Darf endlich wieder ausschenken: Rolf Müller hinter seinem Weinstand beim Oberräder Wochenmarkt auf dem Buchrainplatz.
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Darf endlich wieder ausschenken: Rolf Müller hinter seinem Weinstand beim Oberräder Wochenmarkt auf dem Buchrainplatz. 

Markt in Frankfurt

Am Wochenmarkt wird endlich wieder ausgeschenkt

Auf dem Wochenmarkt am Buchrainplatz in Frankfurt-Oberrad darf wieder ausgeschenkt werden.

Frankfurt – Die Nachricht holt Rolf Müller, Betreiber des beliebten Weinstands auf dem Oberräder Wochenmarkt in Frankfurt, aus dem Corona-bedingten Tran: Auf dem Wochenmarkt darf wieder ausgeschenkt werden. Schon seit ein paar Tagen versteckt sich diese soundsovielte Änderung der gesetzlichen "Auslegungshinweise" zur "Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung" des Landes Hessen. Demnach ist der Verzehr von auf dem Markt gekauften Speisen und Getränken außerhalb des unmittelbaren Markt-Geländes und der Verkehrswege wieder erlaubt.

Frankfurt: Verzehr abseits vom Markt ist erlaubt

Ein wenig abseits des Markts, wo das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes immer noch Pflicht sein wird, dürfen Weinliebhaber also wieder ins Glas schauen. Rolf Müller muss aber die Namen und Anschriften seiner Kunden aufschreiben und wird einen Bereich kennzeichnen, wo getrunken werden darf.

"Das ist kein Problem für mich. Die Hygieneregeln werden eingehalten, dafür werde ich sorgen", sagt der Oberräder. "Was immer nötig ist, damit ich meinen Stand wieder öffnen kann, werde ich tun." Er ist erleichtert. "Seit 13 Wochen bin ich arbeitslos. Ich pfeife auf dem letzten Loch." Nun lege er aber noch mal los, um seinen Stand flott zu machen. Crémant aus dem Elsass, Riesling aus dem Rheingau, Burgunder vom Kaiserstuhl und "echten Ebbelwoi aus dem Stadtteil, den Oberräder Fratzenschneider", das alles wird es am Samstag (20.06.2020) wieder geben.

"Ich hätte die letzten Wochen auch flaschenweise Wein verkaufen können. Aber das wolle ich nicht, denn wer garantiert mir, dass nicht einer ums Eck geht und die Flasche öffnet? Da hätten mir Bußgelder gedroht", so Müller. Aber so ganz habe er die Regeln in den vergangenen Wochen nicht nachvollziehen können: Denn die Gastronomie durfte wieder ausschenken, die Marktstände aber nicht.

Frankfurt: Auch Snacks auf dem Wochenmarkt sind wieder drin

Die Änderung wird auch den übrigen Marktbeschickern neue Absatzmöglichkeiten eröffnen. Der Wagen der Metzgerei Birkenbach bot vor Corona noch warme Snacks an, am Feinkoststand gab es mediterranene Frischkäsepasten, Oliven und andere Kleinigkeiten, und die Bäckerei Kling verkaufte Kuchen. Der Verzehr in der Nähe des Markts müsste nun wieder möglich sein.

Gerade noch hatte Ortsvorsteher Christian Becker (CDU ) einen Antrag für den Ortsbeirat formuliert, in dem er die Stadt um eine Zukunftsperspektive für den Wochenmarkt bittet. "Der Wochenmarkt ist nicht mehr das, was er vor Corona noch war", sagt Becker, "seine Funktion als Kommunikationsort ist verloren gegangen." Natürlich kämen die Bürger noch zum Einkaufen, "aber das Flair, das sich gerade im vergangenen Jahr entwickelt hatte, wird schmerzlich vermisst", so Becker.

Aktionssamstage auf dem Wochenmarkt in Oberrad von Corona ausgebremst

Auch die Vereine in der Initiative "Oberräder Wochenmarkt" wurden mit ihren monatlichen Aktionssamstagen auf dem Markt von Corona ausgebremst. Gerade weil die Wirtschaftsförderung mit der Gewerbeschau 2018 und 2019 so viel Energie auch in den Aufbau des Markts gesteckt habe, solle das Gewonnene nicht wieder zerrinnen. Die Corona-Regeln seien fraglos wichtig, die Gesundheit gehe vor. "Doch wir müssen auch an eine Zeit nach Corona denken", so Becker.

Nun ist eine erste Hürde genommen. Die nächste, die Ausweitung des Wochenmarkts auf einen zweiten Tag neben dem Samstag, scheint indes in noch weitere Ferne gerückt. Weil seit einigen Monaten dienstags der Metzgereiwagen mit einer Sondergenehmigung auf dem Buchrainplatz verkaufen darf, schwebte den Oberrädern der Dienstag als zweiter Markttag vor. Gemüsegärtner wie etwa die Gärtnerei Jung hatten Interesse geäußert.

"Gegenwärtig stehen auf dem Markt sechs Stände," erläutert Michael Lorenz von der HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt mbH (HFM). Um einen Wochenmarkt zu eröffnen, braucht es vorschriftsmäßig aber ein Dutzend Anbieter. "Die gab es in Oberrad auch mal, sonst hätten wir den Markt nicht eröffnen können", so Lorenz. Dass seitdem sechs Marktbeschicker abgesprungen sind, zeuge allerdings davon, dass die Nachfrage nicht groß genug war und sich das Geschäft nicht gelohnt hat. Lorenz will das Feedback der Metzgerei einholen, wie der Dienstag lief.

So schnell geben die Oberräder aber nicht auf. "Wir suchen noch einen Fischverkäufer für den Markt", sagt Bernd Neumann, Vorsitzender des Gewerbevereins. Wie es weitergeht, kann am Samstag bei einem Glas Wein diskutiert werden. 

Von Stefanie Wehr

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