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Römer Frankfurt

Die Woche im Römer

Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb

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Just zum Jahreswechsel haben die guten Vorsätze wieder Hochkonjunktur. Während sich die einen vornehmen, sich von ihren Lastern wie Zigaretten und Schokolade zu verabschieden, wollen die anderen lieber wieder mehr Sport treiben.

Natürlich sind auch Frankfurts Magistratsmitglieder hochmotiviert, in diesem Jahr etwas in ihrem Leben zu ändern. An oberster Stelle steht da für 2019: „Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb.“ Mit diesem kindlichen Tischspruch wollen sie sich fortan vor jeder gemeinsamen Sitzung – Händchen haltend versteht sich – einschwören.

Bei diesem Vorsatz alleine soll es aber nicht bleiben. Sowohl Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) als auch die anderen neun hauptamtlichen Magistratsmitglieder haben für sich selbst ein Ziel formuliert – noch schnell aus den Fingern gesogen, bevor in der Silvesternacht die ersten Böller gezündet wurden.

Julia Lorenz

Da wäre zunächst das Stadtoberhaupt selbst. Peter Feldmann will fortan seine Zuhörer nicht mehr mit seinen fünf Hauptthemen und seinen ewigen Wiederholungen langweilen. Die Geschichte von Karl dem Großen und der Internationalität der Stadt soll fortan nicht mehr erzählt werden. Und die goldene Amtskette, die will er zumindest abends beim Zubettgehen ablegen, ist ja auch nicht so gemütlich, mit so einem schweren Teil um den Hals von der nächsten gewonnenen Wahl zu träumen.

Uwe Becker hingegen will mal richtig einen auf dicke Hose machen. Anstatt zu sparen, will er das Geld mit vollen Händen ausgeben. Während SPD und Grüne bei der jüngsten Klausur ihre Ziele durchsetzen und ein sozialpolitisches Programm auf die Beine stellen konnten, ging die CDU ziemlich leer aus. Das will Becker nun ändern und auch den konservativen Wählern eine Freude machen. Deshalb bewilligt er eine Milliarde Euro für einen Prestigebau von Oper und Schauspiel direkt am Main.

Baudezernent Jan Schneider (CDU) und Sylvia Weber (SPD) bekommen von diesem Vorsatz zunächst nichts mit, sitzen die beiden Streithähne indes doch bei Stadtdekan Johannes zu Eltz. Dieser ist ihr Mediator, damit sich die beiden endlich wieder liebhaben. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nimmt sich vor, noch stärker der Wohnungsnot in der Stadt entgegenzuwirken. Er will sein Wohnzimmer vermieten, seine Frau hat’s erlaubt.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) will in diesem Jahr endlich seinen Führerschein machen. Diesen hat er nämlich noch nicht, will aber besser in der Debatte um die Diesel-Fahrverbote mitsprechen können. Vielleicht auch noch ein Auto?

Und was hat sich Sportdezernent Markus Frank (CDU) vorgenommen? Ganz klar. Er will sich weiterbilden. Der gelernte Autoschlosser, der zwei Tankstellen besitzt, will nun auch noch Bademeister werden. Immerhin hat er sich gemeinsam mit dem Oberbürgermeister dafür stark gemacht, dass Kinder künftig kostenlos die städtischen Schwimmbäder besuchen dürfen. Seit dieser Woche ziert sein Facebook-Profil ein Foto vom Brentanobad.

Auch Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hat sich vorgenommen, sich fortzubilden. Sie will einen Jagdschein machen, um künftig selbst Nilgänse vertreiben zu können.

So harte Geschütze will Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) nicht auffahren. Sie gründet eine Laienspielgruppe, um als Politik-Neuling die politischen Grabenkämpfe besser verdauen zu können.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) versteht das Geschäft nach langjähriger Erfahrung schon ganz genau. Sein Vorsatz dreht sich um die Gesundheit seiner Magistratskollegen; will er an sie doch die Grippeschutzimpfung sowie Kräutertee verteilen. Der Grund? Damit die Stadträte keine Ausreden mehr haben, wegen Krankheit die gemeinsamen Sitzungen zu schwänzen.

Und was will Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) erreichen? Sie muss lange überlegen. „Läuft bei mir“, denkt sie. Und damit es im Römer nicht allzu langweilig wird, zettelt sie auch schon den nächsten Streit an und meckert lautstark und in aller Öffentlichkeit über Majers Kräuertee. Da ist es vorbei mit „Friede, Freude, Eierkuchen“ und alles ist beim Alten – wie im echten Leben, wenn wieder genüsslich der Schokoladenriegel verputzt wird.

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