Frankfurt Historisch

Wrigley: Kaugummi made in Frankfurt

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Es ist eine Geschichte, die kaum jemand kennt: Von 1925 bis 1932 betrieb die Wrigley AG eine Fabrik in Frankfurt – ihre erste in Deutschland. Sieben Jahre wurde an der Mousonstraße Kaugummi produziert und die Frankfurter entpuppten sich als echte Fans des Produktes aus den USA.

Verschmitzt blickt der Junge mit den großen Augen und der karierten Ballonmütze auf dem Kopf drein, als er sich das weiße Kaugummi in den Mund schiebt. Er trägt einen langen schwarzen Mantel, unter seinem rechten Arm hält er eine Kaugummipackung. „Wrigley Pfefferminz Kaubonbons“ steht darauf sowie die Empfehlung, dieses nach jeder Mahlzeit in den Mund zu schieben.

1925 stand dieser Aufsteller im Frankfurter Hauptbahnhof, kurz nachdem die amerikanische Firma Wrigley ihre Fabrik in der Mousonstraße 15 - 17 im Ostend eröffnet hatte. Es war die erste Kaugummi-Fabrik auf deutschem Boden. Zwei Millionen Reichsmark investierte der amerikanische Konzern in den Bau, binnen sechs Monaten, von Januar bis Juni, wurde das Gebäude fertiggestellt.

Pfefferminz-Geschmack

Den europäischen Markt wollte die 1891 in Chicago gegründete Firma von der Mainmetropole aus erobern. Vertrieben wurden die nach Pfefferminz schmeckenden Leckereien allerdings nicht als Kaugummi – aus dem „Chewing Gum“ in den USA wurde in Deutschland das Kaubonbon. In der Frankfurter Fabrik wurden ausschließlich die heute nicht mehr auf dem Markt erhältlichen Kaugummis „Wrigley P. K.“ – benannt nach dem damaligen Konzerninhaber Philip K. Wrigley – produziert. Die noch heute bekannten Marken „Wrigley’s Spearmint“, „Doublemint“ und „Juicy Fruit“ wurden erst 1950 auf dem deutschen Markt eingeführt.

Versucht wurde es vorher über den klassischen Weg: Werbung. Wie mit der überdimensionalen Figur im Hauptbahnhof. An die Frankfurter Händler wandte sich Wrigley mit besonderen Aktionen. Einen Rasierapparat von Gillette und drei Schachteln Kaubonbons à 50 Päckchen wurden ihnen für zehn Reichsmark angeboten. Beim Wiederverkauf wurde ihnen so ein satter Gewinn von 6,35 Reichsmark versprochen. „Stellen Sie die Schachtel auf Ihren Ladentisch und Sie werden überrascht sein, wie schnell das Geld wieder in Ihre Kasse gelangt“, heißt es auf dem Plakat.

Aufgespürt hat dieses Werbeplakat Christos Vittoratos, der sich für innovative Produkte interessiert, die in Frankfurt produziert wurden. „Die 1920er Jahre waren eine spannende Zeit, doch das Kaugummi hier zu etablieren scheiterte leider“, weiß er. Danach sah es bereits nach dem ersten Jahr aus, wie Ernst Lorsy in seinem Werk „Die Stunde des Kaugummis“ feststellte.

Der Misserfolg der Fabrik in Frankfurt sei quasi mit ihrem Bau prophezeit gewesen, heißt es darin. Doch nach einem Jahr habe man die Deutschen überzeugt, sie hätten sich zu einem „Volk von Gummikauern“ entwickelt. Die Familie Wrigley war davon nicht wirklich überrascht, weil die Deutschen eine große Amerika-Sehnsucht in sich trügen. Als „kaugummireif“ wurden sie damals bezeichnet.

Schließung 1932

Die Erfolgsgeschichte fand jedoch bald ein jähes Ende. 1932 wurde die von Betriebsleiter H. Schulz und Direktor T. Feld geführte Fabrik im Ostend dichtgemacht. Grund dafür waren jedoch nicht schlechte Verkaufszahlen oder die verflogene Begeisterung an dem Kaubonbon aus Amerika. Der 1919 geschlossene Friedensvertrag von Versaille machte es für Wrigley immer schwerer, bestimmte Zutaten nach Deutschland zu importieren, die für die Herstellung der Kaubonbons aber unabdingbar sind. Verbunden damit waren auch finanzielle Probleme, wegen denen der Konzern sich dann entschied, die Fabrik in Frankfurt zu schließen.

Einen neuen Versuch wagte Wrigley erst wieder in den 1950er Jahren, dieses Mal in Düsseldorf. Deswegen wird der Erfolgszug des Kaugummis in Deutschland nicht selten den nach dem Zweiten Weltkrieg hier stationierten Amerikanern zugeschlagen – sie hätten das Kaugummi mitgebracht und etabliert. Dabei wird oft vergessen, wo die Ursprünge liegen: in Frankfurt.

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