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Ein Bild mit Symbolkraft: Zurzeit ist der Haushalt im Römer in Schieflage. Dennoch wagt die Stadt eine kostenintensive Personal-Offensive.

Kolumne

Die Woche im Römer: Politiker haben die Pflicht zum Ruhestand

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Gute Politiker zeichnet aus, dass sie wissen, wann es Zeit ist, sich zurückzuziehen. Und im Interesse ihrer eigenen Partei haben sie manchmal auch die Pflicht zum Ruhestand.

Für die CDU dürfte es ein Segen sein, dass ihre langjährige Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach (74) die Partei verlassen hat. Denn sonst würde sie nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament wohl immer noch die Parteipolitik aus dem Ruhestand heraus kommentieren. Es ist nämlich für Politiker gar nicht so einfach damit klarzukommen, dass sie auf einmal keine Rolle mehr spielen. Da ist die Verlockung groß, mit einem Querschuss gegen die eigene Partei mal wieder für Aufsehen zu sorgen. Peer Steinbrück, einst Kanzlerkandidatin der SPD, hat jüngst erst in einem Buch mit seiner Partei abgerechnet.

Die Frankfurter Grünen sind deshalb ganz froh, dass sich ihr früheres Zugpferd Joschka Fischer (69) mit öffentlichen Äußerungen zurückhält, seit er 2005 aus der Bundesregierung ausgeschieden ist. Ganz anders gestrickt ist da sein früherer Mitsponti Daniel Cohn-Bendit (72), der seit 2014 nicht mehr im Europaparlament sitzt. Wenn in Frankfurt Wahlen sind, lässt ihm das keine Ruhe. Selbst dann, wenn er selbst nicht zur Wahl steht.

Bei der Oberbürgermeisterwahl 2007, als die Grünen nicht antraten und Amtsinhaberin Petra Roth (CDU) auf SPD-Chef Franz Frey traf, gab er sich noch ganz spontimäßig und demonstrierte ein eigenwilliges Demokratieverständnis: Er werde sich an der Wahl nicht beteiligen und stattdessen gemütlich brunchen gehen, sagte er damals. Schon fünf Jahre später sah er das anders, machte vor der Stichwahl Werbung für Peter Feldmann. Auch in diesem Jahr spricht er sich für die Wahl des Sozialdemokraten aus. Mit einem für ihn völlig stichhaltigen Argument: Feldmann habe ihn im vergangenen Jahr zum Tag der Deutschen Einheit als Festredner in die Paulskirche eingeladen . . .

Als ihm die Mitgliederversammlung seiner Partei in Sachen Wahlempfehlung nicht folgen wollte, warf er seinen Parteifreunden Borniertheit vor. Aber borniert sind in seinen Augen ohnehin alle, die nicht so denken wie Cohn-Bendit. Manche nennen diese Haltung selbstbewusst, andere arrogant. Als Cohn-Bendit sich am vergangenen Dienstag öffentlichkeitswirksam mit Feldmann in einem Café im Nordend zeigte, wurde dieses Treffen auf Twitter als „Narzistenstammtisch“ verspottet.

Viele Gemeinsamkeiten mit Cohn-Bendit hat übrigens FDP-Mitglied Volker Stein (67). Nicht nur, weil er ebenfalls zur Wahl Feldmanns aufruft. Der frühere Stadtrat geht seiner eigenen Partei mittlerweile ebenso auf die Nerven wie Cohn-Bendit den Grünen. Darüber hinaus wurde Stein aber auch noch übermütig und glaubte tatsächlich, er könne als unabhängiger Kandidat in die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters kommen. Am Ende scheiterte er mit 5,9 Prozent der Stimmen deutlich.

Gute Politiker zeichnet aus, dass sie wissen, wann es Zeit ist, sich zurückzuziehen. Und im Interesse ihrer eigenen Partei haben sie manchmal auch die Pflicht zum Ruhestand.

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