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Sensibilisierung von Jugendlichen

So wollen Experten Antisemitismus an Schulen bekämpfen

Beim Kampf gegen Antisemitismus spielt nach Ansicht von Experten die Bildung eine zentrale Rolle. Es müsse mehr Angebote geben, um das Wissen und den Dialog zwischen Schülern zu fördern.

Der zunehmende Antisemitismus an Schulen lässt sich nach Ansicht von Experten in erster Linie mit Bildung bekämpfen. „Bei den Schülern, aber auch bei den Lehrern fehlt unheimlich viel Wissen“, sagte der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, bei einer Podiumsdiskussion am Montagabend in Frankfurt. Antisemitismus sei häufig nicht offensichtlich, sondern zeige sich eher durch die Sprache. Hier müssten Lehrer erkennen, ob ein Schüler die Politik Israels kritisiere oder sich konkret antisemitisch äußere. Dafür müssten Lehrer schon in der Ausbildung sensibilisiert werden, betonte Mendel.

Antisemitismus habe nicht zwingend mit der Religion, sondern eher mit der Herkunft der Jugendlichen zutun, sagte Mendel. Türkische Jugendliche äußerten viel häufiger antisemitische Vorurteile und Verschwörungstheorien als etwa junge Menschen aus Bosnien oder dem Iran.

Bei vielen muslimischen Jugendlichen sei der Nahost-Konflikt emotional aufgeladen, sagte die Frankfurter Publizistin Khola Hübsch, die unter anderem Beauftragte für den interreligiösen Dialog der Frauenorganisation Lajna Imaillah der „Ahmadiyya Muslim Gemeinde“ in Deutschland ist. Sie erlebe einen „tiefen Hass“ in der muslimischen Gemeinschaft, besonders bei betroffenen jungen Erwachsenen, die durch den Krieg Angehörige oder Freunde verloren hätten.

Junge Muslime fühlten sich oftmals als Opfer. Dieses Bild würde durch die mediale Berichterstattung noch verstärkt, meinte die Publizistin. Als Beispiel nannte sie die Berichte über die Gürtelattacke eines Syrers auf einen Kippa tragenden Israeli in Berlin auf der einen Seite, den Übergriff eines Neonazis auf einen Juden in Dortmund auf der anderen Seite. Der zweite Fall habe nicht ansatzweise so viel Medien-Echo erhalten. Vor allem in den sozialen Netzwerken würden solche Meldungen dann mit wütenden Kommentaren verbreitet.

Um das Wissen und den Dialog zwischen Schülern zu fördern, müsse es mehr Bildungsangebote geben, forderte Hübsch. Lehrer müssten sich zudem theologisches Wissen aneignen. Als gutes Beispiel nannte sie das „Abrahamische Forum“. Das 2001 in Deutschland gegründete Forum mit Sitz in Darmstadt schickt unter anderem interreligiöse Teams mit Vertretern von Muslimen, Juden, Christen und Bahai zu Informations- und Diskussionsveranstaltungen an Schulen. „Da fehlt dann das Geld“, kritisierte Hübsch. Und ergänzte: „Wenn ich zum Beispiel mit Studenten spreche, sind die so froh, endlich ihre Fragen stellen zu können.“

Auch die Frankfurter Nahost-Expertin Claudia Baumgart-Ochse bestätigte das hohe Interesse junger Leute an dem Thema. Eines ihrer früheren Seminare am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung zum Nahost-Konflikt habe Hunderte Studierende in den Hörsaal gelockt. Es sei zudem wichtig, entsprechende Literatur in einfacher, verständlicher Sprache zu verfassen. Ein Beispiel hierfür sei das Friedensgutachten der deutschen Friedensforschungsinstitute zu internationalen Konflikten.

(epd)

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