Sind längst in Rente, können aber nicht von ihrer Leidenschaft lassen: Die Goldschmiede Michael Wönne (links) und Christian Hell-Höflinger am Arbeitsplatz in ihrem kleinen Ladengeschäft in Sachsenhausen. FOTO: Rainer Rüffer
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Sind längst in Rente, können aber nicht von ihrer Leidenschaft lassen: Die Goldschmiede Michael Wönne (links) und Christian Hell-Höflinger am Arbeitsplatz in ihrem kleinen Ladengeschäft in Sachsenhausen.

Geschäftsbesuch

Wo die Gondeln pures Gold tragen

  • VonSabine Schramek
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Von der Stange gibt es nichts in der winzigen Werkstatt von Michael Wönne und Christian Hell-Höflinger. Eigentlich sind beide in Rente, aber das ist ihnen zu fad. Und weil sie nichts lieber tun, als sich mit Edelmetallen und Edelsteinen zu beschäftigen, stellen sie Unikate nach Wunsch her.

Sachsenhausen -Die Stufen am Ziegelhüttenplatz sind zwar nicht die spanische Treppe in Rom, aber auch hier gibt es Kleinode. Dort, wo bis vor einem guten Jahr ein Fußpflegesalon war, sind ein Frankfurter und ein Kärntner im Unruhestand eingezogen. "Aurum" wie "Gold" heißt die Goldschmiedewerkstatt schlicht, in der Michael Wönne und Christian Hell-Höflinger an hölzernen Werkbänken direkt am Schaufenster sitzen. Tausende Zangen, Bohrer, Fräsen, Feilen, Schleif- und Polieraufsätze und Pinzetten lassen auf den ersten Blick an eine Zahnarztpraxis denken, doch auf das "Werkbrettfell" aus Rindsleder rieselt feinster Goldstaub. "Früher hat man Schafsleder benutzt, um die kleinen Partikel aufzufangen", sagt Wönne und zieht die Lupe über die Augen.

Wahl-Frankfurter Wönne: "Ich wollte Neues erleben"

Wönne ist Goldschmiedemeister, Gemmologe und Diamantgutachter und war bis vor zwei Jahren 33 Jahre lang Ausbilder an einer der ältesten Goldschmiedeschulen Deutschlands, der Zeichenakademie Hanau. Hell-Höflinger hat sich nach seiner Meisterprüfung in Wien selbstständig gemacht, war Innungsmeister, Vorsitzender der Meisterprüfungskommission, hat Kurse für Edelsteinkunde und Zeichenkunde gegeben. "Dann wollte ich einen Tapetenwechsel, habe innerhalb von drei Wochen alles hingeschmissen. In Österreich hatte ich alles erreicht. Ich wollte Neues erleben", erzählt er in österreichischem Dialekt. In Ingolstadt war er Werkstattmeister bei einem Juwelier, und als dieser sein Geschäft geschlossen hat, kam er nach Frankfurt und arbeitete bis zu seiner Rente 2015 bei Bucherer. "Eine Woche später war ich in einem Atelier in der Wolfsgangstraße, und als Michael in Hanau aufgehört hat, haben wir gemacht, was wir schon lange vorhatten. Nämlich zusammen eine Goldschmiedewerkstatt aufmachen." Die Männer sitzen sich an ihren Werkbänken gegenüber. "Platinschmuck ist gerade nicht so gefragt. Aber Weißgold. Dabei gibt es das gar nicht. Es ist eine Gelbgoldlegierung mit dem Weißfärber Palladium", sagt Hell-Höflinger. Wönne blättert in kunstvollen Zeichnungen. "Oft kommen Kunden, die einen Edelstein gekauft oder geerbt haben und sagen, dass wir uns etwas einfallen lassen sollen", erzählt er. "Dann zeichnen wir Entwürfe, damit die sehen, wie es aussehen kann." Schon die millimetergenauen Zeichnungen sind Kunstwerke für sich. Ringe, Armbänder und Colliers, filigran, dezent oder breit und wuchtig. Kein Stück gleicht einem anderen.

Frankfurter Werkstatt bietet edle Champagnergläser oder kleine Porsche

Edle Champagnergläser, die mit Feingoldblättern geschmückt und wie Blumen umschlungen wurden, ein kleiner Schlüsselanhänger als authentischer Porsche in Silber mit goldenen Bremsscheiben oder ein 30 Millimeter großes Riesenrad aus Gold, auf dem winzige goldene Gondeln gemütlich schaukeln, ein breiter Silberring, der wie mit einem Augenlid aus Gold einen grünen Turmalin leuchten lässt, ein gefächerter Armreif aus Gold mit schwarzer Emaille, die wie Vogelfedern aussehen, eine reifenförmige schlanke Halskette mit integriertem Anhänger aus mundgeblasenen Glaskugeln mit Goldspitzen und in Gold eingefassten blauen Saphiren, die wie eine Symbiose aus Moderne und Jugendstil wirkt. Diamanten, Perlen, Saphire, Mondsteine, Rubine, Amethyste in allen Farben und Formen als kleinste bunte Sternchen oder als scheinbar frei schwebende Kunstwerke glitzern um die Wette. Wönne sprüht vor Elan beim Erzählen, Hell-Höflinger spricht langsamer mit dem typisch österreichischen Schmäh. Bei ihrer Kreativität und ihrer Handwerkskunst sind sie die perfekten Partner. "Wir bringen zusammen 100 Jahre Berufserfahrung mit und darauf ruhen wir uns nicht aus. Ganz im Gegenteil, die Neugierde auf Neues wächst immer weiter", schwärmt Wönne. "Mit jedem Stück, das wir kreieren, wollen wir jemanden glücklich machen und nehmen uns die Zeit, jeden noch so ausgefallenen Wunsch zu erfüllen. Dafür tauschen wir uns auch aus." Beide haben nicht nur minimalistische Werkzeuge, sondern jeder auch einen winzigen Stempel, die sorgfältig in ihre Schätze gepunzt werden. Das Einzige, was sie seit ihrem Einzug ins Aurum noch nicht geschafft haben, sind Eigenkreationen für sich selber. Beide sehen hoch von ihrer Werkbank, blicken sich in die Augen und lachen. "Das kommt bestimmt noch. Wenn Zeit ist."

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