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Wo's in Frankfurt herrlich duftet

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Von: Holger Vonhof

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Den Bärlauch an den Wegen sollten Sammler besser ignorieren: Hier ist die Gefahr recht groß, dass Hunde ihr Geschäft verrichtet haben. Geerntet werden darf generell nur in geringen Mengen. FOTO: Vonhof
Den Bärlauch an den Wegen sollten Sammler besser ignorieren: Hier ist die Gefahr recht groß, dass Hunde ihr Geschäft verrichtet haben. Geerntet werden darf generell nur in geringen Mengen. © holger vonhof

Die Frühblüher sind draußen - und allen voran der Bärlauch, ein beliebtes Wildgemüse

Herrlich duftet es seit einigen Tagen im Niedwald: Der Bärlauch ist draußen. Das zieht Sammler an. Es gibt Menschen, die füllen die großen blauen Tragetaschen eines schwedischen Möbelhauses mit Bärlauch und schleppen eine links, eine rechts unterm Arm aus dem Wald. Das ist verboten. Aber wer ein bisschen Bärlauch erntet, um ihn in der heimischen Küche zu Pesto oder Kräuterbutter mit Knoblaucharoma zu verarbeiten, bekommt im Zweifel keinen Ärger mit der Obrigkeit: Die Pflanze darf in kleinen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden; die gewerbliche Nutzung von Wildbeständen ist verboten. Und: Der Niedwald ist ein Landschaftsschutzgebiet: Wer mehr als einen Strauß erntet, muss mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Aber: Man bekommt Bärlauch jetzt auch auf dem Höchster Markt. Da braucht man kein schlechte Gewissen zu haben, und die Schuhe bleiben sauber. Denn im Niedwald sollte man Bärlauch nur abseits der Wege ernten, will man vermeiden, dass Hunde eine ganz besondere Note zum Aroma beigetragen haben.

In der Sonne steigt das Aroma auf

Bärlauch, eine Pflanze aus der Gattung Allium und somit verwandt mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch, ist bei Feinschmeckern beliebt. Das Kraut treibt früh aus - jetzt ist es so weit, und Kenner wissen: Jetzt liegt der ganze Niedwald unter einer Knoblauch-Wolke - besonders gestern in der vormittäglichen Sonne, die den Tau von den Blättern und mit ihm die Duftstoffe nach oben zog.

Bärlauch, Knoblauchspinat, Waldknoblauch, Hundsknoblauch oder Hexenzwiebel - Namen gibt es viele für das Kraut, das 20 bis 30 Zentimeter hoch wird und gerne in Auen wächst: Der Niedwald ist ein schattiger, feuchter Auwald. Dort zeigt er sich mit Buschwindröschen, Gelbstern oder Lärchensporn als Frühblüher. Im Februar beginnt die Saison, und mit der Blüte - meist im April - verliert er einen Großteil seines Aromas.

Die Gefahr der Verwechslung besteht

Das hat einen Vorteil: Kenner sammeln früh und können ihn so nicht mit Maiglöckchen verwechseln, deren Blätter sehr ähnlich, aber äußerst giftig sind. Auch mit Herbstzeitlosen kann er verwechselt werden oder mit jüngeren Blättern des Gefleckten Aronstabs. Sammler, die meinen, dass ihnen so etwas nicht passieren könnte, weil Bärlauch eben so stark nach Knoblauch riechst und die anderen Pflanzen nicht, seien gewarnt: Wer vorher echten Bärlauch hatte und dann eine falsche Pflanze greift, hat oft schon den Knoblauchgeruch an den Händen. Wer den Bestand schützen möchte, schneidet jeweils nur einige der äußeren Blätter ab - so kann sich die Pflanze besser regenerieren.

Buschwindröschen und Lärchensporn blühen im Niedwald meist im März; der ganze Wald ist dann ein einziges Fotomotiv. Doch die Natur erwacht jetzt im Februar mit dem Bärlauch. Denn der Niedwald ist ein wertvoller Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere, geprägt von den Altarmen der Nidda und einem hohen Grundwasserpegel.

Jeden ersten Samstag im Monat lädt der Verein "Waldwerk" von 15 bis 17 Uhr in sein Domizil, das ehemalige Wasserwerk, das über den Waldweg zu erreichen ist, der gegenüber des R 4-Hotels (früher Ramada) von der Oeserstraße abgeht. Die Bushaltestelle "Neufeld" der Linie 59 ist nur etwa 150 Meter entfernt.

Rund um den historischen Ziegelbau des früheren Pumpwerks kann man unverbindlich Naturschutzprojekte kennenlernen, die von "Waldwerk" und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) umgesetzt werden - und für die man sich immer über freiwillige Helfer freut. Das Umweltlernen steht dabei im Mittelpunkt; der Wald ist Lernbiotop, Freilandlabor und grünes Klassenzimmer. Angeboten werden auch jahreszeitliche Veranstaltungen.

Und warum heißt der Bärlauch so? Die Pflanze soll im Frühling die erste Nahrung der Bären nach ihrem Winterschlaf gewesen sein und wie eine Frühjahrskur gewirkt haben. Auf jeden Fall gilt er als heilsam bei Magen-Darm-Problemen, verdauungsfördernd, antibakteriell und kreislaufanregend. Holger Vonhof

Mehr Infos

zu den Bärlauch-Regeln sowie mehr Rezepte gibt es unter www.waldwerk-frankfurt.de

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