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Wo Mieter ihre Rechte kennenlernen

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Von: Friedrich Reinhardt

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Das Team des Nachbarschaftsbüros Gerd Kieker (v.l.) und Sebastian Wolff und Leiter der Stabsstelle Mieterschutz Kai Schönbach geben Mietern Orientierung bei Konflikten mit dem Vermieter. FOTO: Hamerski
Das Team des Nachbarschaftsbüros Gerd Kieker (v.l.) und Sebastian Wolff und Leiter der Stabsstelle Mieterschutz Kai Schönbach geben Mietern Orientierung bei Konflikten mit dem Vermieter. FOTO: Hamerski © Leonhard Hamerski

Nachbarschaftsbüro Riederwald und Stabsstelle Mieterschutz bieten Offene Sprechstunde

Wann Bürger sich wegen einer Nebenkostenabrechnung beraten lassen sollten, ist für Kai Schönbach eindeutig. "Immer." Mal erfasse etwa der Vermieter nicht richtig, was Mietzahlung und was Vorauszahlung war. Mal enthalte die Abrechnung Kosten, die der Mieter nicht zahlen müsse. "Viele Laien kennen die Feinheiten einer Betriebskostenabrechnung nicht, dafür sind Abrechnungen viel zu komplex."

Schönbach ist der Leiter der Stabsstelle Mieterschutz. Kariertes Hemd, moderne Brille, Fahrradfahrer. Der Jurist spricht so, dass ihn jeder versteht und mit seiner Kollegin Janina Lisch berät er nun einmal im Monat im Riederwald Mieter bei einer Offenen Sprechstunde. Dieses Angebot hat das Quartiersmanagement mit der Stabsstelle geschaffen.

Im der Sozialberatung hätten die Besucher häufig Schwierigkeiten mit dem Vermieter angesprochen, sagt Gerd Kieker, der im Nachbarschaftsbüro sein Anerkennungsjahr absolviert. Oft kämen Probleme zur Sprache, die über die Hilfe beim Ausfüllen von Formularen hinausgehen. Seit über fünf Jahren wird Sebastian Wolff immer wieder mit Mietfragen konfrontiert, erzählt er - oft von Mietern der ABG Frankfurt Holding. "Der Klassiker im Stadtteil ist Schimmel." Der Riederwald sei ein altes Sumpfgebiet. "Hier ist extrem viel Feuchtigkeit in der Wohnung und wenn sich Mieter damit an die ABG wenden kommt immer die Rückmeldung, sie würden falsch lüften."

Zwischen Mediation und Rechtsberatung

Dass es so viele Beschwerden über die ABG gibt, wundert Schönbach nicht. Das sage aber nur bedingt etwas über die ABG aus. "Mängel an der Wohnung, Betriebskostenabrechnungen oder Streit mit den Nachbarn sind überall die häufigsten Anlässe für Konflikte zwischen Mieter und Vermieter." Und da die ABG im Riederwald der größte Vermieter ist, gibt es über sie eben auch viele Beschwerden.

Bei seinen Beratungen sieht sich die Stabsstelle als Mediator. "Wir sind der Meinung, dass das Gespräch das erste Mittel sein sollte, um im Interesse eines gedeihlichen Miteinanders solche Probleme auszuräumen. In manchen Fällen versuche sie auch einen Runden Tisch zu bilden, an dem Mieter und Vermieter Positionen austauschen und nach Lösungen suchen, die für beide Seiten tragbar sind.

Mietminderung richtig durchsetzen

Die Stabsstelle will Mieter über ihre Rechte aufklären. "Viele Menschen kommen mit der Erwartung zu uns, dass sie sowieso keine Chance hätten, ihre Rechte durchzusetzen. Darum suchen sie sich keine Rechtsberatung, weil die ja Geld kostet", erklärt Schönbach. Die Beratung bei der Stabsstelle ist kostenfrei. "Da sagen wir den Mietern oft, dass sie die Möglichkeit haben, eine Mietminderung durchzusetzen oder eine Baumaßnahmen abzuwehren." Die Stabsstelle kann Mieter vor Gericht nicht vertreten. Schönbach und seine Kollegen können aber Orientierung bieten, wie die Chancen juristisch stehen.

Mängel in der Wohnung und Nebenkostenabrechnungen sind die häufigsten Konfliktfelder zwischen Mieter und Vermieter. Oft beriefen sich Vermieter darauf, dass kleine Reparaturen der Mieter übernehmen müsse. Das stimme so nicht, erklärt Schönbach. "Grundsätzlich gilt, der Mieter muss für den Schaden nur aufkommen, den er selbst verursacht hat." Manchmal auch für Kleinstreparaturen. Und wenn der Vermieter seiner Pflicht nicht nachkommt - bei Schimmel etwa auf falsches Lüften verweist? Schönbach rät davon ab, eigenhändig die Miete um irgendeinen Betrag zu kürzen, weil man das im Internet gelesen hat. Lieber in die Beratung kommen. Auch zur Kommunikation mit dem Vermieter berät die Stabsstelle. Friedrich Reinhardt

Die nächste Sprechstunde

Im Nachbarschaftsbüro, Schäfflestraße 24 am Dienstag, 12.Juli, von 15 Uhr bis 17 Uhr. Anmeldung unter (069) 41 07 48 57

Und noch mehr Angebote

Die Stabsstelle Mieterschutz wurde 2019 gegründet, um Mietgemeinschaften vor Vertreibung zu schützen. Anstoß war der jahrelange Kampf von Bewohnern der Wingertstraße 21 im Ostend. Deren Vermieter hatte sie aus dem Haus mobben wollen, um aus den Wohnungen teure Eigentumswohnungen und Luxusapartments zu machen. Letztlich auch mit Erfolg. Um Mieter in solchen Situationen unterstützen zu können, richtete das Planungsdezernat beim Amt für Wohnungswesen die Stabsstelle Mieterschutz ein.

Die Stabsstelle bietet Sprechstunden: Im Ben-Gurion-Ring (erster Montag im Monat, 14 bis 16 Uhr Ben-Gurion-Ring 56), im Gallus (erster Dienstag im Monat, 11Uhr bis 13 Uhr, Mainzer Landstraße 293), in Preungesheim (zweiten Mittwoch im Monat, 10 Uhr bis 12 Uhr, Wegscheidestraße 32a), in Rödelheim (unregelmäßig) und im Riederwald (ab August jeden dritten Dienstag im Monat). Drohen für Mieter Fristen abzulaufen, können diese sich an die Mietrechtliche Beratung wenden unter (069) 21 23 47 1, montags, mittwochs und freitags von 8.30 Uhr bis 12 Uhr.

Reagiert der Vermieter nicht, obwohl man ihn auf Mängel hingewiesen hat - sei es eine defekte Heizung oder Schimmel - können sich Mieter an die Wohnungsaufsicht wenden unter (069) 21 23 14 31 oder wohnraumerhaltung@stadt-frankfurt.de. msr

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