenn Sie eine Übersetzung ins Steierische wünschen, stehe ich dazu bereit.“

(tjs)

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