Beim Fasten geht es nicht nur darum, weniger zu essen und zu trinken. Stadtdekan Johannes zu Eltz fordert die Menschen dazu auf, über das Leben ganz allgemein nachzudenken und die Zeichen der Zeit zu deuten.
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Beim Fasten geht es nicht nur darum, weniger zu essen und zu trinken. Stadtdekan Johannes zu Eltz fordert die Menschen dazu auf, über das Leben ganz allgemein nachzudenken und die Zeichen der Zeit zu deuten.

Fastenzeit

Wurst und Wein sind in Corona-Zeiten erlaubt

  • vonKatja Sturm
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Stadtdekan sieht schon genügend Entbehrungen

Am Aschermittwoch beginnt für Christen die bis Ostern dauernde Fastenzeit. Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz verrät im Gespräch mit FNP-Mitarbeiterin Katja Sturm, wie er sich diese während der Pandemie vorstellt.

Welche Bedeutung hat die Fastenzeit in diesem Jahr?

Noch mehr als sonst gilt in diesen Corona-Zeiten, dass Fasten nicht in erster Linie FdH (Friss die Hälfte, Anm. d. Red.), Entbehrung und das Sichversagen von Dingen ist, die einem Freude machen. An dieser Front werden wir seit einem Jahr von der Politik richtig rangenommen, die ein von breiter Mehrheit bejahtes Ziel mit sehr anstrengenden und einschneidenden Mitteln verfolgt. Mittel, die die Lebensqualität vieler Menschen verschlechtern und Lebensgrundlagen ins Wanken bringen. Da muss man in der Fastenzeit nicht nach weiterem Schönen suchen, das man sich versagen kann.

Was wäre die Alternative?

Mehr leben als gelebt werden. Achtsam die eigene Welt wahrnehmen und die Zeichen der Zeit deuten. Der Denkfaulheit auf die Sprünge helfen, wenn man sich dabei erwischt, dass man in ausgelatschten Bahnen denkt. Eine Haltung, die Gutes als selbstverständlich und Schlechtes als hoffnungslos ansieht, macht uns das Leben kaputt. Positiv gewendet heißt das, man sucht besser die Orientierung am Sinn des eigenen Lebens und der eigenen Welt. Das nenne ich die Tugend der Dankbarkeit. Aktiv mit der Gnade Gottes rechnen und den Menschen Gutes zutrauen.

Das klingt gerade besonders herausfordernd.

Deshalb meine ich ja: Wenn man sich damit beschäftigt, soll man ruhig Wurstbrot dazu essen oder ein Glas Wein trinken. Sich in Dankbarkeit üben, das bringt wirklich weiter. Das ist auch kein egozentrisches Programm wie so oft das Fasten. Mir geht es um Dinge, die einen in Beziehungen hineinsetzen, die menschlichen, aber auch die religiösen. Für den biblischen Menschen steht ganz oben immer Weisheit, auf lateinisch Sapientia. Sapere, die Wortwurzel darin, heißt schmecken. Dem Weisen schmecken die Dinge, wie sie sind. Er hält die Mitte zwischen einem hektischen Aktivismus, bei dem man nie zufrieden ist und Gegebenheiten nicht annimmt, und einem Fatalismus, bei dem man vor den Schicksalsmächten resigniert. Ich würde das nennen: den Geschmack der Wirklichkeit mögen. Das verhilft zur Fröhlichkeit auch in schwierigen Zeiten und ist ein wunderbares Gegengift gegen das Gefühl des Ausgeliefertseins und des Verschwörungsdenkens.

Was geben Sie den Menschen dafür mit?

Das ist kein Programm, das man einfach einschaltet, eher eine Öffnung des Blicks, die man sich nur wünschen kann. Konkret gebe ich Ihnen die Asche aufs Haupt mit und den Segen, der für mich für diese Helle des Blicks wichtig ist. Ein lichtes Auge, heißt das bei Jesus. Das heißt nicht, sich etwas schönzuschwätzen, sondern mit dem, was ist, kreativ umzugehen.

Die Kirchen rufen offiziell zum Klimafasten auf.

In der Empfindsamkeit für die Wahrung der Schöpfung sehen viele die wichtigste Weltverantwortung. Sie haben das Bewusstsein für die Zusammenhänge aller Dinge im weltweiten Ökosystem der menschlichen Gesellschaft. Auch das meinte ich mit aufmerksam in die Welt schauen.

Das sollte immer gelten. Fastenzeit scheint nicht mehr zeitgemäß.

Stimmt. Aber wir können mit zyklischen Vergewisserungen etwas anfangen. So wie wir jedes Jahr Weihnachten brauchen. Jetzt, da die Natur das weiße Kleid ablegt und sich räkelt, passt das dazu. Frühling und Fasten, das ist eine gute Kombi.

Und das Osterfest ist das Licht am Ende des Tunnels?

Ich habe die Hoffnung, dass wir, wenn wir weiter so überwiegend diszipliniert diese Einschränkungen und Entbehrungen auf uns nehmen, an Ostern erleben können, dass sich das alles rentiert hat und Freiheit und Ungezwungenheit in die Beziehungen zurückkehren. Dann könnte Ostern, das sowieso ein Befreiungsfest ist, an dem Ketten gesprengt und Verließe geöffnet werden, noch mal eindrucksvoller werden.

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