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Zauneidechse bremst Zement aus

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Von: Thomas J. Schmidt

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Zauneidechsen (Lacerta agilis) werden bis zu 25 Zentimeter lang. Was in etwas der Breite dieses Artikels entspricht.
Zauneidechsen (Lacerta agilis) werden bis zu 25 Zentimeter lang. Was in etwas der Breite dieses Artikels entspricht. © Luigi Ungarisch

Geschützte Reptilen zurück an der Leuchte.

Wer ein Grundstück im Baugebiet Leuchte hat, zwischen der gleichnamigen Straße, der Barbarossa- und der Rangenbergstraße, könnte bald mit dem Bau beginnen. Theoretisch. Die Erschließung ist abgeschlossen. Indes ist ein neues Problem aufgetaucht: Die Zauneidechsen sind zurück.

„Sie wurden zur Erschließung umgesiedelt“, sagte Kirsten Lindner von der Unteren Naturschutzbehörde am Dienstag bei der Sitzung des Ortsbeirats 16 (Bergen-Enkheim). „Aber sie sind wieder da.“ Und das bedeute für die Bauherren: Sie können nicht einfach loslegen. Denn die grünen Eidechsen stehen unter Naturschutz. Sie dürfen weder getötet noch bei der Fortpflanzung gestört werden. Die Folge für Zweibeiner: neue Kosten, gegebenenfalls Bauverzögerungen.

„Die Baufeldvorbereitungen sind nur möglich in der Zeit von März bis Mitte Mai, und dann noch einmal von Ende August bis etwa Mitte September“, sagte Lindner. „Das heißt“, ergänzte sie mit Blick auf die zahlreich erschienenen bauwilligen Zuhörer, „Sie müssen ihre Planungen so legen, dass dies passt.“

Die Baufeldvorbereitung ebnet das Gelände ein, beseitigt Pflanzenbewuchs und damit Versteckmöglichkeiten für die Tiere, kurz, verleidet ihnen das Grundstück. Sind die Vorbereitungen erst einmal abgeschlossen, könne danach normal gebaut werden, ohne noch Rücksicht nehmen zu müssen. Es gibt dann ja keine Eidechsen mehr.

Das Problem liege darin, dass die Eidechsen sich im Frühjahr paaren und dann einen Nistplatz zur Eiablage suchen. Dies ist Mitte Mai abgeschlossen. Das heißt, danach würden Nester zerstört. Bereite man seine Baustelle hingegen vorher vor, verscheuche man mit den Arbeiten die Tiere. Sie legen ihre Eier woanders ab. Man kann normal weiterbauen. Auch im Sommer.

Ende August sind die Jungtiere selbstständig, suchen dann im Herbst jedoch einen Raum zum Überwintern. Deshalb ist dieses zweite Zeitfenster auf Mitte oder Ende September terminiert.

Ohne Gutachten geht nichts

Doch wen betrifft das? Dies entscheidet sich im Einzelfall: „Sie müssen ein Gutachten erstellen lassen darüber, ob sich auf Ihrem Grundstück Zauneidechsen befinden“, erläuterte Kirstner.

„So ein Gutachten kostet auch wieder tausende Euro. Kann man denn nicht ein Sammelgutachten in Auftrag geben?“, fragte eine Zuhörerin. Ja, dies sei möglich, sagte die Naturschutzexpertin, es sei sogar erwünscht. „Denn wir werden viele Aufträge und damit viel Arbeit haben.“ Die Baugenehmigung erhalten die Bauherren jedoch nur, wenn ein Gutachten vorliegt und darin dann auch gegebenenfalls - falls Eidechsen gefunden wurden - Auflagen für die Zeit des Baubeginns stehen.

Bei einigen Zuhörern und Ortsbeiräten riefen diese Nachrichten Kopfschütteln hervor. Sei doch der Bau eines eigenen Hauses für Familien die größte Investition im Leben. Und die sei in Zeiten steigender Baupreise schon schwer genug. Der Kampf Zauneidechse contra Zement mache es da nicht leichter.

Keine Probleme bereitet hingegen das Grundwasser. Hier referierte Dirk Brehm vom Ingenieurbüro BGU, das für die Stadt die Grundwassersituation beurteilt hat. „Pro Jahr bilden sich hier etwa 67 Millimeter Grundwasser neu“, sagte er, etwa zehn Prozent der Regenmenge auf der Fläche von 160 230 Quadratmeter. Diese Menge würde durch die Versiegelung reduziert. Jedoch nur um etwa zwei Zentimeter Grundwasserspiegel, ein Drittel also. Ein vertretbarer Wert.

Ein anderes Problem ist, dass das Grundwasser sich bewegt, von Norden, dem Hang, nach Süden, zum Main hin. Brehm zufolge liegen die wegen der Tiefgaragen bis zu vier Meter tief geplanten Betonwannen als Hindernisse im Weg. „Das Wasser staut sich auf der Nordseite an, der Grundwasserspiegel steigt“, berichtete er. Allerdings sei dies nicht bedenklich. Der Unterschied zwischen Norden und Süden eines Gebäudes betrage ebenfalls nur etwa zwei Zentimeter, sei also fast unterhalb der Nachweisgrenze. Die Aufteilung der geplanten Baukörper ermögliche dem Grundwasser weiter das Strömen. Sie liegen nicht wie ein Sperrriegel im Erdreich.

thomas j. schmidt

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