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Noch herrschen in der Niederräder Bürostadt, wie der Name schon sagt, Bürogebäude vor. Wohnungen sollen das ändern.

Umwandlung der Bürostadt

Wohnungen sollen Quartier beleben

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Wie kann man aus der tristen Bürostadt ein lebendiges Quartier machen? Darüber diskutierten Stadtteilpolitiker, die bei der Kommunalwahl für den Ortsbeirat 5 kandidieren. Dabei wurden ein möglicher Quartiersplatz, das Parkangebot und der Name des Viertels genauer unter die Lupe genommen.

„Die Bürostadt ist ein toller Standort – schon jetzt“, ist sich der Vorsitzende der Standort-Initiative Neues Niederrad (SINN), David Roitman, sicher. „Sie hat viel Potenzial.“ Um ebendieses noch mehr ausschöpfen zu können, lud die Standort-Initiative Stadtteilpolitiker, die bei der Kommunalwahl für den Ortsbeirat 5 (Niederrad, Sachsenhausen, Oberrad) kandidieren, in den „Access-Tower“ ein, um neue Anregungen und Ideen zu finden, wie aus der nüchternen Bürostadt ein lebendiges Quartier werden kann. Vor rund 50 Zuhörern diskutierten Horst Kriehn (CDU), Petra Korn-Overländer (SPD), Dirk Trull (Grüne), Dr. Uwe Schulz (FDP) und Kai-Sören Kehrmann (Graue Panther).

Die Investoren, betonte Roitman mehrfach, würden sich von der Stadt oftmals im Stich gelassen fühlen. Vieles ginge nur schleppend voran. Eingebrachte Ideen fänden selten Berücksichtigung. Selbst Grundstücke in der Bürostadt, die der Stadt zum Kauf angeboten würden, um darauf etwa eine Schule zu bauen, würden nicht angenommen. „Der neue Ortsbeirat muss Druck auf die Politiker im Römer ausüben, damit es hier schneller vorangeht“, forderte Roitman. Und sagte: „Sie können zwar nichts entscheiden, aber Sie können beeinflussen.“

An Ideen mangelt es den Stadtteilpolitikern zumindest nicht. So könnte sich Petra Korn-Overländer auf dem großen Wiesen-Grundstück an der Ecke Herriotstraße/Lyoner Straße gut einen Quartierplatz sowie eine weiterführende Schule vorstellen. Dirk Trull denkt an einen Quartiersplatz mit Marktplatz-Charakter in der Saonestraße. Für Uwe Schulz hingegen hängt der Erfolg des Viertels nicht von einem zentralen Platz ab. „Für mich ist es wichtiger, dass wir hier Wohnen für alle, für Familien, Senioren, Singles und Studenten anbieten können. Darauf müssen wir achtgeben.“

Auch für Horst Kriehn steht ein Quartierplatz nicht im Mittelpunkt seiner Überlegungen. „Wir dürfen unser Augenmerk nicht nur darauf legen – vielmehr müssen die Investoren Grünflächen vor und hinter ihren Gebäuden öffnen und mit Spielecken aufwerten“, forderte er. Außerdem sei es wichtig, in dem Viertel alle Neubauten mit Tiefgaragen auszustatten, um die Parkplatzsituation zu entschärfen – ein Vorschlag, der bei Investoren wie etwa Klaus Franken nicht gut ankommt. „Das macht den Bau nur teuer. Schon heute stehen 50 Prozent der vorhandenen Tiefgaragen in der Bürostadt leer, weil sie nicht benötigt werden“, gab er zu bedenken.

Einig waren sich die Stadtteilpolitiker allerdings darüber, dass die Beschilderung in der Bürostadt verbessert werden müsse, damit die neuen Bewohner schnell den Weg in den Stadtwald, zum Main und nach Niederrad finden. Die SPD wünscht sich zudem einen Quartierbus oder die Verlängerung der Straßenbahnlinie 15 vom Hardtwaldplatz über die Goldsteinstraße und die Lyoner Straße bis zur Straßenbahnlinie 12. „So hätten wir eine Ringbahn und die Erschließung des Quartiers könnte verbessert werden“, sagte Korn-Overländer. Trull und Kehrmann fanden diese Idee gut.

Und wie soll die Bürostadt Niederrad in Zukunft heißen? Soll es bei diesem Namen bleiben oder muss ein neuer her? „Wenn wir dem Viertel ein neues Gesicht geben wollen, brauchen wir auch einen neuen Namen. Der Begriff Bürostadt ist negativ behaftet“, erklärte Schulz. Dirk Trull mag den Begriff „Lyoner Viertel“, Korn-Overländer würde es gerne bei der „Bürostadt“ belassen. Kehrmann will – ganz basisdemokratisch – die Niederräder entscheiden lassen. Wie es mit dem Namen und auch dem Viertel weitergeht, wird sich aber wohl erst nach der Kommunalwahl zeigen.

(jlo)

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