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Mit seinem Kaffeeröstmobil kommt Norbert Bienfait seit zwei Jahren vorbei. Er ist zufrieden mit dem Geschäft, denn Kaffee werde überall getrunken, und natürlich auch von Studenten. Die sind nämlich die Hauptkunden.

Viele Stammkunden

Wochenmarkt am Eingang zum Campus: Ein Genuss für die kleine Pause

Von den einst zwölf Marktständen auf dem Gisèle-Freund-Platz sind noch drei übrig. Die Beschicker halten tapfer die Stellung. Und freuen sich über manche Stammkunden, die ihre Spezialitäten schätzen.

Eine Szene wiederholt sich an diesem Donnerstag immer wieder: Wenn die Fußgängerampel über die Bremer Straße auf Grün schaltet, quillt plötzlich ein Schwall von Menschen auf den Gisèle-Freund-Platz. Zügigen Schrittes eilen sie über das Areal, meist junge Männer und Frauen, die zur Vorlesung oder zum Seminar auf den Campus Westend streben. Nach ein paar Sekunden sind sie weg, und der Platz ist wieder weitgehend verlassen.

Nur vereinzelt löst sich jemand aus dem Menschenschwall und hält auf einen der drei Stände zu, die etwas verloren dastehen – die Reste des Wochenmarktes, der ursprünglich hier mit zwölf Verkäufern gestartet ist. „Wir sind das Überbleibsel“, sagt Norbert Bienfait. Mit seinem Kaffeeröstmobil kommt er seit zwei Jahren regelmäßig donnerstags an die Ecke Hansaallee/Bremer Straße und baut sein kleines Café auf: sechs Tische mit jeweils vier Stühlen, wo seine Gäste Platz nehmen können. An diesem bewölkten Oktober-Vormittag wollen allerdings nur wenige draußen sitzen. Stattdessen holen sich Norbert Bienfaits Kunden meist einen Espresso oder einen Cappuccino, den sie dann im Gehen trinken. „Wir leben hier vom ,To-Go‘“, sagt der Kaffeeröster.

Dabei ist sein Kaffee eigentlich viel zu schade dafür, ihn achtlos beim Gehen hinunterzustürzen. Schließlich bezieht er die Bohnen dafür teilweise direkt von den Kaffeebauern, etwa aus Guatemala, El Salvador und Brasilien. Und er röstet sie in seinem Kaffeemobil – schonend, bei niedriger Temperatur. Das Ergebnis mundet auch einem jungen Mann, der sich gerade einen Espresso gegönnt hat und nun noch einen zweiten will. Was das denn für eine Sorte sei, erkundigt er sich nebenbei, während Bienfait das Gewünschte zubereitet. „Brasil“, antwortet der Kaffeeröster. Der Kunde nickt anerkennend, bevor er sich wieder auf den Weg macht: „Exquisit.“

Dass von dem Wochenmarkt unmittelbar am Campus Westend nicht viel übrig geblieben ist, wundert Norbert Bienfait allerdings nicht. Schließlich gebe es hier kaum Anwohner, die hier ihre Wocheneinkäufe erledigen würden. Stattdessen strömen viele Studenten vorbei. „Die nehmen sich vielleicht mal eine Banane mit, aber nicht mehr“, sagt Bienfait. „Davon kann man als Obst- und Gemüsestand nicht leben. Die jungen Leute kochen heute nicht mehr.“ Vielleicht müsste man das Markt-

Konzept ändern

, überlegt er: mehr auf Gastronomie setzen, einen Treffpunkt schaffen, an dem man sich gerne aufhalte. Oder Online-Bestellungen ermöglichen, die potenzielle Kunden vom Büro aus tätigen könnten, um sie dann später abzuholen.

Passanten sind aber froh darüber, ein paar Minuten hinsetzen zu könen. Einer davon ist Rainer Richarts aus Mainz, der mit Frau, Schwiegervater und Enkelkind eine Runde durch den Park gewandert ist und sich nun mit einer Tasse Tee stärkt: „Wir gehen hier öfters spazieren und freuen uns, dass man hier auch mal sitzen kann.“ Vor allem zur Mittagszeit trudeln Kunden ein, denn Norbert Bienfait verkauft neben Kaffeespezialitäten und Tee auch Kuchen und kleine Snacks wie Frikadellen, Suppen und Chili con Carne. Das wissen manche Angestellten, die beispielsweise an der Universität arbeiten, zu schätzen. Etwa Nils Beckmann, der mit einem Kollegen seine Mittagspause an Norbert Bienfaits Kaffeeröstmobil verbringt, wo er mittlerweile Stammgast ist: „Ich bin jede Woche hier. Das ist eine sehr gute Ergänzung zum normalen Angebot auf dem Campus.“

Das Feinkost-Paradies neben der mobilen Kaffeerösterei hat mittlerweile ebenfalls einige Hungrige angelockt, die sich an den Bistrotischen mit einer kleinen Mittagsmahlzeit stärken. Ebenso der Bratwurststand, der das Angebot seit kurzem ergänzt. Dass viele Passanten achtlos vorbeilaufen, will Wurstverkäuferin Sabine Gottwald nicht bewerten: „Wir sind erst zum dritten Mal hier, da kann man noch nicht viel sagen. Man muss halt durchhalten.“ Rund 20 Thüringer Bratwürste brutzeln gerade auf ihrem Gasgrill, gefertigt von einem Fleischer aus Suhl.

Da schnuppert auch Wolfgang Griesinger kurz, der gerade seinen Stand mit antiquarischen Büchern nebenan öffnet, den er zwischen März und Oktober montags bis freitags vor dem Campus betreibt. Für ihn sei der wöchentliche Markt am Gisèle-Freund-Platz von Vorteil, schmunzelt er: „Ich hab’ gutes Essen gleich um die Ecke.“

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