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Wohnungen für zahlungskräftige Klientel

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„Alive“ nennt sich das Projekt in der Eschersheimer Landstraße 61. Insgesamt 48 Wohnungen entstehen dort, die alle möbliert vermietet werden sollen.
„Alive“ nennt sich das Projekt in der Eschersheimer Landstraße 61. Insgesamt 48 Wohnungen entstehen dort, die alle möbliert vermietet werden sollen. © n.n.

In der Eschersheimer Landstraße werden Bürogebäude saniert

In der Eschersheimer Landstraße werden zwei Bürogebäude saniert. In einem entstehen 48 Wohnungen. Die Dial Invest GmbH hat die Zielgruppe genau definiert. Jüngere, karriereorientierte Leute sollen einziehen, alleinstehend, auf jeden Fall ohne Familie. Denn die Wohnungen sind nur etwas mehr als 50 Quadratmeter groß, haben ein oder zwei Zimmer, sind außerdem möbliert. Gedacht ist auch an Mieter aus dem Ausland, die in der Region Frankfurt arbeiten, und an Selbstständige, die am liebsten schon im gleichen Haus Partner zum Netzwerken finden.

Solche Leute haben nach Einschätzung der Investoren auch nicht unbedingt ein eigenes Auto. Ganz falsch dürften sie damit nicht liegen - vor allem Jüngere, deren Leben sich weitestgehend in der Großstadt abspielt, verzichten auf ein eigenes Fahrzeug. Schon weil sich kaum Parkplätze finden. In der Eschersheimer Landstraße 61 jedenfalls kaum, denn dort werden lediglich vier Stellplätze eingeplant.

Vermietung beginnt nach dem Sommer

Es gebe zwar zwei Kellergeschosse, sagt Projektsteuerer Keyvan Ebrahimi. Die seien aber so eng, dass man bei den heutigen Fahrzeuggrößen eine Tiefgarage dort gar nicht unterbringen könne. Also gibt es Plätze für Carsharing, für gemeinschaftlich genutzte Autos. Nach der städtischen Stellplatzsatzung kann dann auch auf den Nachweis von Parkplätzen verzichtet werden. Die Car-sharingautos sollen von einem kommerziellen Anbieter betrieben werden, der aber noch nicht ausgesucht ist. Es gibt dort auch Ladeplätze für Elektrofahrzeuge, und Ibrahimi weist darauf hin, dass praktisch vor der Tür eine U-Bahn-Haltestelle ist.

Die Dial Invest GmbH aus Hannover, die Gelder privater Investoren anlegt, hat das Grundstück im Jahre 2020 gekauft, es handelte sich um ein weitgehend leerstehendes Bürogebäude. Inzwischen läuft die Sanierung, das Thema Corona hat auch auf dieser Baustelle Verzögerungen gebracht. Voraussichtlich in der zweiten Hälfte dieses Jahres wird mit der Vermietung begonnen.

Bis dahin wird sich das Bild des Gebäudes komplett gewandelt haben. Stehen geblieben ist eigentlich nur der Rohbau aus Beton, alles andere wird neu gemacht. Das Unternehmen folgt damit auch der Forderung, aus Gründen der Nachhaltigkeit Gebäude nicht abzureißen, sondern zu sanieren. Das Haus wird den sogenannten Effizienzhaus-Standard 55 erreichen, berichtet Ebrahimi. Das bedeutet den heute für Neubauten vorgeschriebenen maximalen Heizenergieverbrauch.

Sanieren statt abreißen, das ist auch die Devise in der Nachbarschaft, in der Eschersheimer Landstraße 55. Dort wird von der Cresco Real Estate unter dem Titel Westend Fifty Five ebenfalls ein Altbau saniert und auf einen aktuellen Stand gebracht. Dort entstehen auf einer Bruttogeschossfläche von 13 900 Quadratmetern moderne Büros.

Die Investoren gehen davon aus, dass in zentraler Lage gerade hochwertige Büroflächen zur Miete gesucht werden. Das bedeutet vor allem hochwertige Ausstattung und eine aktuelle Technik, aber auch eine trendige Gestaltung - viel Holz, bodentiefe Fenster, so etwas gehört heute dazu. Die Raumaufteilung sei flexibel, heißt es - der Mieter kann also, in bestimmten Grenzen, den Zuschnitt seiner Büros bestimmen.

Gebäude aus den 1960er Jahren

Auffällig sind auf jeden Fall die Fassaden des Gebäudes. Sie präsentieren sich schon deshalb in einer neuen Optik, damit die aktuellen Vorgaben zum Heizenergieverbrauch eingehalten werden können. Die in braun gehaltenen Fassadenelemente betonen extrem die senkrechten Linien und sorgen dafür, dass das Gebäude sich deutlich von der Umgebungsbebauung unterscheidet.

Zurück zur Eschersheimer Landstraße 61 - das Projekt heißt „Alive“. Die Wohnungen werden nicht verkauft, sondern möbliert vermietet. Auch das entspricht der Zielgruppe, der eine hohe Bereitschaft zum Standortwechsel nachgesagt wird. Und die zahlungskräftig ist - die Mieten liegen im oberen Niveau. Eine Nachfrage scheint es jedenfalls zu geben - noch vor Beginn der Vermarktung der Wohnungen sind erste Anfragen schon eingegangen. Insgesamt entstehen in dem aus den 1960er Jahren stammenden Gebäude 48 Wohnungen. Eine Dachterrasse soll den Wohnwert für die Mieter steigern, ebenso wie ein sogenannter Co-Working-Space im Erdgeschoss. Das sind einzeln mietbare Arbeitsplätze vor allem für die Bewohner. Die Investoren können sich aber auch gut vorstellen, dass auch auf den etwa 300 Quadratmetern Gewerbeflächen im Erdgeschoss ein solches Konzept noch ausgeweitet umgesetzt wird. Vorstellbar sei auch ein Café, nur ein Restaurant mit vollwertiger Küche sei nicht möglich. Ansonsten sei man für alle Ideen aufgeschlossen, sagt Ibrahimi. Manfred Becht

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