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Im Geschäft "Fein und Klein am Dom" erfreut das sagenhaft bunte Weihnachtsschmuck-Angebot die Kundschaft trotz oder gerade wegen Corona: Christiane Kern (links) und ihre Mutter Inka Kolb-Kern sind die fröhlichen Inhaberinnen.

Vor weihnachtliches Frankfurt

Witziger Baumschmuck erfreut die Seele

  • vonSabine Schramek
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In diesem Jahr ist alles anders. Mehr Frust als Lust, mehr trübe Stimmung als bunte Farben. Allem zum Trotz setzt ein kleiner Laden in der Domstraße zum ersten Mal auf Hunderte von Sehnsuchtsträumen am Weihnachtsbaum.

Flamingos in Badehosen, grüne Glasbälle als Einhorn, Märchenfiguren wie der Gestiefelte Kater oder der Kleine Muck, Gewürzgurken, Porsche voller Koffer, Spiegeleier und Champagner glittern, flittern und leuchten zwischen dem Schaufenster und den Wänden im Laden "Fein und Klein am Dom" von Inka Kolb-Kern und ihrer Tochter Christiane Kern. Erst im Februar haben sie ihr Geschäft eröffnet. "Corona trifft uns alle", sagt die Seniorchefin und klettert mit Filz-Eichhörnchen, Schneemännern und Schäfchen auf eine Leiter. "Trotzdem sollte man positiv bleiben und Schönes genießen. Manche sagen Kitsch dazu, wir denken, dass Buntes des Seele gut tut", sagt sie und lacht.

Humor und gute Laune kann man Kolb-Kern nicht absprechen. Vor 19 Jahren wurde sie von der Zuggemeinschaft Klaa-Paris mit dem "Goldenen Lachröschen" geehrt. Röschen gibt es auch als Weihnachtsschmuck. Und Pfauenfedern, Kraken, Quallen , Eisbären, Rotkäppchen, Herzen und Bohrmaschinen. Handbemalt und handgefertigt. Kaum eine Stelle in dem kleinen Laden ist nicht voller traditioneller, ausgeflippter oder einfach nur schöner Weihnachtsschmuck-Ideen. "In Januar waren wir noch in Paris auf der Messe, die Münchner Messe konnten wir virtuell besuchen", erzählt Kern. "Da ahnten wir noch nichts von dem, was dieses Jahr alles passiert. Schon vor Corona haben wir beschlossen, uns auf kleine lokale Hersteller zu konzentrieren, die bleibende Schönheit schaffen".

Wer den Laden betritt, muss schmunzeln. Mundgeblasene Pinocchios mit langen Glitzernasen tummeln sich auf Bäumen und Kränzen neben Mäuse-Familien, Vögeln mit Federschwänzen, Sternen, Meeresgetier und Lebensmitteln aus Glas. Dass handgemalte Gewürzgurken und Essigfläschchen neben Engelsflügeln hängen, ist nicht nur witzig, sondern hat Familientradition. Mutter und Tochter sind Nachfahren des Gründers der "Ersten Frankfurter Senffabrik", die 1894 in der Egenolffstraße im Nordend entstand und später auf die Friedberger Landstraße umzog und auch Essig aus Apfelwein herstellte. Nach dem Tod von Andreas Kolb übernahmen 1925 seine Söhne Wilhelm, Eugen und Hans die Firma, die sie fortan "3 saure Burschen" nannten. Bis 1972 glänzten sie mit Senf, Essig und Sauerkonserven - vor allem Essiggurken.

Die Enkelin und Urenkelin vom "Essig-Kolb" tragen das Positive weiter. "Meine Großmutter war die erste Karnevalsprinzessin nach dem Krieg", erzählt Inka Kolb-Kern. "Auch sie liebte Buntes und Positives". Christiane Kern steht ihr in nichts nach. Seit sechs Jahren betreibt sie in der Domstraße bereits den Laden "Naschmarkt am Dom" voller Leckereien und Dekoartikel. "Das rettet uns jetzt ein bisschen, weil wir viele Stammkunden haben", erzählt sie. "Seit Corona kommen kaum Touristen. Die Domstraße liegt etwas ab vom Schuss und mit den ganzen Einschränkungen seit der Pandemie hätten wir es mit dem zweiten Laden sonst kaum geschafft zu überleben."

Auf die Idee mit den Unmengen an witzigem Weihnachtsschmuck hatten Kunden sie gebracht. "Je unordentlicher und deprimierender es in der Welt ist, umso mehr schätzt man Dinge und Orte, an denen alles Negative draußen bleibt." Sie freut sich jedes Mal, wenn Leute vor dem bunten Schaufenster stehenbleiben und schauen und staunen und lächeln. "Man sieht sofort, dass sie sich nach etwas Verspieltem und Niedlichem sehnen", ist sie sicher. Im Laden taucht der Kunde in eine andere Welt ein.

"Momentan ist alles aus dem Meer gefragt. Ich glaube, das ist die Sehnsucht nach Reisen, Erholen und Abschalten vom Stress", so Kolb-Kern. Wie viele unterschiedliche Christbaumkugeln, duftende Salzburger Gewürzherzen und anderen Weihnachtsschmuck im Laden hängen, können Mutter und Tochter kaum sagen. "Es sind mehrere Hundert", sind sie sich einig. Ihr Blick fällt auf eine Kiste voller Emojis für den Baum und eine mit Pilzen, Pinguinen und Motorrädern. Sie müssen laut lachen: "Auf jeden Fall sind es ganz, ganz viele."

Solche klitzekleinen Autos machen sich gut im "Fuhrpark" des Weihnachtsmannes. Oder eben doch einfach am Baum...

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