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Da ist das Ding: Niko Kovac und der Pokal.

Eintracht Frankfurt

So wurde Niko Kovac Bayern-Trainer

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Viele in Frankfurt nahmen Niko Kovac seinen Wechsel zu den Bayern übel. Mit dem Pokal-Triumph machte er alles wieder gut.

Der 12. April begann als normaler Nachrichtentag. Nichts besonderes auf der Agenda. Das blieb auch lange so. Am späteren Abend allerdings füllten sich die Kanäle schnell mit den Top-News aus der Fußball-Bundesliga, wenige Wochen vor Saisonschluss: Niko Kovac quittiert seinen Trainer-Job bei der Frankfurter Eintracht und heuert zur kommenden Saison bei Bayern München an.

Gerüchte über diesen Wechsel hatte es schon länger gegeben. Aber diesmal ging es um mehr als Gerüchte. Weil die Information aus erster Hand gestreut worden war – in München.

Die folgenden Tage gehören zu den turbulentesten der jüngeren Eintracht-Geschichte. Und im Leben von Niko Kovac. Die Eintracht sah sich urplötzlich gezwungen, einen adäquaten Nachfolger für ihren Erfolgstrainer zu suchen. Kovac wiederum stand als Fahnenflüchtiger da. Und als jemand, der seinen Job-Wechsel hinterrücks und mit Eiseskälte betrieben hatte.

Das lag auch an der Geschichte, die der Kroate über den Ablauf der Dinge auftischte. Er sei ganz normal zur Arbeit gekommen, sagte Niko Kovac. Mit der Normalität sei es aber „schlagartig“ vorbei gewesen: „Ich habe einen Anruf aus München bekommen, mit Vertragsangebot. Dieses habe ich gestern auch angenommen“, sagte Kovac am Tag danach. Er habe sich daraufhin mit Eintrachts Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner getroffen und sie über seinen Entschluss in Kenntnis gesetzt.

Bobic und Hübner wurden angeblich kalt erwischt. Die beiden waren tagsüber in Kopenhagen gewesen, um den Transfer des neuen Torhüters Frederik Rönnow perfekt zu machen. Es wurde ein langer Abend in Frankfurt mit einem intensiven Gedankenaustausch.

Am Tag danach kritisierte Bobic die Münchner Seite scharf. „Dass Informationen innerhalb kürzester Zeit nach außen geflossen sind – und das sicherlich nicht aus Frankfurt – ist sehr ärgerlich, unprofessionell und respektlos“, sagte der 46-Jährige: „Es gab keine Kontaktaufnahme mit uns, sondern alle Details sind direkt in die Öffentlichkeit gelangt. Das sind Dinge, die ich so unter Kollegen in der Bundesliga noch nicht erlebt habe. Aber das sind eben die Bayern, die haben ihr Ding gemacht und nur an sich gedacht.“

In erster Linie an sich gedacht hatte auch Kovac – obwohl er in seiner Frankfurter Zeit immer wieder von den Spielern verlangt hatte, vor allem im Saison-Endspurt den sportlichen Zielen alles andere unterzuordnen, und obwohl sein Vertrag bei der Eintracht noch ein Jahr lief – was den Frankfurtern eine Ablösesumme von rund zwei Millionen Euro bescherte. Dass der Zeitpunkt des Bekanntwerdens nicht besonders glücklich war, räumte Kovac ein. „Ich verstehe die Enttäuschung“, sagte er: „Ich weiß, was ich dem Club zu verdanken habe. Und ich habe mich gefragt: Wen enttäuschst du?“

Ansonsten aber war er mit sich im Reinen. Die Entscheidung sei ein längerer Prozess gewesen. Die Ausstiegsklausel für einen vorzeitigen Wechsel zu einem Club, der in der Champions League spielt, habe er 2016, bei seiner Vertragsverlängerung in Frankfurt, mit voller Absicht einfügen lassen: „Ich habe hohe Erwartungen und ich habe Ziele und Träume“, sagte der Kroate: „Träume sind der Anfang von der Realisierung von Zielen. Ich war überzeugt davon, durch meine Arbeit hier in Frankfurt interessant für solche Clubs zu werden.“

Bei der Eintracht wurde kurz darüber nachgedacht, sich sofort vom Trainer zu trennen. Kovac blieb – auch um die Saisonziele nicht komplett zu gefährden. In der Liga verspielte die Eintracht zwar die Qualifikation für die Europa League. Doch die schafften die Frankfurter durch das Pokal-Märchen von Berlin. Die Freudentränen nach dem Sieg gegen die Bayern und der Triumphzug zum Römer: Das sind die Bilder, die letztlich von Niko Kovac in Frankfurt bleiben.

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