Pfui, Spinne! Die Hexen Nanny, Corinna und Jessica (v.l.n.r.) jagten den Besuchern sanfte Schauder über die Rücken.
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Pfui, Spinne! Die Hexen Nanny, Corinna und Jessica (v.l.n.r.) jagten den Besuchern sanfte Schauder über die Rücken.

Party

Wohlig gruseln - bis die Hexe lacht

  • VonSabine Schramek
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Beim Kinder-Halloween im Kobelt-Zoo gab es jede Menge Süßes zum Anschauen und Naschen.

Ein braunes Riesen-Känguru hopst neben einem riesigen Gorilla quer über den Weg zwischen Nasenbärengehege und Alpakas. Greta (4) trägt ein Kürbiskostüm und rennt lachend auf die wilden Tiere los, will sie anfassen. Doch sie sind schneller. Känguru und Gorilla winken kurz und verschwinden eilig im Dickicht. Dafür schlendern eine Braut in weißem Kleid mit Blut unterlaufenen Augen und ein Sensenmann zu den Eseln, während Hexen mit dicken Warzen und Besen Süßes an die Kleinen verteilen. "Aber schön die Zähne putzen", mahnt Hexe Corinna und lacht, wenn sie in die ungläubigen Augen der Kinder guckt.

Der Duft von frisch gebackenen Waffeln mischt sich mit dem von Bratwürsten, Kaffee- mit Glühweinduft. Das legendäre Halloweenfest im Kobelt-Zoo ist wegen Corona in diesem Jahr anders als sonst. Bei Tageslicht und auf kleine Kinder abgestimmt, sind die perfekt maskierten und geschminkten ehrenamtlichen Mitarbeiter an diesem Sonntag freundliche Gruselgestalten. Der Parcours mit Mega-Horror, den es sonst im Dunkeln gibt, fällt aus. Der Spaß bleibt.

Tiere gucken neugierig auf den Schabernack

Wie im Zauberwald wirken die Gestalten und rund 260 Tiere, die neugierig auf den Schabernack gucken. Volker sitzt als Waldgeist auf einem Baumstamm und regt sich kaum in seinem Camouflage-Kostüm und Werwolf-Tatzen. Nur die grüne Maske mit langer Nase bewegt sich und starrt bereits aus Entfernung die Besucher an, verfolgt mit den gelben Augen jede ihrer Bewegungen. Viele Erwachsene erkennen die getarnte Gestalt erst, als sich die Kinder hinter ihnen verstecken und mit dem Finger auf den Waldgeist zeigen. Langsam gehen sie auf ihn zu, er hebt die Tatze und winkt. Groß und Klein strahlen und entdecken Skelette, Grabsteine und riesige Tausendfüßler. Zur Stärkung für die Kids gibt es große Eiterspritzen zum Nuckeln. Gefüllt mit Vanillesoße und Grenadine.

Das Keckern der Totenkopfäffchen

Teufelin Jessica sieht ihren ebenfalls gruselig geschminkten und verkleideten Söhnen Noel (12) und Gabriel (6) zu, wie sie im Halloween-Modus versinken. Hexe Corinna schwingt ihren Besen und einen großen hölzernen Kochlöffel, und Hexe Nanny beobachtet das Treiben zwischen Zootieren und verkleideten Besuchern. Zu den gruseligen Gestalten kommen die Tiergeräusche, die das Gruseln sanft lehren. Keckernde Totenkopfäffchen, grunzende Schweine, wiehernde Ponys, meckernde Ziegen und singende und zwitschernde Vögel lassen das Gelände wie eine mystische Welt erscheinen, in der Geister und Gespenster leben.

"Heute Morgen gab es noch einen Stromausfall. Zum Glück hat uns unser Metzger Eingärtner geholfen und die Brötchen aufgebacken", sagt die Vorsitzende Monika Greitzke, die ganz in zivil Vanillesoße in die großen Spritzen füllt. Nach 70 Jahren hat der Verein für 30 000 Euro das gesamte Stromsystem auf dem 17 000 Quadratmeter großen Gelände erneuert. "Wir sind damit fast fertig, aber eben noch nicht ganz", sagt sie mit Blick auf den Stromausfall. Gegraben haben die ehrenamtlichen Mitglieder selbst, die Technik wurde von einer Firma ausgeführt. "Corona hat uns schon ganz schön getroffen", sagt sie. Im letzten Jahr seien viele Spendengelder reingekommen, durch die sich der Zoo finanziert. "Dieses Jahr fehlt es an allen Ecken und Kanten, weil uns acht Wochen ebenso fehlen wie der große Halloween-Parcours, zu dem 2019 gut 3 000 Leute gekommen sind." Der Verein hat notleidende Erdmännchen, Nasenbären, Totenkopfäffchen und Nutrias aufgenommen und die Anlagen für sie fertig gemacht. Rund 15 Ehrenamtliche kümmern sich um die Tiere und das Gelände.

Wenn Nanny keine Hexe ist, kümmert sie sich um junge Leute, die als Gerichtsauflage Arbeitsstunden ableisten müssen. "Der Kontakt zu Natur und Tieren tut ihnen gut", sagt sie. "So gut, dass einige auch danach ehrenamtlich bei uns bleiben und mithelfen bei der Versorgung der Tiere, bei Reparaturarbeiten oder bei der Gartenpflege."

Noch am späten Nachmittag geistern Hexen und Skelette durch den Park. Volker hat sein Camouflagekostüm in ein pelziges Werwolfkostüm mit leuchtenden Augen getauscht und winkt hinter einem Baum hervor. Es ist ein Winken zum Saisonende. Bis Mai bleibt der Kobelt-Zoo ab sofort geschlossen, dann können die Tiere wieder besucht werden.

Sabine Schramek

Spenden willkommen

Der Verein benötigt dringend Spenden. Angenommen werden sie unter dem Verwendungszweck "Kobelt Zoo Schwanheim e.V.", Volksbank Griesheim, IBAN: DE53 5019 0000 0000 4928 09.

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