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Geschafft: Nach zwei Stunden haben die Mitglieder der Gruppe ?Sinnflut? und ihre Helfer mehrere Säcke mit achtlos weggeworfenem Müll gefüllt.

Schmutz am Mainufer

Mit Zangen gegen den Müll

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Trotz des nass-kalten Wetters versammelten sich am Sonntag Aktive der Gruppierung „Sinnflut“ am Oberräder Mainufer. Sie sammelten Müll auf, um damit praktischen Umweltschutz zu leisten.

Mit einer Greifzange und einem Müllbeutel in der Hand stakst Olav Jost am Oberräder Mainufer nahe der Gerbermühle entlang – die Augen stets auf den Boden gerichtet, immer auf der Suche nach zurückgelassenem Müll von Spaziergängern und Radfahrern. Schnell füllt sich der Beutel: Alufolie, Pappbecher, Verpackungen, Styropor, ein Stück Seil. Selbst ein kleines Plastik-Flugzeug für Kinder und ein verdreckter Plüschhase sind dabei.

Olav Jost ist Mitglied der jüngst gegründeten Gruppierung „Sinnflut“. Diese will darauf hinweisen, dass jeder einen Beitrag leisten kann, um Ressourcen zu sparen und den gemeinsamen Lebensraum zu schützen. „Unser Wunsch ist es, dass viele Menschen bewusster konsumieren und vielleicht sogar ihre Lebensgewohnheiten kritisch betrachten und Veränderungsprozesse starten“, sagt Jost.

Die Gruppe „Sinnflut“ besteht aus einem Kern von sechs Menschen aus Frankfurt und der Umgebung, die sich über eine internationale Meeresschutzorganisation kennengelernt haben. „Uns eint die Liebe zum Meer und der Natur“, erklärt „Sinnflut“-Mitglied Lukas Naab. „Anfang des Jahres haben wir dann überlegt, dass wir gerne etwas Eigenes machen wollen, um das Bewusstsein der Menschen vor Ort zu schärfen. Denn schon mit kleinen Aktionen kann jeder vor seiner eigenen Tür aktiv werden, auch wenn wir damit nicht gleich die Welt retten können.“

Ein guter Anfang, um Aufmerksamkeit zu erregen, seien Uferreinigungen, sogenannte „Beach Clean-Ups“. Etwa 15 Gruppenmitglieder, Freunde und Verwandte waren gekommen, um das Mainufer zu säubern. Mit dieser Aktion wollen sie Aufmerksamkeit erregen. Und tatsächlich bleiben immer wieder Spaziergänger stehen, fragen, was da denn wohl gemacht wird – einige schnappen sich sogar gleich eine Greifzange und packen mit an.

„Bei dieser Gelegenheit kann man gut darüber aufklären, dass Plastikmüll über die Binnengewässer ins Meer gelangt und dort zum Fischsterben beiträgt. Die Tiere verhungern bei gefüllten Mägen“, sagt Naab. Er engagiert sich in der Gruppe, weil ihn Zukunftsängste treiben. „Wenn bis 2040 bis zu elf Milliarden Menschen die Erde bevölkern und wir weiterhin so rücksichtslos konsumieren und mit der Umwelt umgehen, dann wird es hier ganz schön eng und wüstenartig.“ In solch einer Welt sollen seine Kinder und Enkel aber nicht leben. „Deshalb lebe ich bewusst und denke perspektivisch.“ Fisch und Fleisch kommen bei ihm ebenso wenig auf den Tisch wie Milch. „Wenn man einen Anspruch transportieren will, muss man ihn auch selbst leben“, sagt er.

Ebenso geht es Olav Jost, der seine Familie mitgebracht hat. „Mit der Aktion will ich die Menschen zum Nachdenken anregen, denn jeder kann etwas machen“, sagt er. „Und wenn die Spaziergänger anschließend eher darüber nachdenken, ihren Müll lieber in den Abfalleimer zu schmeißen anstatt ans Ufer, dann haben wir doch schon etwas erreicht.“

Auch Jenny ist mit einer Greifzange am Main unterwegs. Sie ist eine Kollegin von Lukas Naab. „Ich bin gerne gekommen, um zu helfen“, sagt die Praunheimerin. „Man will es doch selbst gerne schön und sauber vor der eigenen Tür haben. Das ist ein guter Anfang.“

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