Von Dixi-Klos und Freundschaftsbändern

Wolfgang Petrys Hits kommen als Musical verarbeitet nach Frankfurt

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„Wahnsinn!“, ein Musical mit Songs von Schlagerstar Wolfgang Petry, ist im Februar in der Frankfurter Jahrhunderthalle zu sehen.

Es war das Dixi-Klo, das fehlte. Ohne das ein Stück mit den Hits von Wolfgang Petry, wie der Sänger selbst meinte, nicht vollständig wäre. Denn nachdem bei einem seiner Stadionkonzerte mal jemand vergessen hatte, die Toilettenhäuschen aufzuschließen, und 40 000 Menschen hilflos davor standen, schaute der Schlagerstar vor seinen Auftritten persönlich nach, ob die Türen zur Erleichterung offen waren.

Martin Lingnau hat auf den Hinweis reagiert und das Detail in sein Musical „Wahnsinn!“ eingebaut, das im Februar in der Frankfurter Jahrhunderthalle zu sehen sein wird. Allerdings nicht im ursprünglichen Zusammenhang. Stattdessen wird das stille Örtchen abgefackelt. Dazu wird „Der Himmel brennt“ intoniert.

Überraschend und originell zu sein, das hatte sich der Hamburger für das Projekt vorgenommen, als er den Auftrag dafür erhielt. Dazu gehört, dass es sich bei dem Resultat nicht um ein Biopic handelt, sondern um mehrere erfundene, aber aus dem Leben gegriffene Beziehungsgeschichten, in die Petrys Hits hineinpassen.

Diverse Anspielungen auf den Künstler gibt es natürlich. Die Kneipe etwa, in die der Zuschauer zu Beginn hineingezogen wird, heißt „Whisky Bill“ – so wie die Lokalität, in der der populäre Stimmungsmacher einst entdeckt wurde. Oder die Freundschaftsbänder, die als sein Markenzeichen gelten. Doch es gibt von ihm selbst keine Kopie. Vielmehr sei seine Persönlichkeit auf vier verschiedene Männer aufgeteilt, sagt Regisseur Gil Mehmert.

Peter ist Lastwagenfahrer – sein Gefährt sogar auf der Bühne zu sehen. Frau Sabine ist mit ihm genauso wenig glücklich wie Karsten mit Gabi. Deren gemeinsamer Sohn Tobi ist in Gianna frisch verliebt. Wolf und Jessica waren mal ein Paar.

„Ich liebe dich, aber ich habe Mist gebaut“ – das hat Lingnau als Essenz aus den Songtexten Petrys gezogen. Sämtliche Fehltritte einer einzigen Person aufzuladen, wäre zu viel gewesen. Entsprechend habe er sich für diese Variante entschieden. Dennoch habe es „richtig knifflige Puzzlearbeit“ gebraucht, das alles zusammenzusetzen. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Lieder sprachlich kaum verändert werden mussten, „zu 99 Prozent konnten wir sie so lassen“. Musikalisch jedoch wurden sie anders, oft rockiger und moderner arrangiert. Aus den Soli entstanden Duette, und „an einer Stelle im Musical werden fünf bis sechs Lieder gleichzeitig gesungen“, erzählt Martin Lingnau.

Die überwiegend bekannten Hits werden live gespielt, die sechsköpfige Band sei die gesamte Zeit über auf der Bühne. Auch als das Grüppchen den Ruhrpott verlässt und auf die Fantasie-Ferieninsel Bahia del Sol fliegt. In der Heimat weit voneinander entfernt, finden die Paare in der Fremde zu sich und zueinander, nennt Lingnau den kaum versteckten Kern der Oldie-Party.

Erdig, rau und bodenständig, so umschreiben die Macher ihr Werk. So, wie man sich das bei dem Thema gerne vorstellt. Erstaunt war Lingnau derweil bei der genaueren Beschäftigung mit Petrys Kompositionen, welch „riesigen Stimmumfang“ diese den Ausführenden abverlangten. Entsprechend hoch seien die Qualitätsansprüche an die Darsteller gewesen.

Petry selbst, schon länger nicht mehr im Geschäft, soll den Werdegang der Produktion wohlwollend begleitet haben. Als Ergebnis eines Workshops lernte er sie kennen und sprang bei einer Berliner Aufführung sogar am Ende auf die Bühne, um den Titelsong noch einmal anzustimmen. Größere Kritik habe er neben der Erinnerung an die Dixi-Klos nicht geäußert. Im Gegenteil: Der ehemalige Lockenkopf, der mit mehr als 20 Millionen Alben zu den erfolgreichsten Interpreten hierzulande gehört, mahnte, man solle ihn nicht überhöhen, sondern noch frecher und ironischer mit ihm umgehen.

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