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Mit Aufräumen und Saubermachen kennt sich Petra Rossbrey aus: Die ehemalige Mitarbeiterin der Flughafengesellschaft Fraport war lange Geschäftsführerin des Tochterunternehmens GCS, zuständig für die Reinigung und technische Wartung der Flughafengebäude.

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AWO-Affäre Frankfurt: Sie wollen die Awo in eine neue Ära führen

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Nach der Awo-Affäre in Frankfurt: Am Samstag wählt die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt ein neues Präsidium.

Frankfurt-Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Frankfurt will ein neues Präsidium wählen. Am Samstag stellen sich die Kandidaten auf einer Kreiskonferenz dem Votum der Delegierten aus den 34 Frankfurter Awo-Ortsvereinen. Das neue ehrenamtliche Gremium soll den Beginn einer neuen Ära in dem skandalgeschüttelten Kreisverband markieren

Schlechter kann man sich Startbedingungen allerdings kaum vorstellen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt und hat bei einer Hausdurchsuchung vor fünf Wochen umfänglich Akten, Computer und Datenträger beschlagnahmt. Die hauptamtliche Geschäftsführung steht im Verdacht, in Vorwürfe von Betrug und Untreue verwickelt zu sein. Öffentliche Zuschüsse wurden erheblich gekürzt. Eine Tochterfirma hat Insolvenz angemeldet. Der Entzug der Gemeinnützigkeit droht. Das sind die Verhältnisse, wie sie derzeit bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Frankfurt anzutreffen sind. Damit nicht genug: Auch Mitglieder des ehrenamtlichen Präsidiums gehören zu den Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Neun Mitglieder des Kontrollorgans haben im Dezember vergangenen Jahres auf Druck des Awo-Bundesverbandes ihre Ämter niedergelegt, zwei als weitgehend unbelastet geltende blieben, um handlungsfähig zu bleiben.

Nun sollen neue Kräfte ran: Petra Rossbrey, Juristin und Fraport-Managerin in Altersteilzeit, bewirbt sich um den Vorsitz. Ihre Stellvertreter möchten Barbara Dembowski, Juristin beim Hessischen Datenschutzbeauftragten, und Hauke Hummel, Geschäftsführer des Volkstheaters Hessen, werden. Ob sie in geheimer Wahl ein Mehrheitsvotum erreichen, gilt keineswegs als ausgemacht - ebenso wenig, dass nicht weitere Kandidaten für die Top-Positionen im Präsidium antreten.

AWO-Affäre Frankfurt: Zweiter Anlauf von Wahlen

Eigentlich sollen die Neuwahlen bereits auf einer Konferenz Mitte Januar stattfinden. Mit Sylvia Schenk - ehemalige Frankfurter SPD-Stadträtin und früheres Vorstandsmitglied von Transparency International - war eine versierte Versammlungsleiterin gefunden. Awo-Bundeschef Wolfgang Stadler war eigens aus Berlin angereist. Man tagte hinter verschlossenen Türen. Es sollen die Fetzen geflogen sein. Stadler sprach anschließend von einer guten Debatte und von funktionierenden Selbstreinigungskräften. Nicht funktioniert hatten indessen die Wahlen, aus formalen Gründen.

Nun also der zweite Anlauf. Wieder mit Sylvia Schenk als Dirigentin des Geschehens und diesmal mit Wahl. Neben den elf Präsidiumsmitgliedern sind zwei ehrenamtliche Revisoren zu wählen. Deren Vorgänger waren Anfang Dezember von ihren Ämtern zurückgetreten. Eine war die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen, die noch vor wenigen Tagen betont hatte, dass eine effektive und in die Tiefe gehende Prüfung der Geldgeschäfte bei der Awo Frankfurt für Ehrenamtler unmöglich sei. Tatsächlich ist ihrem Bericht vom Juni vergangenen Jahres zu entnehmen, dass die Revisoren trotz festgestellter Unplausibilitäten in den Unterlagen die Entlastung des Präsidiums und damit die Entbindung des Gremiums von jeglicher Haftung vorgeschlagen hatten.

AWO-Affäre Frankfurt: Ein steiniger Weg für das Präsidium

Vor dem neuen Präsidium liegt ein steiniger Weg. Seine Mitglieder müssen sich gegenüber den beiden amtierenden Geschäftsführern behaupten, die Nutznießer und Nachfolger sind von Jürgen Richter, der über Jahre ein System von Gefälligkeiten, maßloser Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit, von protzigen Dienstwagen und personellen Verflechtungen etabliert hat. Als er im Dezember zurücktrat, rückten Jasmin Kasperkowitz und der Rechtsanwalt Panagiotis Triantafillidis nach. Auch gegen sie ermittelt die Staatsanwaltschaft. Das Präsidium soll die Unregelmäßigkeiten aufklären - zurückliegende und womöglich noch bestehende. Es soll die Ansprüche des Kreisverbandes sichern und abhanden gekommene Mittel einzutreiben suchen. Dass die dafür nötigen Unterlagen, so weit überhaupt noch vorhanden, die Staatsanwaltschaft im Januar bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmen ließ, macht diese Aufgaben nicht leichter.

In der Landeshauptstadt kann man gerade besichtigen, wie kompliziert das Geschäft für neu gewählte ehrenamtliche Vorstände sein kann. Wolfgang Hessenauer, seit wenigen Wochen im Amt, muss nach eigenem Bekunden an dem umstrittenen und ebenfalls von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft betroffenen Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes Wiesbaden festhalten. Weil er "Herrschaftswissen" hat, wie Hessenauer freimütig sagt.

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