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Wo der Wendehammer zum Parkplatz wird

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Wer keinen Parkplatz am Straßenrand bekommt, stellt sein Auto eben im Wendehammer ab. Das ist in der Nordweststadt in den vergangenen Jahren längst zum Alltag geworden. Zum Ärger der Anwohner. FOTO: leonhard hamerski
Wer keinen Parkplatz am Straßenrand bekommt, stellt sein Auto eben im Wendehammer ab. Das ist in der Nordweststadt in den vergangenen Jahren längst zum Alltag geworden. Zum Ärger der Anwohner. © hamerski

Fehlende Stellflächen rund um das Nordwestzentrum - Nachbarn müssen suchen

In einer der Straßen rund um das Nordwestzentrum einen Parkplatz zu erhaschen, gleicht schon länger einem Glückspiel. Mehrere Runden müssen die zumeist frustrierten Autofahrer drehen, sogar die Wendehammer sind, trotz des dort geltenden Parkverbotes, zugestellt.

Sowohl Mitarbeiter des Einkaufszentrums, als auch Kunden tragen zu dieser angespannten Situation bei, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr zugespitzt hat. Das meint zumindest die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt), die daher einen Antrag auf Anwohnerparken rund um das Nordwestzentrum gestellt hatte. Der in der jüngsten Sitzung des Stadtteilgremiums jedoch abgeschmettert wurde. Lediglich die drei SPD-Vertreter sowie ein Mitglied der Grünen-Fraktion stimmten für den Antrag.

3500 Stellplätze im Einkaufszentrum

Ob es tatsächlich Kunden und Mitarbeiter des Einkaufszentrums sind, die in den Nebenstraßen parken, das lässt sich freilich nur schwer nachweisen. Fakt ist aber, dass die Parkplatzsituation ein echtes Problem ist. Während im benachbarten Parkhaus des Einkaufszentrums offensichtlich stets zahlreiche der insgesamt 3500 Parkplätze frei sind. Von Hochzeiten, wie der Vorweihnachtszeit einmal abgesehen.

Das Parkhaus, erklärt Pina Keffel, vom Nordwestzentrum, werde von der Parkhausbetriebsgesellschaft (PBG) verwaltet. Es gebe keine ausgewiesenen Mitarbeiter und auch keinen Sondertarif. Stattdessen gibt es die Möglichkeit ein Monatsticket zu kaufen - was jedoch auch für Privatpersonen möglich ist. 83,30 Euro kostet solch ein Ticket, heißt es auf der Internetseite der PBG.

Ansonsten 50 Cent kostet ein Parkplatz pro angefangene Stunde, der Nachttarif (gilt von 19 bis sieben Uhr) liegt bei vier Euro. Ein echtes Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass ein Parkplatz in der Innenstadt locker das Vierfache kosten kann. Zum Vergleich: Im Parkhaus am Goetheturm muss man für zwei Stunden gleich fünf Euro berappen.

Vielleicht würde sich das Problem lösen, wenn die Parkplätze gleich kostenlos seien, so wie im Main-Taunus-Zentrum, warf Verena Rossow (Linke) ein. Während Ralf Porsche (CDU) zwar Verständnis vor allem für die Mitarbeiter zeigte, so war er doch auch davon überzeugt, dass Anwohnerparken nicht die Lösung sei. „Mit diesem Stilmittel sind wir nicht einverstanden. Wir sind weit weg von der Innenstadt, nur alle Schaltjahre finden Verkehrskontrollen statt und zudem garantieren die 120 Euro, die das Anwohnerparken kostet, auch keinen Parkplatz“, begründete er die Ablehnung der CDU. Eberhard Stelter (FDP) erinnert derweil an mehrere Anträge von Alfons Meister, die allesamt „niedergeschmettert“ worden seien. Und: Anwohnerparken löse nicht das Problem. Roger Bohn (SPD) verteidigte freilich, wenn auch letztlich erfolglos, den Antrag seiner Fraktion. „Bei Mitarbeitern kann ich das Ausweichen in die Umgebung verstehen. Bei Kunden aber nicht. Wir müssen der Sache endlich Herr werden“, sagte er.

Was auch die Verkehrspolizei seit einigen Jahren intensiv versucht. So wurden die Kontrollen in den Straßen, vor allem in den Wendehammern der Nordweststadt, in den vergangenen Jahren sukzessive erhöht. Und: Die Kollegen würden auch weiterhin regelmäßig im Einsatz sein, versichert Michael Stein, Sprecher des Straßenverkehrsamtes. So seien im vergangenen Jahr 750 Verwarnungen ausgesprochen worden und „36 Umsetzungsmaßnahmen angeordnet“. Soll heißen: Es wurde abgeschleppt.

Überprüfung per Luftbild

Um Anwohnerparken einrichten zu können, erklärt Stein, müsse ein erheblicher Parkraummangel vorliegen. Das sei so in der Straßenverkehrsordnung geregelt. Eine erste „sehr vorsichtige“ Einschätzung für die Straßen rund um das Nordwestzentrum ergebe, dass dieser dort nicht vorliege. Weil es neben den Tiefgaragen eben auch die 3500 Parkplätze im Nordwestzentrum gebe. Würde ein entsprechender Antrag vom Ortsbeirat verabschiedet, würde man das selbstverständlich genauer prüfen, so Stein. Was durch Ablehnung des SPD-Antrages aber eben obsolet ist.

Ob sich die Situation in den vergangenen Jahren, insbesondere in den Wendehammern, deutlich verschärft hat, lasse sich aus den vorhandenen Zahlen statistisch nicht seriös belegen, so Stein. Eine kurzfristige, stichprobenartige Prüfung der Luftbilder bis ins Jahr 2000 sowie Panoramabildern bis ins Jahr 2013 hätten allerdings gezeigt, dass dort keine deutlichen Änderung im Parkverhalten vorlägen.

judith dietermann

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