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Ein Mitarbeiter der Spurensicherung fotografiert die Einschusslöcher an einem Mercedes. In diesem Jahr kam der Fall vor Gericht.

Rückblick

Womit sich Gerichte im Jahr 2018 befassen mussten

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Mord und Totschlag, schwunghafter Cannabis-Anbau in der Lagerhalle und lästige Nilgänse auf der Schwanheimer Feldgemarkung: Die Frankfurter Gerichte hatten auch 2018 wieder ein abwechslungsreiches Arbeitsprogramm zu bewältigen.

Eigentlich wollte er Goldbarren von Afrika nach Deutschland bringen – weil jedoch stattdessen ein Kilogramm Heroin aus seinem Magen gepumpt wurde, gab es im Januar vier Jahre Haft für einen Drogenschmuggler. Auch im vergangenen Jahr beschäftigten wieder mehrere „Alt-Fälle“ die Justiz: 26 Jahre nach dem Mord an einer Garderobenfrau im Westend wurde ein als „Lasermann“ bekannt gewordener Schwede im Februar zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Herbst begann der Prozess gegen einen heute 46-Jährigen, der 1991 als Heranwachsender eine 91-Jährige während eines Einbruchs getötet haben soll.

Tod von Frau aus Kriftel sorgt für großes Aufsehen

Großes Aufsehen hatte im Februar der Prozess um den Tod einer jungen Frau in Kriftel erregt. Weil er absichtlich auf sie und ihren Freund auf einem Zebrastreifen losgefahren und die Frau dabei getötet hatte, wurde der Angeklagte zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Immer wieder ging es vor den Gerichten um Straftaten zulasten älterer Leute. Falsche Wasseruhr-Ableser, die betagte Wohnungsinhaber bestehlen, aber auch professionelle Räuber beschäftigten die Justiz: Jeweils hohe Haftstrafen gab es gegen Jahresende für den Raubüberfall auf einen demenzkranken Hausbesitzer, sowie einen Bauernhof in Karben, bei dem das Landwirts-Ehepaar um seine gesamten Ersparnisse und die Einnahmen aus der Erdbeer-Ernte gebracht wurden. Der Raubmord an einem Schmuckhändler in Griesheim wurde im Oktober mit Haftstrafen von zwölf, acht und achteinhalb Jahren Haft gesühnt – für die Täter galt teilweise noch das mildere Jugendstrafrecht.

Versuchter Mord auf dem Friedrich-Stoltze-Platz

Der Prozess um eine weitere aufsehenerregende Gewalttat endete nach zehn Monaten Verhandlungsdauer im März: Weil er am Himmelfahrtstag 2016 bei schönstem Feiertagswetter auf dem belebten Friedrich-Stoltze-Platz um sich geschossen hatte, wurde ein „Hells Angels“-Mitglied unter anderem wegen versuchten Mordes zu zehn Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Ebenfalls ein Fall für das Schwurgericht war der gewaltsame Tod einer hochschwangeren afghanischen Frau, die von ihrem Mann im Beisein der beiden kleinen Kinder in ihrem Bett erstickt wurde. Während dieses Verfahren zwischenzeitlich mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haft abgeschlossen werden konnte, steht die Entscheidung in einem weiteren Mordverfahren noch aus: Hier wurde der Betreiber eines Wettbüros in Sachsenhausen von einem Auftragskiller getötet.

Schwanheimer Bauer wollte Nilgänsen mit Schreckschusswaffe auf die Fährte kommen

Es waren nicht nur die Kapitalverbrechen, die die Justiz 2018 in Atem hielten: Ins Reich der „Schmonzetten“ gehört der Prozess gegen einen Schwanheimer Bauern im Oktober, der den lästigen Nilgänsen auf seinem Acker mit einer (unerlaubten) Schreckschusswaffe auf die Fährte kommen wollte. Er sah das Unrecht ein und zahlt eine Geldauflage.

Viel Ärger und Umstände machten Fischdiebe in einem Taunus-Weiher und auch die zweifelhaften gärtnerischen Fähigkeiten verschiedener Cannabis-Anbauer in Abbruchhäusern, Lagerhallen und Kellergewölben gehörten bei der Justiz schon fast zum Alltäglichen.

Einen echten Bürgermeister aber gab es im vergangenen Jahr nur einmal auf der Anklagebank: Das Eschborner Stadtoberhaupt wurde wegen Geheimnisverrat zu einer Geldstrafe verurteilt.

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