Wohnwagen reiht sich an Wohnwagen: Urlaub mit dem eigenen oder geliehenen Camper wird immer beliebter. Der Trend lässt sich nicht erst seit Corona beobachten, wurde von der Pandemie aber noch verstärkt.
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Wohnwagen reiht sich an Wohnwagen: Urlaub mit dem eigenen oder geliehenen Camper wird immer beliebter. Der Trend lässt sich nicht erst seit Corona beobachten, wurde von der Pandemie aber noch verstärkt.

Frankfurter wollen raus

Wohnmobil-Boom in Frankfurt: Oft ist alles ausgebucht

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Corona führt zu deutlich höheren Zulassungszahlen von Wohnmobilen in Frankfurt. Und auch das Mieten der Reise-Fahrzeuge ist voll im Trend.

Frankfurt – Die Zahl der Wohnmobile in Frankfurt wächst, wenn auch nicht so stark wie im Umland. Der Trend ist generell zu beobachten: In Zeiten von Corona werden mehr Reisemobile gekauft. "Der Wachstumstrend der vergangenen Jahre wurde 2020 getoppt", sagt Daniel Rätz, Sprecher beim Caravaning Industrie Verband. Im ersten Halbjahr 2021 hat sich der Trend fortgesetzt - auch wenn bei den Wohnmobilen die Wohnwagen ein leichtes Defizit aufweisen. Dies ist Rätz zufolge auf Lücken in den Lieferketten der Hersteller zurückzuführen. Die Nachfrage sei weiter groß.

2132 Wohnmobile weist die Statistik für Frankfurt zum Stichtag 1. Januar 2021 aus, 177 mehr als im Vorjahr. 2019 wurden insgesamt 123 Reisemobile in Frankfurt zugelassen. Neuere Zahlen hat das Kraftfahrtbundesamt noch nicht zur Verfügung.

Wohnmobile in Frankfurt: Wachstum bekommt durch Corona einen Push

Der Bestand an Wohnmobilen - ohne Wohnwagen - ist also gewachsen, um rund 9,5 Prozent. In den Vorjahren gab es gleichfalls ein Wachstum, das allerdings weniger stark ausfiel: In Frankfurt von 1725 auf 1855 ein Wachstum von 7,5 Prozent im Vergleich von 2018 auf 2019.

Rätz sieht dies im Trend: "Der Verkauf von Wohnmobilen und Wohnwagen wächst seit Jahren, seit mindestens 2017. Das Wachstum hat durch Corona einen Push bekommen." Viele Bürger, die in Urlaub fahren wollten, sahen sich angesichts der Pandemie mit der Situation konfrontiert, dass die Hotels geschlossen waren, bestimmte Länder nicht mehr angeflogen wurden, niemand gerne mit vielen Fremden zusammen in einem Zug oder Flugzeug sitzen wollte. Profitiert haben, was den Tourismus angeht, die Besitzer von Ferienwohnungen und eben die Caravaning-Industrie.

Jüngere Leute in Frankfurt mieten Wohnmobile eher als sie zu kaufen

Doch es ist nicht überall gleich. Generell gelte, so Rätz, dass in den Großstädten weniger Fahrzeuge (und Anhänger) verkauft werden, als im Umland, dem Speckgürtel. Woran das liegt? "In den Städten wohnen jüngere Leute", so der Sprecher. "Sie mieten die Wohnmobile eher, als dass sie sie kaufen." Zum Vergleich: Es gibt etwa 1,4 Millionen Reisemobile im Bestand, wovon rund 30 000 Mietwagen sind.

Oder das Fahrzeug wird gekauft, aber auf die Eltern zugelassen, die dann vielleicht im Speckgürtel wohnen, im Eigenheim mit Parkraum für das große Fahrzeug. So hat sich von 2019 auf 2020 die Zahl der Wohnmobile im Main-Taunus-Kreis um 16 Prozent erhöht - von 1283 auf 1490.

Caravaning-Industrie stellt sich auf Wachstum ein: Wohnmobile für Rundreisen geeignet

Generell stellt sich der Verband der Caravaning Industrie auf weiteres Wachstum ein. Ausgehend von 1,4 Millionen Fahrzeugen und rund 2,5 Nutzern pro Fahrzeug, zählt die Camper-Gemeinde bundesweit drei Millionen Mitglieder. "14 Millionen könnten sich vorstellen, so den Urlaub zu verbringen", sagt Rätz.

Der klassische Wohnwagen ist weiter gefragt. Etwa 29 000 Wohnwagen sind 2020 verkauft worden und 78 000 Reisemobile. Der Wohnwagen eignet sich eher, wenn man ortsfest auf einem Platz steht. Man kann das Auto abkoppeln und Ausflüge unternehmen. Das Reisemobil eignet sich hingegen eher für Rundreisen. Für eine Nacht kann man am Straßenrand stehen. Doch es gibt auch bei Winzern und Landwirten eine Reihe von Stellplätzen für die Campingbusse.

Wohnmobil mieten ist Trend in Frankfurt: In der Urlaubszeit alles ausgebucht

Mieten ist dagegen der Trend in den Großstädten, auch in Frankfurt. Bei JR Reisemobile in Frankfurt war während der Sommerferien kein Fahrzeug mehr zu bekommen, alles ist ausgebucht in der Urlaubszeit. Paul Camper, ein Jungunternehmen aus Berlin, vermittelt bundesweit und in den angrenzenden Ländern Wohnmobile von privat an privat. Vorbild ist hier Airbnb. "Wir haben in Frankfurt und Umgebung mehr als 100 Fahrzeuge im Bestand", sagt die Sprecherin Katrin Witt. Dabei sei in den Sommerferien die Auswahl beschränkter. Das günstigste Angebot dabei ist ein Mini-Wohnwagen. Der Preis pro Nacht: 32 Euro. "Unsere Preise werden von den Besitzern festgelegt und liegen im Schnitt bei 89 Euro. Dabei ist die Camping-Ausstattung und eine Versicherung inbegriffen."

Die Auswirkungen von Corona hat Paul Camper auch gespürt, mit einem Wachstum von mehr als 100 Prozent im vergangenen Jahr. "65 Prozent unserer Nutzer sind Erstcamper", sagt Witt. Denn Camping sei eine Urlaubsart, bei der man nicht mit vielen anderen eng in Kontakt kommen muss. (Thomas J. Schmidt)

Camping liegt im Trend. Neueinsteiger wagen sich an den Urlaub mit Zelt oder Wohnmobil heran – doch Fehler passieren schnell und können Profis schier wahnsinnig machen. Wer in der freien Natur übernachten will, muss zudem aufpassen. Beim Wildcampen ist nicht alles erlaubt, das kann teuer werden.

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