Hochwasser in Frankfurt
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Auch in Frankfurt können Überschwemmungen nicht ausgeschlossen werden. (Archivfoto)

Frankfurt ist gewarnt

„Starkregenkarte“ von Frankfurt – Hier droht in Zukunft Hochwasser

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Die Stadt erfasst in einer „Starkregenkarte“ Orte in Frankfurt, die zur Überschwemmung neigen.

Frankfurt ‒ Die Bilder von der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben viele schockiert: Kann so etwas auch die Stadt Frankfurt, das Rhein-Main-Gebiet treffen? Ja und nein. Nein, weil der Main hier nicht in einem engen Flusstal fließt. Ja, weil Überschwemmungen nicht auszuschließen sind, und zwar nicht nur am Main, sondern auch an der Nidda und den zahlreichen Bächen, die vom Taunus her ins Stadtgebiet fließen. Viele davon sind zwar periodische Zuflüsse, die nicht einmal das ganze Jahr über Wasser führen.

Dass sie sich bei einem Starkregen jedoch für zumindest kurze Zeit in reißende Wildbäche verwandeln können, hat vor knapp einem Jahr im Main-Taunus-Kreis und dem Frankfurter Westen der Liederbach unter Beweis gestellt, als er ganze Stadtteile in Bad Soden, Kelkheim und Liederbach überflutet und im Frankfurter Stadtteil Unterliederbach gar eine Mauer weggespült hat. Zuletzt liefen in Unterliederbach am 29. Juni die Keller bei einem Starkregen voll, und der Verkehr brach zusammen, weil sich die Königsteiner Straße nahe der A66 in einen See verwandelt hatte.

Gefahr von Hochwasser in Frankfurt: Altes Kanalnetz kann Wassermassen nicht aufnehmen

Das Überschwemmungsgebiet des Liederbachs ist am 23. Juni 2008 bereits vom Regierungspräsidium Darmstadt amtlich festgestellt worden. Was das bedeutet, wissen nur wenige: Weite Teile der Grundstücke im Stadtteil, auch Hunderte Meter vom Bachlauf entfernt, sind Überschwemmungsgebiet. Die Rechtsverordnung einschließlich Plänen, Flurstücksverzeichnis und Erläuterungsbericht kann im Internet heruntergeladen werden. Man kann alle Unterlagen auch nach telefonischer Terminvereinbarung bei der Unteren Wasser- und Bodenschutzbehörde im Umweltamt einsehen. Die Nachfrage ist bescheiden.

Das Problem ist das gleiche wie andernorts, beispielsweise in Offenbach*: 1600 Kilometer Länge weist das öffentliche Kanalnetz auf, das Abwasser zu den Kläranlagen Niederrad und Sindlingen leitet. Dort hinein fließt auch das Wasser aus den Straßengullys. Aber: Rund 10 Prozent des Kanalnetzes sind mehr als 100 Jahre alt, und die Infrastruktur ist gar nicht in der Lage, diese Wassermassen aufzunehmen. Wenn also im Westen der Liederbach nicht in seinem Bett, sondern über den Asphalt der Liederbacher Straße fließt, ist das gewollt.

Versiegelung der Böden vergünstigt Überschwemmungen in Frankfurt: Wohin mit den Wassermassen?

Zwei unterschiedliche Entwässerungsverfahren existieren: Beim Mischsystem fließt das Schmutzwasser zusammen mit dem Regenwasser in einem Kanal ab; rund 90 Regenüberläufe und Regenbecken entlasten das Kanalnetz in Frankfurt bei starken Regenfällen. Beim Trennsystem werden Regen- und Schmutzwasser in getrennte Kanalnetze abgeleitet. Und das ist nicht wenig: Bei Trockenwetter fallen schon täglich 300.000 Kubikmeter Abwasser an - das sind etwa 15.000 Tanklastzüge.

Derzeit macht unter Planern das Wort von der „Schwammstadt“ die Runde. Unbelastetes Regenwasser soll nach Möglichkeit dort, wo es vom Himmel fällt, versickern. Doch in dicht bebauten städtischen Bereichen ist das nicht möglich - zu viele Böden sind versiegelt. Gerade mit der „Nachverdichtung“ steigt die Gefahr von Überschwemmungen. Gegenmittel sind Dachbegrünungen, Versickerungsanlagen, Zisternen oder auch künstliche Gewässer. In Berlin gibt es zur Umsetzung bereits eine „Regenwasseragentur“.

Regenbecken und Rückhaltekanäle: So sorgt die Stadt Frankfurt derzeit Hochwasser vor

In Frankfurt behilft man sich noch mit herkömmlichen Mitteln: 236 Regenbecken und Regenrückhaltekanäle mit zusammen etwa 80.000 Kubikmeter Fassungsvermögen dienen dazu, Regenwasser zu speichern, um eine Überlastung des Kanalnetzes oder der Gewässer zu vermeiden.

22 Pumpwerke sorgen in Frankfurt dafür, dass das Abwasser aus tief gelegenen Einzugsbereichen in das Kanalnetz und zu den Kläranlagen transportiert wird. Die größte und wichtigste Anlage ist das Pumpwerk „Mainmühle“ in Höchst, welches das Abwasser von Nied, Höchst, Schwanheim und Sossenheim entsorgt.

Unter Beteiligung mehrerer Ämter arbeitet die Stadt Frankfurt derzeit an einer Starkregenkarte, aus der ersichtlich werden soll, wo mit Überschwemmungen zu rechnen ist. Eingezeichnet werden dort vor allem Straßensenken wie auf der Königsteiner oder Liederbacher Straße oder auch am Schwanheimer Ufer. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig will diese Karte in den kommenden Wochen vorstellen. (hv) *op-online.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

In Hessen gibt es immer wieder Hochwasserereignisse. So massive Überschwemmungen und Schäden, wie sie Teile von Rheinland-Pfalz und Nordrheinwestfalen nun getroffen haben, blieben bisher aber glücklicherweise aus. Ist Hessen auf extreme Hochwasser vorbereitet?

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