Alarmstufe Kirsch: Nach zwei schwachen Jahren ist Andreas Bobo Schneider mit der Kirschernte sehr zufrieden. FOTO: menzel
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Alarmstufe Kirsch: Nach zwei schwachen Jahren ist Andreas Bobo Schneider mit der Kirschernte sehr zufrieden.

Nieder-Erlenbach: Frankfurt erntet

Wohin man blickt, sieht man nur Rot

  • VonSabine Schramek
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Ein Paradies für Kirsch- und Erdbeerfreunde

Mit Schlagsahne oder Vanilleeis schmecken sie bei diesen Temperaturen am besten. Wer sie in Bioqualität isst, tut auch noch der Umwelt und sich selbst Gutes dabei. Auf dem Obsthof am Steinberg von Andreas Schneider gibt es jetzt je 15 Sorten Erdbeeren und Süßkirschen zum selber pflücken oder zum bequemen Kauf im Hofladen.

Der Regen kam genau richtig

Andreas Schneider hält es wie die Beatles. "Strawberry Fields Forever". Auf 1,5 Hektar blitzen in ordentlichen Reihen knallrote "Mara des Bois", "Mieze Schindler", "Manille" und "Vima Zanto" aus grünen Blättern hervor. "Der Regen war brüllegut für die Erdbeeren", sagt Andreas Schneider, der nach eigener Aussage einzig reine Biobauer im Stadtgebiet.

Vor fast 30 Jahren hat er die Böden auf dem elterlichen Hof auf Bio umgestellt. "Das ist riskant, aber es schmeckt eben auch ganz anders", erzählt Schneider gut gelaunt. "Dieses Jahr habe ich einen Erdbeeracker extra stehen lassen, weil im vergangenen Jahr wegen Corona einfach jeder zum Pflücken kam. Von Kindergartenkindern bis zu Senioren wollte jeder in Bewegung bleiben." Jetzt, wo es Lockerungen gibt, ist es etwas beschaulicher. "Es wird wieder mehr im Hofladen gekauft. Da ist die Pflückarbeit schon gemacht", so Schneider.

Viele seiner Kunden kennt Schneider schon in der dritten Generation. "Großeltern, die Erdbeeren zum Einkochen für Marmelade holen, Eltern die zum Nachtisch Erdbeeren mit Schlagsahne und Eis oder Rote Grütze machen wollen und Enkelkinder, die besonders gerne beim Pflücken naschen", schwärmt er. Die Kunden sind anspruchsvoll und holen sich Rat. "Früher kamen die Leute mit Wäschekörben, um genug für den Winter einzumachen. Nach einem halben Tag war der Acker leer und wir haben am nächsten Tag wieder mit den nächsten reifen Erdbeeren wieder aufgemacht", erinnert sich Schneider. "Heute wird weniger im Voraus gemacht. Das selber Pflücken ist bei vielen mehr eine Freizeitbeschäftigung, um eine Kuchen zu backen und um sich durchzumuffeln. Man kommt mit dem Rad und nimmt genug für das Abend-Dessert mit. Das sind lange Tage für uns".

Darum staffeln sich auch die Pflückpreise. Je mehr gepflückt wird, desto günstiger der Preis. "Bei der Sortenvielfalt ist die Auswahl groß, welche Erdbeere wann wofür am besten ist", sagt ein Stammkunde, den seine Frau geschickt hat, weil sie wieder Marmelade machen möchte. "Das ist wie mit Wein", sagt er und probiert eine "Mieze Schindler". "Die ist gut. Da fehlt mir aber noch ein bisschen der Druck drauf", sagt der Connaisseur mit geschlossenen Augen und lacht. "Ich bin voreingenommen. Mein Liebling ist die 'Manille' für Marmelade. Sie hat halt etwas mehr Säure."

100 Pflücker am Wochenende

Vollgepackt mit Körben aus dem Hofladen zieht er nach Hause. "Selbst habe ich früher gepflückt. Jetzt mache ich das, wenn die Enkel da sind, um ihnen eine Freude zu machen", erzählt er zum Abschied. Zum Pflücken kommen dennoch Viele. "Unter der Woche kommen am Tag 30 bis 40 Leute, an den Wochenenden auch mehr als 100", erzählt der Biogärtner. In diesem Jahr kommen die Leute auch, um Süßkirschen direkt von den Plantagen zu naschen. 1988 hat Schneider die Bäume angepflanzt. Jetzt stehen Hunderte von Kirschbäumen voller dicker reifer Kirschen. "Die letzten zwei Jahre waren schwierige Kirschjahre. Dieses Jahr sind sie einfach super", sagt Schneider und prüft die Zweige, die wie im Bilderbuch voller roter Früchte hängen. "Kunden dürfen aus Versicherungsgründen nur unten pflücken. Die oberen pflücken wir selbst und verkaufen sie im Hofladen." Männer und Frauen in Strohhüten pflücken sorgfältig per Hand von den oberen Ästen und füllen große Körbe für Bestellungen voll. Das französische Volks- und Liebeslied "Les Temps des Cerises" - "Die Zeit der Kirschen" von 1866, das Charles Aznavour in den 1960er Jahren weltberühmt gemacht hat, kommt unweigerlich in den Kopf, auch wenn die Pflücker aus Ungarn kommen. Sie summen leise, während sie ernten. Das machen auch viele, die selber pflücken. Morgens ab 9 Uhr ist es am kühlsten dafür. Wer am Wochenende pflückt, kann sich freitags von 16 bis 20 Uhr, samstags von 12 bis 20 Uhr und sonntags von 11 bis 19 Uhr unter Apfelbäumen an der Schoppenwirtschaft auf dem Hof stärken. Mit sortenreinen Apfelweinspezialitäten und traditioneller Bio-Vesper.

Bestellungen und Reservierungen nehmen Andreas Schneider und seine Mitarbeiter auf dem Obsthof am Steinberg telefonisch unter 0 61 01 -4 15 22 entgegen.

sabine Schramek

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