Bevor die Lebensmittel ausgegeben werden, unterziehen sie die Tafel-Mitarbeiter einer genauen Prüfung.
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Bevor die Lebensmittel ausgegeben werden, unterziehen sie die Tafel-Mitarbeiter einer genauen Prüfung.

Niederrad

Frankfurter Tafel in Corona-Not - Helfer finden kreative Lösung

  • vonSabine Schramek
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Wegen Corona wurde es nicht nur schwerer für Bedürftige, sondern auch schwer für die Frankfurter Tafel. Räume fielen weg, ehrenamtliche Helfer, die der Risikogruppe angehören, mussten pausieren. Nun gibt es eine Lösung in der Not.

Frankfurt - Die Tische in dem knallblauen Gebäude, das sonst ein gemütlicher Jugendtreff ist, müssen noch etwas verschoben werden, damit Orangen, Mangos, Karotten, Salat und Blumenkohl genügend Platz finden. Seit 10 Uhr sortieren 14 ehrenamtliche Helfer der Tafel sorgfältig Lebensmittel. Jedes Teil wird überprüft, ob es noch gut ist und wenn ja, auf Tischen in dafür vorgesehene Kisten gelegt. Übriges Brot, Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Blumen von Super- und Großmärkten und von Bäckereien warten darauf, statt im Müll bei Menschen zu landen, die mit dem Frankfurt-Pass gegen einen Obolus von einem Euro Anspruch auf Lebensmittel haben. Kai Lotz ist seit 12 Jahren Leiter des Jugendtreffs Mainfeld und sieht zu, wie immer mehr Leute und Familien mit großen Tüten kommen. "Um 13 Uhr beginnt die Ausgabe", sagt er, lächelt und malt mit Kreide Abstandslinien auf den Boden.

Mieke Weber, die seit gut vier Jahren abwechselnd mit ihrer Schwester für die Tafel in Niederrad zuständig ist, nickt zufrieden. "Mittlerweile läuft alles glatt", erklärt sie. "Es melden sich so viele freiwillige Helfer, dass wir bereits Wartelisten haben. Bis Corona waren wir einmal pro Woche bei den Fleckenbühlern. Das ging in den Räumlichkeiten wegen der Infektionsgefahr für die Bewohner nicht mehr, weil viele Vorerkrankungen haben oder älter sind. Da wussten wir kaum noch weiter", erzählt sie. "Auch, weil unsere Ehrenamtlichen viele Rentner sind, die ebenfalls voll in der Risikogruppe sind." Die Tafel musste einen neuen Ort finden. Und neue Helfer. Da fiel ihnen der Jugendtreff ein. "Natürlich sind wir sofort eingesprungen", so Lotz, der sich kurz mit dem städtischen Träger der Kommunalen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (kjfh) abgesprochen hat. "Räume können wir am Wochenende ohnehin wegen Corona nicht vermieten und gerade in solchen Zeiten darf man Menschen, die ohnehin wenig haben, nicht auch noch etwas wegnehmen", ist er überzeugt.

Frankfurter Tafel: Essensausgabe mit Frankfurt-Pass

Er selbst ist regelmäßig dabei und verteilt selbst mit. "Ich kenne zwar sehr viele Leute aus der Siedlung, aber so erfahre ich noch mehr und kann noch besser auf die Jugendlichen und ihre Eltern zugehen", sagt er. In der Jugendarbeit geht es um das Gemeinsame, darum, sich zu entfalten, Hausaufgaben machen zu können, oder darum, die Fahrradwerkstatt zu nutzen. Durch die Essensausgabe wissen die Jugendlichen jetzt, dass ich weiß, dass sie den Frankfurt-Pass haben und verlieren ihre Scham, darüber zu sprechen."

Das sei gut für sie, ihre Familien und auch für Lotz, da sie merkten, dass sie keinerlei Nachteile durch dieses Wissen erfahren müssen. Im Gegenteil, es mache viel Unterstützung und Verständnis sogar leichter. Auch Weber sieht das so. "Wir haben mittlerweile auch Helfer aus der Siedlung, was toll ist. Die Leute kommen sich ganz natürlich einfach näher und können sich besser in der Hilfe durch Selbsthilfe unterstützen."

Bis zu 300 Personen steuern jeden zweiten Samstag das blaue Haus an, den Jugendtreff im Mainfeld.

Hunderte Menschen suchen Frankfurter Tafel in Niederrad auf

Mehr als 300 Menschen sammeln sich ruhig mit dem entsprechenden Abstand voneinander und mit Masken vor dem kleinen Tischchen, an dem Weber Anmeldungen entgegennimmt und Marken verteilt. Gegen Vorlage vom Personalausweis, ALG II-Bescheid und Nachweis der Zahl der Kinder, Frankfurt-Pass oder Behindertenausweis bekommen alle nicht nur freundliche Worte, sondern das, was sie zum Leben brauchen. Erst sind Familien mit Kindern dran. Neben den Lebensmitteln gibt es manchmal sogar Blumen. Immer wieder hören die Helfer die Worte "Danke. Vielen, vielen Dank".

Für einige Momente weicht den Menschen Härte und Traurigkeit aus dem Gesicht, ihre Augen funkeln, wenn sie genug Lebensmittel haben, um über die Runden zu kommen. Lotz hört ihnen zu. "Es ist so nötig und so leicht zu helfen. Darum geht es. Bald bekommen wir am Jugendtreff auch einen tollen Spielplatz. Auch der wird für viel Freude, Begegnung und Ausgleich sorgen." (Sabine Schramek)

Teile des Ben-Gurion-Rings gelten als sozialer Brennpunkt. Gerade deswegen gibt die Frankfurter Tafel in Bonames dort Lebensmittel aus. Es gibt klare Regeln - damit wirklich geholfen werden kann. Die neue Ausgabestelle der Tafel in Frankfurt-Preungesheim* versorgt bereits mehr als 40 Familien. *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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