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Architekt Carsten R. Kulbe (l.) und Bürgermeister Olaf Cunitz schauen sich das Gebäude der ehemaligen Torpedo-Werke an.

Industriegebäude in Rödelheim

Wohnen in den Torpedo-Werken

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Wo einst Fahrräder, Motorräder und Schreibmaschinen gefertigt wurden, entstehen nun 84 Eigentumswohnungen: Bis Ende 2017 werden die ehemaligen „Torpedo-Werke“ in der Alexanderstraße 63-65 grundsaniert und umgebaut.

Das rund 10 000 Quadratmeter große Gebäude in der Alexanderstraße 63-65 wurde schon auf verschiedene Arten genutzt: Erst als Fabrik, dann als Kreativschmiede, nun als Wohnresidenz – denn ab Juli investiert die „Vierte HeBa Immobilien GmbH“ 20 Millionen Euro, um in dem „Alex 65“ genannten Wohnprojekt 84 Eigentumswohnungen zu verwirklichen.

Von 1896 an stellte die Firma „Peter Weil und Co“ an diesem Standort Fahrräder und Schreibmaschinen der Marke „Torpedo“ her, bis Weltkriegsbomben die Gemäuer zerstörten. Nach dem Wiederaufbau erweiterten Motorräder die Produktionspalette, ehe die Fabrik 1967 unwirtschaftlich wurde und die Pforten schloss. Einer Sanierung folgte 1992 der Einzug der Werbeagentur Leo Burnett, die bis 2011 in der Liegenschaft blieb. Seither stand sie leer und wechselte mehrfach den Besitzer, ein Abriss stand im Raum – was für Carsten R. Kulbe, Geschäftsführer der Projektgesellschaft „Vierte HeBa Immobilien“, der bereits an der zwischenzeitlichen Sanierung beteiligt war, aber nicht infrage kam.

„Das Gebäude ist hier eingebunden in eine sehr gute Infrastruktur und gewachsenen Wohnraum“, argumentierte Kulbe bei der gestrigen Projektvorstellung – Denkmal- oder Ensembleschutz spielen aufgrund der zweimaligen Umgestaltung keine Rolle. Davon abgesehen wollte Kulbe beweisen, dass er eine Konversion vom Gewerbe- zum Wohnraum selbst gestalten kann. Die ehemaligen „Torpedo-Werke“ erschienen ihm dafür als passendes Anwesen, schließlich bietet dieses großzügige Innenflächen für Wohnungen „mit Loftcharakter“ und „industriellem Chic“, wie es in der Werbebroschüre heißt.

Als zentraler Punkt, der für Gemeinschaft zwischen den Ein- bis Sechs-Zimmer-Wohnungen mit 37 bis 180 Quadratmetern Wohnfläche sorgt, wird dabei das imposante Atrium dienen, ein Lichthof, der früher Lobby und Gastronomie beherbergte. Dort sind nun ein begrünter Innenhof mit Spielplatz, ein Bistro mit Weinhandel sowie mietbare Räumlichkeiten für private Veranstaltungen und Seminare geplant. „Das Wohnen soll hier nicht anonym werden. Ich möchte eine gemischte Bewohnerschaft haben“, sagte Kulbe.

Besonders wichtig ist Kulbe dabei der energetische Aspekt: Das Haus wird mit einem Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kupplung betrieben, so dass der KFW-Effizienzhaus-Standard 100 eingehalten wird. Alle Wohnungen verfügen über eine eigene Lüftungsanlage und eine Fußbodenheizung, die auch zum Kühlen der Räume eingesetzt werden kann. „Im Sommer kriegen wir die Temperatur dadurch um vier bis sechs Grad herunter“, so Kulbe. Die Tiefgarage bietet zudem nicht nur 127 Stellplätze für Autos, sondern auch 180 für Fahrräder an. An 60 dieser Plätze sind Ladestationen für E-Bikes installiert.

Die Kaufpreise der Wohnungen erscheinen derweil als weder besonders günstig noch überteuert: Sie rangieren zwischen 3650 und 5200 Euro pro Quadratmeter — der Frankfurter Durchschnitt für neue Eigentumswohnungen lag im vergangenen Jahr bei 4390 Euro. Seit Ende März habe man 13 Wohnungen bereits verkauft, teilte Carsten R. Kulbe mit, der sich vor allem über das große Interesse junger Familien freute.

Gleicher Meinung war auch Planungsdezernet Olaf Cunitz (Grüne): „Junge Familien sind extrem gut für den Stadtteil, an einigen Stellen gibt es schließlich auch Überalterung.“ Besonders erfreulich fand Cunitz überdies die hohen Energiestandards und dass durch die Gebäudekonversion keine Verdrängung anderer Quartiersbewohner stattfinde. Negative Aspekte für Rödelheim, etwa beginnende Gentrifizierung und Mietpreissteigerungen infolge der Aufwertung Rödelheims durch weitere Eigentumswohnungen wie in der Westerbachstraße wollte Cunitz nicht erkennen: „Das Projekt nützt mehr, als dass es schadet.“

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