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Wo Generationen zusammen wohnen

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Von: Alexandra Flieth

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"Doppelpunkt Unterliederbach" ist ein eingetragener Verein und ein gemeinschaftliches Wohnprojekt, dessen Mitglieder am Sossenheimer Weg gemeinsam gebaut haben. FOTO: Maik Reuß
"Doppelpunkt Unterliederbach" ist ein eingetragener Verein und ein gemeinschaftliches Wohnprojekt, dessen Mitglieder am Sossenheimer Weg gemeinsam gebaut haben. © Maik Reuß

Genossenschaftliches Projekt in ehemaliger Gärtnerei gilt als beispielhaft

Mehrere Generationen unter einem Dach, inklusiv, ökologisch und interkulturell auf spekulationsfreiem Wohnraum: Das gemeinschaftliche Wohnprojekt "Doppelpunkt Unterliederbach" am Sossenheimer Weg 64-66 auf dem ehemaligen Gärtnereigelände ist gleich in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Und es ist sogar als Vorzeigeobjekt für den "Tag der Architektur" ausgewählt worden (siehe Infobox).

Wie ein Doppelpunkt

Entwickelt hat es der Architekt Klaus Korbjuhn. Und der Name des Projektes ist Programm: Von oben betrachtet erinnern die beiden Gebäude auf dem rund 1 200 Quadratmeter großen Grundstück an einen Doppelpunkt.

Bauherrin und Eigentümerin ist die Wohnungsbaugenossenschaft in Frankfurt am Main (WBG), an der die Bewohner Genossenschaftsanteile und damit das Recht an der Nutzung der Wohnungen erworben haben.

Die Bewohner - vom Single bis zur Familie und von jung bis alt - teilen das Interesse an neuen Wohnformen, in denen das Gemeinschaftliche im Mittelpunkt steht, und haben sich für das Projekt gefunden. Ihr Konzept des gemeinschaftlichen Wohnens, entwickelt zusammen mit Korbjuhn und der Lebenshilfe Frankfurt, überzeugte den Beirat des Liegenschaftsfonds der Stadt. Der vergibt Grundstücke an selbstorganisierte, gemeinschaftliche Wohnprojekte auf Zeit. Auch das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen unterstützte die Bewohner.

Heute leben 25 Bewohner in den beiden Gebäuden, darunter auch eine vierköpfige Wohngemeinschaft der Lebenshilfe Frankfurt - es ist damit auch ein Projekt, das Inklusion und die Selbstständigkeit von Menschen mit Beeinträchtigungen fördert. Vor kurzem wurde mit einer kleinen Feier an den Spatenstich vor zwei Jahren erinnert, jetzt ist wieder Alltag eingezogen. Die beiden Häuser unterscheiden sich farblich und von der Wohnraumgröße. Maximilian Bräutigam, Vorsitzender des Bewohnervereins, der ebenfalls "Doppelpunkt Unterliederbach", kurz ":uliba" heißt, lebt mit seiner Frau Katharina und den drei Kindern im roten Gebäude auf 115 Quadratmetern. Nebenan ist noch eine Familie auf 95 Quadratmetern.

Alles ist barrierefrei

Die Eingänge sind über eine Treppe zu erreichen, die Wohnräume selbst sind als Maisonette, also über zwei Etagen, gestaltet. Im Erdgeschoss wohnen die Bewohner der Wohngemeinschaft der Lebenshilfe. Alles ist barrierefrei geplant. Jeder Bewohner zahle ein Nutzungsentgelt, das einer Miete gleichkomme, erklärt Bräutigam - zwölf Euro pro Quadratmeter. Ziel des Bewohnervereins ist es unter anderem, ein selbstbestimmtes, gemeinschaftliches Wohnen zu fördern. Es geht um inklusive und nachhaltige Formen des Zusammenlebens, aber auch darum, sich in den Stadtteil hinein zu öffnen. "Miteinander leben, Impulse setzen und nachhaltig handeln" - lautet das Leitbild der Bewohner. Die Nachhaltigkeit zeigt sich etwa darin, dass es fast nur Fahrräder und keine Autos auf den dafür vorgesehen Parkflächen gibt. Lediglich zwei Autos, mit Car-Sharing genutzt, sind zu sehen.

Jeder hat einen Balkon

Zwar gibt es im roten Haus keinen eigenen Fahrstuhl. Dafür aber im zweiten Gebäude, das in seiner Grundform wie ein Würfel anmutet - bis auf das Dach, unter dem ebenfalls Wohnraum geschaffen wurde. Insgesamt elf Wohneinheiten sowie ein großer Gemeinschaftsraum sind hier untergebracht. Die Wohnungsgrößen variieren von zwei bis zu vier Zimmern. "Jede davon hat einen gleich großen Balkon oder im Erdgeschoss eine ebenso große Terrasse", erklärt der Architekt, der an neuen Formen gemeinschaftlichen Wohnens interessiert ist.

Beide Gebäude sind über einen Laubengang auf Höhe der ersten Etage miteinander verbunden. Im Gemeinschaftsraum treffen sich die Bewohner zu gemeinsamen Projekten wie Filmabende oder einem Lesezirkel. Gemeinsam möchten sie schon bald die Grünfläche gestalten, die sich hinter dem zweiten Haus auftut - mit Blick auf die anschließenden Kleingärten.

Führung im Juni

Der Neubau von "Doppelpunkt Uliba" ist von der Architektenkammer als Vorzeigeobjekt für den "Tag der Architektur" ausgewählt worden. Am 25. und 26. Juni können hessenweit Neubauprojekte besucht werden, und das Unterliederbacher Wohnprojekt gehört dazu. Das Wohnprojekt will am Samstag, 25. Juni, um 14.30 Uhr und 15.30 Uhr Führungen anbieten. Um Anmeldung wird gebeteten per E-Mail unter info@agplus.de. Alexandra Flieth

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