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Geduld und große Taschen: Das macht einen gewieften Bazar-Besuchers aus, wie hier Hunderte von ihnen vor dem Dominikanerkloster warten.

Pfennig-Bazar

Vor dem Wühlen heißt es warten

Gestern fiel der Startschuss für den mittlerweile 15. Pfennig-Bazar im Dominikanerkloster. Schon Stunden vor der Eröffnung bilden die Schnäppchenjäger eine lange Schlange.

Dienstagmorgen, 9.30 Uhr. Schon gut eine halbe Stunde bevor der Pfennig-Basar im Dominikanerkloster öffnet, hat sich eine lange Schlange entlang der Kurt-Schumacher-Straße gebildet. Mindestens 300 Schnäppchenjäger warten auf den Einlass. In der ersten Reihe steht Wolfgang (58). Bereits seit 14 Jahren ist der alljährliche Wohltätigkeitsbasar ein fester Termin in seinem Kalender. „Ich bin Stammgast“, sagt der Frankfurter.

Schon früh morgens haben er und seine Bekannten sich auf den Weg in die Innenstadt gemacht, seit 7 Uhr stehen sie in der Schlange vor dem Kloster. „Wir haben zwischendurch mal einen Kaffee geholt und gefrühstückt“, erklärt der 58-Jährige. Was ihn diesmal erwartet, weiß er noch nicht. „Es ist immer eine Überraschungskiste.“ Mal habe er in den vergangenen Jahren Schmuck ergattert, mal Schuhe und wieder ein anderes Mal etwas Nützliches für den Haushalt.

Weiter hinten in der Schlange steht Inge Lengies-Jäger. Sie ist aus Sulzbach nach Frankfurt gereist – und hat sogar

Gäste aus Hannover

im Schlepptau. „Wir planen jedes Jahr zum Pfennig-Bazar eine Art Familien-Event“, lacht sie. Ihre Schwägerin Kiki Lengies und deren Freundin Martina Freimooser nehmen die gut 350 Kilometer aus der niedersächsischen Hauptstadt gerne auf sich, um auf Schnäppchenjagd zu gehen.

„Gestern haben wir schon einen schönen Tag miteinander verbracht, waren im Main-Taunus-Zentrum und abends Essen und haben bis in die Nacht gequatscht“, sagt Lengies-Jäger. Doch der Höhepunkt des Treffens war schließlich der Bazar. „Wir sind immer um 9.30 Uhr hier“, sagt die Sulzbacherin. Seit etwa sechs Jahren kommt sie regelmäßig zu der Veranstaltung – und ist nicht nur von den Angeboten begeistert. Besonders gefällt mir die Atmosphäre.“ Es sei ein freundliches, fast familiäres Miteinander. „Wenn jemand etwas anprobiert, dann berät man sich gegenseitig. Auch wenn man sich gar nicht kennt.“

Gleichwohl schieben sich die Massen gegen Mittag dicht an dicht durch den Saal im ersten Stock. Auf der Suche nach dem besten Stück wird da auch heftig gewühlt. Besonders dort, wo Hemden und Kleinteile ausgelegt sind. Wer Menschenmassen scheut, ist hier falsch.

Mit zwei Minuten Verspätung, um 10.02 Uhr, öffnet Susie von Verschuer-Bär, Geschäftsführerin der Spedition Fermont, die Türen des Dominikanerklosters und lässt die ersten Schnäppchenjäger hinein. Das Ritual wiederholt sich etwa alle 20 Minuten. Solange heißt es vor dem Eingang warten. Viele haben große Taschen oder sogar Einkaufstrolleys dabei. „In den vergangenen Jahren kamen an den beiden Tagen bis zu 10 000 Kunden“, sagt Verschuer-Bär, die mit ihrem Team seit 15 Jahren für die Logistik der Wohltätigkeitsveranstaltung verantwortlich ist.

1500 Umzugskartons haben die ehrenamtlichen Helfer seit April entgegengenommen. „Pro Jahr finden etwa sechs oder sieben Sammeltermine statt“, erklärt Sonja Thelen, Sprecherin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Landesverband Hessen. Der Organisation kommt ein großer Teil des Reinerlöses zugute, ein anderer Teil dem Hospizverein St. Katharina.

Seit 2004 hat der Pfennigbasar einen Umsatz von insgesamt 1,2 Millionen Euro erzielt. „Es ist also eine Win-Win-Situation“, sagt Bernd Crusius, Geschäftsführer der DMSG. Zum einen gebe es gut erhaltene Kleidung, Spielsachen, Schuhe und Handtaschen für einen kleinen Preis zu kaufen. „Der Bazar ist also besonders auch für Menschen mit einem kleineren Geldbeutel“, so Crusius. Zum anderen tue man mit seinen Schnäppchen auch noch etwas Gutes. „Der Erlös kommt Multiple-Sklerose-Patienten in Frankfurt und ganz Hessen zugute“, so Crusius weiter. Unter anderem würden davon Fahrdienste, die nicht von den Kassen übernommen werden, finanziert. Gutes zu tun, darum geht es auch Corinna und Svenja Weber. Die Schwestern sind zum Studieren von Wetzlar nach Frankfurt gezogen und sind zum ersten Mal da. „Wir haben über Facebook davon erfahren und finden die Idee, beim Shopping auch noch Gutes zu tun, richtig toll“, sagt Corinna Weber. Die Auswahl sei riesig und die Kleidung, obwohl sie gebraucht ist, noch sehr gut erhalten. „Im nächsten Jahr werden wir bestimmt wiederkommen und noch Freunde mitbringen.“

Auch heute hat der Pfennigbasar von 10 bis 18.45 Uhr im Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Straße 23, geöffnet.

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