Sehr teuer

Wohnungsnot trifft hessische Studenten hart

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Das neue Semester hat begonnen, doch noch längst hat nicht jeder Student ein Zimmer gefunden. Sie übernachten zwischenzeitlich bei Freunden – oder in der Dienstwohnung des Kanzlers der früheren Fachhochschule, der „University of Applied Sciences“, in Frankfurt.

Zu Beginn des Wintersemesters drängen in Hessen neue Studenten auf den Wohnungsmarkt, der überall in der Rhein-Main-Region angespannt ist. Es ist schon wieder ein Rekordsemester. In Hessen steigt die Zahl der Studenten seit zehn Jahren. Im Jahr 2008 waren es landesweit 170 000, im vergangenen Wintersemester 260 000. Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen.

Wie viele Studenten aktuell in Hessen eingeschrieben sind, ist noch nicht erfasst. Die Wohnungsnot ist aber so groß, dass Bert Albers, Kanzler der „Frankfurt University of Applied Science“ (UAS, vormals Fachhochschule), Küche und Bad mit Erstsemestern teilt. Der Hochschulleiter hat vorläufig einen Studierenden in seiner Dienstwohnung aufgenommen. Weitere sollen folgen.

Die Aufrufe an Privathaushalte, Zimmer zu vermieten, sind nicht sehr erfolgreich. Konrad Zündorf, Geschäftsführer des Studentenwerks Frankfurt, bedauert: „Da kommen jedes Jahr weniger Angebote. Vielleicht haben wir das Potenzial schon ausgeschöpft?“

Studenten werden in der Wohnberatung auch aufgefordert, nicht nur nach Zimmern in Frankfurt zu suchen, sondern ins Umland zu schauen. Offenbach ist beliebt, aber auch Landgemeinden, die mit dem Nahverkehr gut erschlossen sind. Denn Mieten in Frankfurt ist teuer. Laut dem Infodienst kostete im vergangenen Jahr ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft in Frankfurt 484 Euro (17,6 Quadratmeter). Nur in München war es teurer.

Hessenweit gab es 11 700 Plätze in Wohnheimen der Studentenwerke. In Frankfurt weisen die Goethe-Universität mit 48 000 und die UAS mit 15 000 Studierenden die höchsten Zahlen auf. Zusammen mit den kleineren Hochschulen zählt Frankfurt damit 68 300 Studenten. Denen stehen seitens des Studentenwerks 2700 Plätze in Wohnheimen zur Verfügung. „Die Warteliste zu Semesterbeginn wurde im Lauf der Jahre immer länger“, sagte Studentenwerks-Chef Zündorf. „Derzeit stehen rund 3000 Studenten auf der Liste.“

Kampagnen laufen wie jedes Jahr auch im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim zusammen. „Wir hatten 33 Feldbetten aufgebaut“, berichtet Kyra Beninga, Vorsitzende der Studentenvertretung AStA. Die meisten Teilnehmer des „Indoor-Camps“ haben inzwischen ein Zimmer gefunden, aber einige wohnen mittlerweile privat bei Asta-Mitgliedern „auf dem Sofa“, so Beninga. Die Situation sei besonders zu Anfang des Semesters noch sehr schwierig.

„Viele pendeln. Sie wohnen bei den Eltern in Gießen, Marburg, Darmstadt, Rüsselsheim, Wiesbaden oder Heusenstamm“, berichtet die AStA-Vorsitzende. „Wir fordern, dass das Bafög angepasst wird: Seit Jahren gibt es eine Wohnpauschale von 250 Euro.“ Das sei viel zu wenig angesichts der Mietpreise in Frankfurt. Etwa zwei von drei Studenten müssten nebenher arbeiten. Das Land Hessen müsse die finanzielle Unterstützung für das Studentenwerk dringend erhöhen, ergänzt Charleen Dresen, AStA-Vorsitzende an der UAS.

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