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Immer wieder ein Grund für Proteste, wie hier auf dem Römerberg: Die Zuweisung der Schüler an weiterführende Schulen,

Bildungspolitik

Wunschschule bleibt für Kinder in Frankfurt ein Traum

Es ist jedes Jahr das gleiche Problem. Zahlreiche Schüler bekommen in der fünften Klasse keinen Platz an ihrer Wunschschule. In diesem Jahr sind rund 600 Kinder betroffen, wie das Staatliche Schulamt gestern mitteilte.

Etwa 65 000 Schüler lernen derzeit an den 147 öffentlichen allgemeinbildenden Schulen in Frankfurt. Für knapp 5600 von ihnen stand am vergangenen Dienstag ein besonderer Tag an. Denn wie die vielen Erstklässler in der Stadt durften auch sie noch einmal Einschulung feiern, diesmal allerdings in Klasse fünf.

Mit dem Übergang von der vierten in die fünfte Klasse wechseln die Kinder nicht nur die Schule, sondern treten auch einen neuen Lebensabschnitt an. Da will die neue Schule natürlich genauestens ausgewählt sein. Doch nicht alle führt der Weg in ihre Wunschschule. Etwa 600 Schülern musste zum Beginn des Schuljahres eine weiterführende Schule zugewiesen werden. „Das passiert dann, wenn der Erstwunsch von Schülern und Eltern nicht möglich ist und mit dem Zweitwunsch eine Schule ausgewählt wurde, die durch Erstwünsche anderer Schüler bereits überwählt ist“, erklärt Dieter Sauerhoff, zuständig für die Schülerlenkung im Staatlichen Schulamt Frankfurt. Sind also an beiden Wunschschulen die Schülerkapazitäten bereits erreicht, müssen die neuen Fünftklässler die Entscheidung des Schulamts abwarten.

Anspruch haben Eltern und Schüler bei der Lenkung an eine neue Schule allein auf den Bildungsgang. Wurde das Kind also für einen Platz im Gymnasialzweig angemeldet, muss es auch einen Platz in diesem Zweig bekommen. Ob es dazu aber an ein reines Gymnasium oder an eine der Frankfurter Gesamtschulen kommt, könnten sich die Eltern zwar wünschen, aber nicht festlegen, so Sauerhoff.

Die Auswahlkriterien der Eltern müssen dann auch mal hinten anstehen. Es sei klar, dass die Nähe der Schule zum Wohnort wichtig wäre, „aber in Frankfurt ist das nicht so einfach“, sagt Sauerhoff. Weil der Kinderanteil in den Stadtvierteln immer wechsle, könne man auch nicht einfach dorthin neue Schulen bauen, wo es Kinder und Eltern momentan gerne hätten. Auch auf das Schulprofil, die Anforderungen an die Schüler und den Erfahrungsschatz der Lehrkräfte würden Eltern bei der Schulwahl oft genauer gucken. Deshalb seien auch die neu gebauten Schulen in der Stadt, wie in diesem Schuljahr die IGS 15 (Unterliederbach) und das Gymnasium Römerhof, anfangs oft noch nicht so anerkannt und überlaufen. „Das sind dann oft die Schulen, an die die Kinder von uns gelenkt werden“, erklärt Sauerhoff. Im Nachhinein seien Kinder und Eltern an diesen neuen Schulen aber meist zufrieden.

Doch nicht nur am Gymnasialzweig müssen einigen Kindern andere Schulen als ihre Wunschlernorte zugewiesen werden. Im Realschulzweig gab es zum neuen Schuljahr knapp 80 Zuweisungen. Und auch im Hauptschulzweig musste in diesem Jahr erstmals gelenkt werden, weil sieben Schüler nicht an ihrer Wunschschule angenommen werden konnten. „Wir hätten auch lieber, dass alle Kinder auf ihre Wunschschule kommen. Aber das ist in Frankfurt aufgrund des Wahlverhaltens der Eltern und der begrenzten Kapazitäten der Schulen momentan nicht möglich“, sagt Sauerhoff.

An einigen Schulen eine oder mehrere Pufferklassen einzuführen, damit die neuen Fünftklässler in Zukunft nicht mehr so viel gelenkt werden müssen, sei keine Alternative, erklärt Schulamtsleiterin Evelin Spyra. „Die Anzahl der Klassen wird vom Schulträger festgelegt und danach weisen wir die Kinder zu“, so Spyra. Vor allem durch die Wiederkehr der meisten Gymnasien von G 8 zu G 9 hätten die Schulen sowieso wieder vier Klassen mehr und seien damit voll.

Kein Problem mit der Schulzuweisung hatten hingegen die Frankfurter Förderschulen. 76 Kinder wechselten zum gerade begonnenen Schuljahr in die fünfte Klasse einer Förderschule. Generell hatte man schon vor Beginn des Schuljahres prognostiziert, dass die Schülerzahlen an den Frankfurter Förderschulen leicht zurückgehen werden. Die endgültigen Zahlen stünden aber erst im September fest. Obwohl laut Evelin Spyra der Grundbedarf an Lehrkräften an allen Frankfurter Schulen abgedeckt sei, laufe die Suche nach Förderschullehrern nach wie vor. Zwölf Förderschullehrkräfte wurden zum aktuellen Schuljahr bereits eingestellt. Weitere Einstellungen seien aber auch nach Schuljahresbeginn noch möglich. „Wenn wir einen Förderschullehrer für uns gewinnen können, haben wir auch eine Stelle frei“, so Evelin Spyra.

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