Immer mehr Anzeigen

Wohnungsnot: Betrüger kassieren immer dreister ab

Kaution, Abstand, Vorauszahlung - wer in Frankfurt eine Wohnung sucht, zögert nicht beim Überweisen. Schon gar nicht, wenn der Vermieter bei der Begehung einen mehr als guten Eindruck macht. Jetzt stapeln sich bei der Polizei die Anzeigen.

Studenten suchen Wohnung

Im angespannten Wohnungsmarkt von Frankfurt werden Betrüger immer dreister. Die Frankfurter Polizei ermittelt gegen einen Mann, der von zwei Dutzend potenziellen Mietern vorab hohe Summen kassierte - ohne dass die Wohnung ihm überhaupt gehörte. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am Montag über den Fall, in dem immer neue Geschädigte auftauchen.

Am Montag lagen der Polizei bereits 25 Anzeigen vor, wie Sprecherin Chantal Emch der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Gesamtschaden beläuft sich aktuell auf mehr als 77 000 Euro. Der 39-Jährige hatte Ende September über eine Internetplattform eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Frankfurter Innenstadt inseriert. Seine Opfer lud er teilweise sogar zu einem Besichtigungstermin ein.

Noch vor dem Zustandekommen des Mietvertrages verlangte der Mann unterschiedlich hohe Geldbeträge - zum Beispiel Kaution, Abstand für Möbel oder eine Vorauszahlung. Dass sie auf einen Betrüger hereingefallen waren, wurde den Opfern erst klar, als sie zur vereinbarten Schlüsselübergabe mit vielen anderen Menschen vor verschlossener Tür standen. Laut Polizei war der Mann selbst nur Mieter in der Wohnung.

Dass sich Betrüger an der Wohnungsnot in Frankfurt bereichern, ist nicht neu - dieser Fall sei aber dennoch besonders, sagte Emch: "Dass die Betrüger sogar zu einem Besichtigungstermin einladen, ist die absolute Ausnahme." Das Angebot sei mit 800 Euro preislich plausibel gewesen, vor Ort trafen die Opfer auf einen zuvorkommenden, eloquenten Mann, "bei dem man sich in guten Händen fühlt". Wohnungsuchende hätten den Betrug nur sehr schwer erkennen können.

Die übliche Masche von Wohnungsbetrügern läuft anonymer: Sie bieten Wohnungen im Internet an, die gar nicht existieren oder deren Bilder aus anderen Inseraten kopiert sind. Wenn es überhaupt persönlichen Kontakt gibt, dann in einem Café. Die Frankfurter Polizei rät bei Wohnungsinseraten "Vorsicht walten zu lassen und sich nicht unter Druck setzen zu lassen". Indizien für betrügerische Offerten: ein sehr günstiger Preis, lückenhafte Informationen, Fotos wie aus einem Katalog, Inserat in schlechtem Deutsch, ein ausländisches Bankkonto, kein Ansprechpartner - und eine nicht existierende Adresse.

Rubriklistenbild: © dpa/picture alliance

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