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Der Baustellen- und Lieferverkehr sind derzeit ein großes Problem in der Kaiserstraße. Sie behindern den Verkehrsfluss. Um das Problem ein für alle Mal zu lösen, schlägt Oskar Mahler vor, Autos nicht mehr ins Viertel zu lassen.

Wunsch nach autofreiem Kiez

Oskar Mahler will das Bahnhofsviertel zur autofreien Zone erklären

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Überall in der Stadt nimmt die Verkehrsbelastung zu – auch im Bahnhofsviertel. Oskar Mahler hat einen radikalen Vorschlag: Er will das Quartier zur autofreien Zone erklären. Davon sind erwartungsgemäß nicht alle begeistert.

Regeln sind dazu da, um missachtet oder sehr individuell ausgelegt zu werden. Und so wird auch im Frankfurter Bahnhofsviertel ungeniert in zweiter Reihe geparkt: Warnblinker rein, aussteigen – sollen die anderen Autofahrer doch sehen, wie sie sich ihren Weg bahnen. Dieses rücksichtslose Verhalten ärgert Oskar Mahler, Stadtteilbildhauer und früherer Vorsitzender des Gewerbevereins „Treffpunkt Bahnhofsviertel“, sehr. Dadurch würden andere Verkehrsteilnehmer behindert, ja sogar gefährdet. Besonders brisant sei die Situation in der Kaiserstraße.

Dort gibt es im Moment rund ein halbes Dutzend Baustellen. Weil Lieferverkehr oft die Fahrbahn blockiere, staue sich der Verkehr. Vor allem für Radfahrer, die sich im Slalom durchschlängelten, sei dies sehr gefährlich, sagt Mahler. Er kritisiert auch, dass bei den Baustelleneinrichtung das Thema Platz nicht bedacht worden sei. Und so müssten sich Fußgänger teilweise auf weniger als anderthalb Meter aneinander vorbeizwängen.

Einen Testlauf wagen

Mahlers Patentrezept, um die Lage zu entspannen: Autos raus aus dem Bahnhofsviertel– mit Ausnahme von Taxis und Lieferverkehr und natürlich Rettungsfahrzeugen sollen Kaiser-, Taunus- und Münchener Straße, Elbe-, Weser-, Mosel- und Niddastraße tabu sein für Autos. Die Zufahrt zu Tief- und Privatstellplätzen soll erlaubt bleiben. Aber: Im Quartier soll es keinerlei öffentliche Parkplätze geben. „Bei der Bahnhofsviertelnacht funktioniert dieses Prinzip wunderbar. Das Quartier ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen – ein Testlauf könnte die Stadt schon wagen“, so Mahler.

„Als Anwohner würde ich natürlich jubeln, als Vorsitzender des Gewerbevereins ist meine Meinung: Das geht gar nicht“, sagt Ulrich Mattner. Der Aufschrei der Einzelhändler und Gewerbetreibenden sei sicher. „Die Geschäfte leben doch davon, dass man vor dem Laden oder ein paar Schritte entfernt mal schnell anhalten und einkaufen kann“, betont er. Parkhäuser gebe es keine in der Umgebung. Viele Kunden kämen auch von außerhalb, weil sie im Bahnhofsviertel Spezialitäten, beispielsweise aus Afghanistan, bekämen. „Der Vorschlag birgt ziemlich viel Zündstoff“, sagt Mattner auch mit Blick auf Sondergenehmigungen, die auszustellen seien.

Dieser Radfahrer nimmt Rücksicht und lässt einem anderen den Vortritt. Grundsätzlich müssen Radler aber oft Slalom fahren, um vorwärts zu kommen.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) überrascht der Vorschlag von Mahler nicht, schließlich sei schon einmal darüber diskutiert worden, die Kaiserstraße in eine Fußgängerzone umzuwandeln. Und natürlich gebe es überall in der Stadt vergleichbare Initiativen; zuletzt in der Schweizer Straße. Er sei aber offen für Gespräche, im Moment sehe er aber keine Chance, die Idee umzusetzen. Denn mit Blick auf die Drogenszene im Kaisersack gebe es mittlerweile sogar Überlegungen die Sackgasse wieder für den Verkehr freizugeben. „Ich bin kürzlich an einem Sonntag dort vorbeigekommen, da machten sich 40 Junkies auf dem Platz breit. Das war kein schöner Anblick“, sagt Oesterling.

Mainkai-Sperrung abwarten

Der Stadtrat vertritt zudem den Grundsatz: Ein Schritt nach dem anderen. Deshalb wolle er zunächst die probeweise Sperrung des nördlichen Mainufers – auf dem Abschnitt zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke – abwarten. „Der Versuch dauert ein Jahr, das wird kontroverse Diskussionen in der Stadt auslösen.“

Davon ist Oliver Strank (SPD), Vorsteher im Ortsbezirk 1 (Bahnhofsviertel, Gutleut, Altstadt, Innenstadt, Europaviertel) überzeugt. Trotzdem: „Ich bin der Meinung, dass man die Vision von einer autofreien Innenstadt weiterverfolgen muss.“ Für einen Test, wie ihn Mahler anregt, sei das Bahnhofsviertel „ideal geeignet“. Das Quartier sei nicht groß, die Wege seien kurz, es gebe also nicht viele Gründe, weshalb man hier ein Auto benötige oder damit hineinfahren sollte. Er will für eine der nächsten Sitzungen des Ortsbeirates einen Antrag vorbereiten und eine punktuelle Sperrung eines Straßenzuges fordern. „Für die Taunusstraße beispielsweise wäre das sicher eine Aufwertung“, sagt der Ortsvorsteher..

Strank könnte sich auch vorstellen, Parkplätze nur für Bewohner auszuweisen. Grundsätzlich findet er, es gebe zu viele Autos. Ein zukunftsträchtiges Gesamt-Verkehrskonzept für Frankfurt fehle. Dessen Ziel könne es nur sein, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und Park & Ride-Angebote zu schaffen, mehr Menschen zum Umsteigen aufs Rad zu bewegen und die Elektromobilität zu fördern.

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