Viele arbeiten zu Zeiten von Corona im Homeoffice. (Symbolbild)
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Viele arbeiten zu Zeiten von Corona im Homeoffice. (Symbolbild)

Corona-Pandemie

Homeoffice bei der Stadt Frankfurt? – Nicht gerne gesehen

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Bei der Stadt Frankfurt tut man sich offenbar schwer mit Homeoffice-Regelungen. Auch bei vielen Unternehmen ist die Skepsis groß.

Frankfurt – Noch mehr Mitarbeiter aus Unternehmen und Verwaltung sollen ab sofort zu Hause bleiben, am heimischen Schreibtisch ihre Arbeit erledigen. Es sollen sich deutlich weniger Menschen in Bussen und Bahnen auf dem Weg zur Arbeit und in den Büros begegnen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Mitarbeiter sollen sogar von ihren Chefs verlangen können, ins Homeoffice gehen zu dürfen. Betriebe müssen mit Kontrollen der Arbeitsschutzbehörden rechnen, ob sie im möglichen Maß ihre Beschäftigten von zu Hause arbeiten lassen.

Mehr Homeoffice als derzeit gehe kaum, die Möglichkeiten seien ausgereizt, weitgehend jedenfalls, sagt Bernd Jenne, Sprecher der Frankfurter Sparkasse. Für 800 der 1500 Mitarbeiter habe das Finanzunternehmen die technischen Voraussetzungen geschaffen fürs Arbeiten in den eigenen vier Wänden, in Anspruch genommen werde dies von etwa 500.

Homeoffice in Frankfurt: Verbände weisen auf nötige Büro-Präsenz hin

Besonders Mitarbeiter aus den Kernbereichen wie etwa Personalabteilung und Controlling arbeiteten daheim. Tatsächlich gebe es aber auch Bereiche, die Präsenz am Arbeitsplatz unerlässlich machten: in den Filialen, in der IT-Administration, in sicherheitskritischen Zuständigkeiten. "Und überall da, wo es um Verträge und Unterschriften geht", so Jenne. Die jüngste Landesverordnung für mehr Homeoffice liege der Fraspa noch nicht vor. Da, wo sie ins Arbeitsrecht eingreife, sei möglicherweise eine umfassende juristische Prüfung erforderlich.

Nicht viel Potenzial für noch mehr Homeoffice vermutet ein Spitzenvertreter des Unternehmerverbandes Frankfurt (UVF). "Ich gehe davon aus, dass es die allermeisten Betriebe, die es können, längst machen", sagte am Mittwoch (20.01.2021) Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender auf Anfrage. Bei der Forderung nach mehr Homeoffice werde nicht ausreichend gewürdigt, dass in den Betrieben seit März viel getan worden sei für den Gesundheits- und Infektionsschutz. "Diese Effekte werden völlig vernachlässigt", so Fasbender. Im Homeoffice könnten nicht alle erforderlichen Arbeiten erledigt werden. Daran ändere auch die Ankündigung des Arbeitsministers nichts, Betriebe zu kontrollieren. Da, wo Mitarbeiter auf Posteingang und Aktenbestand zugreifen müssten, müssten sie im Zweifel pendeln zwischen Büro und Zuhause. "Ob das den Personennahverkehr entlastet, wage ich zu bezweifeln", so Fasbender.

Frankfurt: Kritik an Beschlüssen zu Homeoffice – Enorme Dokumentationspflicht

Auch Familienunternehmer sehen die jüngsten Beschlüsse zum Homeoffice wohl kritisch. "Um für Kontrollen der Arbeitsschutzbehörden vorbereitet zu sein, müssen die Betriebe enormen Dokumentationspflichten nachkommen, um für jeden Angestellten, der nicht mobil arbeiten kann, die betriebliche Präsenznotwendigkeit nachzuweisen", zitiert der Nachrichtensender ntv einen Sprecher des Verbandes, der 180.000 Familienunternehmen vertritt.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt, der zahlreiche Familien- und Kleinunternehmen angehören, hat auf Anfrage keine Stellung genommen zur neuen Homeoffice-Regelung. Aus rechtlichen Gründen, wie eine Sprecherin erläuterte. Das sogenannte Limburger Urteil von 2010 erlege Kammern äußerste Zurückhaltung auf bei Kommentierung und Bewertung allgemeiner politischer Belange. Erkenntnisse, wie viele Mitgliedsbetriebe Homeoffice anbieten, lägen der IHK Frankfurt nicht vor. Umfragen unter den Mitgliedern dazu, wie sie etwa die IHK Schleswig-Holstein gemacht hat, gebe es nicht.

Frankfurt: Homeoffice in der Stadtverwaltung – „Die Einstellung vieler ist so veraltet“

Der Weg ins Homeoffice ist bei der Stadt Frankfurt mitunter offenbar hindernisreich. Die Stadtverwaltung mit 13.000 Beschäftigten hat für 8.000 die technischen Voraussetzungen eingerichtet. "Man bekommt eine Zugangsberechtigung, das war es dann aber auch", berichtet ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er müsse mit Abteilungs- und Sachgebietsleiter regelrecht darum kämpfen, im Homeoffice zu arbeiten.

"Die Einstellung vieler ist so veraltet. Hier gibt es Misstrauen, dass zu Hause nicht gearbeitet wird. Oder dass es nicht fair wäre, wenn nicht alle ins Homeoffice könnten - also müssen alle im Büro antanzen", berichtet der städtische Angestellte. "Wenn es gut läuft, bekommt man einen Tag pro Woche. Egal, ob Alleinerziehender oder Angehöriger einer Risikogruppe."

Homeoffice bei der Stadt Frankfurt nicht gern gesehen

Zwar gebe es die Dienstanweisung, großzügig Homeoffice anzubieten. "Aber die Realität sieht vollkommen anders aus. Es wird einfach nicht gerne gesehen und daher trauen sich auch viele gar nicht, nach Homeoffice zu fragen." Es würden nicht einmal Teams aufgeteilt, um im Ernstfall eine Ansteckung aller zu vermeiden. Es gebe aber auch Kollegen, die gar nicht zu Hause arbeiten wollten, obwohl es möglich wäre. Der städtische Beschäftigte kommt zu dem Fazit: "Beim Thema Homeoffice ist die Stadt Frankfurt in den Siebzigerjahren hängen geblieben."

Nun soll jeder Beschäftigte, dessen Arbeitsplatz es betrieblich ermöglicht, gegenüber seinem Arbeitgeber den Wunsch nach Arbeit im Homeoffice durchsetzen können. Die Gewerkschaft Verdi war gestern für eine Stellungnahme dazu nicht zu erreichen. (Sylvia Amanda Menzdorf)

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