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Bettenschieben gehört dazu: Rolf Hahn hielt 40 Jahre lang den Rotkreuzkliniken in verschiedenen Positionen die Treue.

Rolf Hahn: 40 Jahre lang Frankfurter Krankenhaus

Wurden Sie in den Rotkreuz-Kliniken zufällig auch von diesem Mann gepflegt?

Die meisten kennen ihn nur als „Herr Hahn“: Unzählige Patienten der Rotkreuz-Kliniken werden sich an ihren warmherzigen Pfleger zurückerinnern. Rolf Hahn hat 40 Jahre lang dort gearbeitet. Nun ist er im Ruhestand.

So recht verstehen kann Rolf Hahn den Trubel nicht. „Ich hab’ doch nix Besonderes gemacht“, sagt er. Martin Camphausen, Pressesprecher der Frankfurter Rotkreuz-Kliniken und Vertreter der „Generation Praktikum“, schnaubt und widerspricht: „40 Jahre lang in ein- und demselben Unternehmen – das ist heute längst nicht mehr selbstverständlich!“

Hahn identifiziert sich stark mit der Klinik des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die Antwort auf die Frage, wann der 63-Jährige in dem Krankenhaus in der Königswarterstraße angefangen habe, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Am 15.11.1976!“

Bevor Rolf Hahn seine Berufung beim Deutschen Roten Kreuz gefunden hatte, arbeitete er vier Jahre lang als Heizungsmonteur. Und obwohl seine Warmherzigkeit binnen weniger Sekunden von ihm ausstrahlt, wirkt er ganz und gar nicht wie der klassische Heizungsmonteur. Der Umgang mit Heizkörpern war ihm denn auch schnell viel zu fad. Warum er sich anfangs für diesen Beruf entschieden hat, weiß er nicht einmal mehr selbst.

Auf den Rat einer guten Freundin hin hat er sich entschlossen, eine einjährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer zu absolvieren – zunächst im damaligen Schifferkrankenhaus in Sachsenhausen. Während dieser Zeit lernte er auch seine heutige Frau Naida kennen, die heute noch in der Klinik des Deutschen Roten Kreuzes am Standort Maingau arbeitet. Es war allerdings kein berufliches Kennenlernen, sondern ein purer Zufall, eine typische Frankfurter Liebesgeschichte: in einer Apfelweinkneipe in Sachsenhausen. Dort war sie mit Kolleginnen unterwegs...

Aber nicht nur die Liebe zu seiner Frau hielt Rolf Hahn 40 Jahre lang an seinem Krankenhaus-Arbeitsplatz. Vor allem sind es die vielen Begegnungen mit Menschen, die ihn bis heute faszinieren. „Eine Patientin werde ich wohl nie vergessen – ihre freundliche Art. Sie hat mich gleich mit Vornamen angesprochen und wollte es umgekehrt ebenso. Wenn sie kam, hat sie schon gelacht.“

Auf die Innere Station seien viele Patienten mehrfach gekommen, etliche kannten irgendwann schon „ihren“ Rolf Hahn. „Normalerweise bin ich ja eher zurückhaltend mit dem Vornamen. Man muss einschätzen können, mit wem man’s machen kann und mit wem nicht.“ Sich auf die Patienten einzustellen, das beherrschte Rolf Hahn aus dem Effeff – „die einen vertragen Späße, die anderen sind eher ängstlich“, umreißt er freundlich lächelnd zwei Patiententypen.

In den 40 Jahren seiner Tätigkeit hat sich naturgemäß einiges verändert. An Computer war Mitte der 1970er Jahre noch gar nicht zu denken. „Die Blutwerte zum Beispiel haben wir selbstverständlich mit der Hand aufgeschrieben“, erinnert sich Hahn, der schon nach wenigen Jahren zum stellvertretenden Stationsleiter aufstieg. Eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchte es da schon, als die ersten Computer auftauchten. „Erst nach vier Wochen hat man das erstmals als Erleichterung wahrgenommen“, sagt er.

Auch andere Aufgaben waren früher pflegeintensiver: Die Patienten mussten etwa von Kopf bis Fuß gewaschen werden. „Heute stellt man nur noch die Wasserschüssel hin und hilft ein bisschen“. Früher sei man zugleich auch noch ein bisschen Koch gewesen, habe die Tabletts vorbereitet, Brot geschnitten – heute gebe man nur noch die Tabletts aus. Nur die heute schlechtere Bezahlung hindert den erfahrenen Pfleger daran, seinen Beruf guten Gewissens zu empfehlen. „Aber wenn man Menschlichkeit mitbringt, kann man sehr viel Freude bei der Arbeit haben!“

Juckt es ihn denn nicht in den Fingern, wieder tätig zu werden, wenn er durch die Klinik geht? „Im Moment noch nicht – aber das könnte kommen“, sagt Hahn und muss lachen. Aber wenn seine Frau in diesem Jahr ebenfalls in Rente gehen wird, wollen die beiden reisen, der kalten Jahreszeit entfliehen – dann geht es auf die Philippinen, der schönen Heimat seiner Frau.

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