Die Sanierung der Städtischen Bühnen in Frankfurt könnte knapp 900 Millionen Euro kosten. Wir haben einen Rundgang durch die maroden Gebäude gemacht.
+
Die Sanierung der Städtischen Bühnen in Frankfurt könnte knapp 900 Millionen Euro kosten. Wir haben einen Rundgang durch die maroden Gebäude gemacht.

Politik-Kolumne

Die Woche im Römer: Schuld sind immer die anderen

  • VonGünter Murr
    schließen

Ein Kerngeschäft der Politik ist Problemverlagerung. Ein Missstand wird benannt, Verantwortung wird hektisch hin und her jongliert wie eine heiße Kartoffel. Echte Lösungen finden sich so nicht.

Politik ist einfach. Es geht nämlich meist gar nicht darum, Lösungen zu finden, sondern andere des Versagens zu bezichtigen. Nach diesem Prinzip scheint Bernadette Weyland vorzugehen, die Oberbürgermeister-Kandidatin der CDU. In dieser Woche hat sie den amtierenden OB Peter Feldmann (SPD) für die aktuelle Misere an den weiterführenden Schulen verantwortlich gemacht. Mehr als 500 Kinder können ihre Wunschschule nicht besuchen – das sein ein „Armutszeugnis für den OB“, findet Weyland. Ist nicht die CDU auch irgendwie an der Stadtregierung beteiligt? Und war Frau Weyland vor wenigen Jahren nicht sogar mal Vorsitzende des Bildungsausschusses im Römer? Gut, solche Fakten passen natürlich nicht in einen beginnenden Wahlkampf.

Einen anderen Missstand hat der CDU-Stadtverordnete Christoph Schmitt in dieser Woche entdeckt. Seit mittlerweile 35 Jahren ist ein der Stadt gehörendes Haus in der Straße "In der Au" in Rödelheim besetzt. Der rechtlose Zustand dürfe nicht länger geduldet werden, findet er. Diese Forderung ist bemerkenswert, stellt doch die CDU schon seit Jahrzehnten mit kurzer Unterbrechung den zuständigen Liegenschaftsdezernenten. Von Bestrebungen, an den Verhältnissen in der "Au" etwas zu ändern, ist nichts bekannt.

Der größte . Summen von mehr als 800 Millionen Euro schockierten die Politik. Damit hatte niemand gerechnet, galten doch schon die zuvor kolportierten Summen von 500 Millionen Euro als kaum zu stemmen. Nicht nur Oberbürgermeister Peter Feldmann hält diese Summe für viel zu hoch, spricht von „Infrastruktur-Fantastereien“. Wer hat das zu verantworten? Feldmann hat da seine ganz eigene Theorie: Schuld sind die anderen. Auf seiner Facebook-Seite weist er darauf hin, dass die Studie ja noch in der Amtszeit von Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) in Auftrag gegeben wurde, seine Nachfolgerin Ina Hartwig (SPD) quasi nichts damit zu tun habe. „Der ganze Vorgang zeigt, wie wichtig es war, eine neue Kulturdezernentin im Amt zu haben, die nun ernsthaft die drängende Lösung für unsere Städtischen Bühnen vorantreibt“, schreibt Feldmann. Endlich beendet jemand den Schlendrian!

Wie eine ernsthafte Lösung aussehen könnte, die keine 800 bis 900 Millionen Euro kostet, weiß bisher aber niemand. Die Debatte, wie viel Geld eine Stadt für die Kultur auszugeben bereit ist, wird sich kaum vermeiden lassen. Opernintendant Bernd Loebe und sein designierter Schauspiel-Kollege Anselm Weber wissen das. Und sie haben ganz offensichtlich keine große Lust auf diese Debatte – ihre verdrießlichen Mienen waren bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Machbarkeitsstudie unübersehbar. Die von Hartwig in Aussicht gestellte „Low Budget-Lösung“ für einen Bühnen-Neubau muss sie alarmieren. Denn es besteht die Gefahr, dass Frankfurt künftig keine Bühnen mehr hat, die bundesweit in der ersten Liga mitspielen können.

In der schwarz-rot-grünen Koalition gibt es bisher ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie eine Lösung aussehen könnte. Baudezernent Jan Schneider (CDU) will einen Alternativ-Standort zumindest prüfen lassen, kann sich auch die von den Intendanten abgelehnte Trennung von Oper und Schauspiel vorstellen. Hartwig und die Grünen hingegen wollen die Bühnen auf jeden Fall am Willy-Brandt-Platz halten. Das könnte nicht nur eine kulturpolitisch, sondern auch städtebaulich interessante Debatte werden. Es ist aber zu befürchten, dass wir vor allem Verteilungskämpfe um die begrenzten städtischen Investitionsmittel erleben werden.

Das könnte Sie auch interessieren!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare