Zahl der Wohnungen muss kleiner werden

  • Andreas Haupt
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Neuer Streit ums Neubaugebiet Am Eschbachtal: Mit scharfer Kritik reagieren der Ortsbeirat Nieder-Eschbach und die Bürgerinitiative L(i)ebenswertes Bonames auf einen Bericht der Stadt, in dem diese die hohe Zahl an geplanten Wohnungen verteidigt.

Ein Rückschritt in die Vergangenheit seien die jüngsten Berichte des Magistrats zum geplanten Neubaugebiet „Am Eschbachtal“ – ehemals „Bonames-Ost“ –, ärgert sich Thomas Kettner, einer von fünf Sprechern der Bürgerinitiative (BI) „L(i)ebenswertes Bonames“. Auf eine Obergrenze von Wohnungen, wie sie unlängst wieder der Ortsbeirat 15 (Nieder-Eschbach) forderte, will sich die Stadt nicht festlegen: Die Qualität eines Baugebiets hänge nicht an einer bestimmten Zahl von Wohneinheiten, sondern ergebe sich „aus dem kompletten städtebaulichen Konzept“, schreibt der Magistrat fast wortgleich in seinen Berichten B 464 und B 465.

Eine Aussage, die der Ortsbeirat 15 – wie die ganzen Berichte – ungewöhnlich scharf zurückweist: Die Antwort des Magistrats sei „ausweichend, nichtssagend und vermessen“. „Als ob wir Ortsbeiräte, aber auch die Stadtverordneten keine Ahnung haben von dem, was wir sagen“, schimpft Ortsvorsteher Holger Dyhr (CDU). Die Verwaltung wolle ihre Pläne durchpeitschen, ohne nach rechts und links zu schauen.

Seit die Stadt im Oktober 2013 neue Pläne für das Baugebiet präsentierte, gärt es in den betroffenen Stadtteilen Bonames, Harheim und Nieder-Eschbach. 2001 hatten die Bonameser nach langer Diskussion einen Kompromiss mit der Stadt geschlossen, dass hier 1320 Wohneinheiten entstehen. 2013 war die Rede von 2000 Wohnungen und 5000 Einwohnern – was die Einwohnerzahl des Stadtteils verdoppeln würde. Viel zu viel, finden die Kritiker.

Eine neue, niedrigere Zahl stellte Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) 2013 in den Raum: 1500 bis 1600 Wohnungen (wir berichteten). Davon rücke die Stadt offenbar wieder ab, kritisiert BI-Sprecher Christoph Schmidt-Lunau. Er verweist auf die B 465, in der die Stadt schreibt, die jüngste Planung – jene mit 2000 Wohneinheiten – bewege sich schon „am untersten Ende der Zielvorgabe im Regionalen Flächennutzungsplan“, die neben S- und U-Bahn-Halten 45 bis 60 Wohneinheiten pro Hektar vorgebe. Wenn für ein Baugebiet „wertvoller landwirtschaftschaftlicher Boden beansprucht“ werde, müsse dort auch möglichst dicht gebaut werden, so der Magistrat.

Dem hält der Ortsbeirat 15 den früheren Entwurf des Baugebiets entgegen, der als vorrangiges Ziel gehabt habe, „den durch Freizeitgärten und Obstbaum-Hochstämme geprägten Gebietscharakter nicht zu zerstören, sondern als wesentliches Merkmal lokaler Identität (...) in das städtebauliche Konzept zu integrieren“. „Die Bürger und Ortsbeiräte können sehr wohl abschätzen, was für ihre Stadtteile sinnvoll ist und was nicht“, betont der Ortsbeirat in seiner einstimmig verabschiedeten Anregung. Er fordert erneut, dass die Stadt sich an die früher geplanten 1320 Wohneinheiten halte.

Schmidt-Lunau kritisiert, die Stadt messe mit zweierlei Maß. Das Harheimer Gewerbegebiet, an dessen Stelle ein Baugebiet entstehe, werde nur halb so dicht bebaut wie Bonames-Ost – dabei lägen zwischen beiden Arealen nur wenige hundert Meter.

Auch seien die von der Stadt an der für das neue Viertel geplanten U-Bahn-Haltestelle vorgesehenen 20 Auto-Stellplätze viel zu wenig, kritisiert der Ortsbeirat. Dem stimmt Schmidt-Lunau zu. „Der Verweis der Stadt auf die bestehenden Park-and-Ride-Parkplätze ist lächerlich.“ Jener in Nieder-Eschbach sei bereits voll. Und wer zu jenem an der U-Bahn-Station Kalbach wolle, müsse durch Bonames.

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