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Die Zeil ist Frankfurts wichtigste Einkaufsstraße in der Innenstadt.

Zeil

Die Zeil prägt Frankfurts Innenstadt - Wie aus einem Viehmarkt eine Prachtmeile wurde

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Heute zählt die Zeil in Frankfurts Innenstadt zu einer der bekanntesten und beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands. Dabei fing die Frankfurter Einkaufsmeile als einfacher Viehmarkt an.

  • Die Zeil ist die wichtigste Einkaufsstraße in Frankfurts Innenstadt
  • Die Anfänge der Prachtmeile in Frankfurt waren bescheiden, Wandlungen gab es viele
  • Noch immer verändert sich die Zeil stetig

Frankfurt - Auf der Zeil schlägt das Herz von Frankfurts Innenstadt. Dabei waren die Anfänge einer der bedeutendsten Einkaufsstraßen in Deutschland eher bescheiden. Auch wenn damals schon Handel getrieben wurde, waren es nicht Luxusgüter und die neueste Mode, die zwischen Katharinenpforte und Bornheimer Pforte zu finden waren. Vielmehr wurde vor den damaligen Stadttoren Viehmarkt abgehalten. Noch heute deutet der Name Roßmarkt darauf hin, dass einige Meter weiter auch Pferde ihren Besitzer wechselten.

Frankfurt: Die Zeil war nicht immer in der Innenstadt

Mit der zweiten Stadterweiterung für Frankfurt wurden auch Roß- und Viemarkt mehr und mehr von Stadtmauern umschlossen. Zwar herrschte noch immer eine landwirtschaftliche Nutzung vor, aber es entwickelte sich langsam eine Häuserzeile, aus welcher der Volksmund schnell die „Zeil“ machte. Damals befand sich die Bebauung aber nur auf der Nordseite des ehemaligen Viehmarkts, die Südseite zierte noch der ehemalige Graben der staufischen Stadtmauer. Von Innenstadt war also noch nicht viel zu sehen.

Erst mit der Bautätigkeit von Klaus Bromm änderte sich die Bedeutung der Zeil. Bromm war als Mitglied der städtischen Oberschicht in Frankfurt an einem angemessenen Wohnsitz interessiert. In der Altstadt, der damaligen Innenstadt Frankfurts aber war wenig Platz für ein neues Stadtpalais. So entschied sich Bromm für die Zeil. Dort ließ er um 1541 ein Gebäude errichten, welches den Großteil der bisherigen eher vorstädtische Bebauung um mehrere Stockwerke überragte.

Frankfurt: Ab dem 15. Jahrhundert wandelte sich die Zeil

Dieser Prachtbau war aber erst derAnfang des Wandels auf der Zeil. Denn schon im 15. Jahrhundert zogen mehrere tausend Menschen in die Stadt. Dabei hatte Frankfurt damals selbst nur wenige zehntausend Einwohner. In einer so bedeutenden Messestadt bedurfte es schnell neuer Möglichkeiten der Unterbringung.

Die Zeil lag nah an der Messe und Innenstadt und bot Platz für den Bau von Herbergen. Hinzu kamen Reformationsflüchtlinge, welche ebenfalls Platz in Frankfurt suchten. Schnell kam neue Bebauung im Bereich der Zeil hinzu, sodass zwischen 1550 und 1630 auch der Graben an der ehemaligen Stadtmauer zugeschüttet wurde. Wo vorher noch Schlamm das Straßenbild bestimmte, wurde Pflaster verlegt und der vormalige Viehmarkt entwickelte sich zur breitesten Straße Frankfurts.

Frankfurt: Neuer Wind auf der Zeil dank Goethe und Gasthäusern

Eines der bekanntesten der neuen Gasthäuser auf der Zeil war der Weidenhof. Nicht nur, weil das Gebäude ein besonders erlesenes war. Es spielt auch eine Rolle in der Familiengeschichte eines der bekanntesten Frankfurter: Johann Wolfgang von Goethe. Dessen Großmutter Cornelia Walter war mit dem Pächter des Gebäudes,Friedrich Georg Göthe (mit Ö), verheiratet. Heute tummeln sich andere Berühmtheiten auf der Zeil.

Als der Kaiser auf der Frankfurter Zeil residierte

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wandelte sich die Zeil letztendlich zur Flaniermeile im aufstrebenden Frankfurt. Wichtiger Grundstein war neben der Neuerrichtung der Katharinenkirche der Bau der Hauptwache als barocker Stützpunkt der Stadtwache und Gefängnis. Sogar der deutsche Kaiser nahm in der Stadt vorübergehend Quartier. Mit dem Barckhausschen Palais lag ein echter Kaiserpalast auf der Zeil. Bemerkenswert ist, dass dieser Kaiserpalast nicht etwa in der Frankfurter Innenstadt lag, sondern noch immer am offiziellen Viehmarkt.

Die Zeil wird endlich Teil von Frankfurts Innenstadt

Erst 1784 verschwand der Viehmarkt von der Zeil. Es dauerte nicht mehr lange und im 19. Jahrhundert wurde aus der ehemaligen Neustadt das, was heute unter Innenstadt firmiert. Denn das öffentliche Leben Frankfurts fand nun auf der Zeil statt. Im Jahr 1810 beschrieb der Historiker Johann Georg Batton die Zeil als die „ohne Widerrede schönste Straße der ganzen Stadt“. In einem Reiseführer von 1843 ist die Straße bereits als „berühmte Zeil“ beschrieben.

Nur fünf Jahre später, im Schicksalsjahr 1848, war die Zeil Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Revolutionären und preußischen und österreichischen Truppen. Mitten in der Frankfurter Innenstadt wurde Weltgeschichte geschrieben. Kurz darauf aber verlor die Zeil wieder an Bedeutung. Trotz ihrer Lage in der Innenstadt wurden Opernplatz und Bahnhofsviertel jetzt wichtiger.

Frankfurts erste Kaufhäuser auf der Zeil

Mit der Wende zum 20. Jahrhundert verschwanden die großen Stadthäuser von der Zeil und machten den Gebäuden Platz, welche die Straße bis heute prägen: den Kaufhäusern. Bilder aus dieser Zeit zeigen bereits, wie zentral die Zeil gelegen ist. Eine Straßenbahn verkehrt, die Straßen umher sind von Pferdefuhrwerken und Menschen gesäumt. Mehr und mehr wird die Zeil wieder ihrer Rolle als zentraler Teil der Frankfurter Innenstadt gerecht.

Der nächste Einschnitt kam nach dem Ersten Weltkrieg mit der Weltwirtschaftskrise. Geschäfte wurden aufgegeben, der Stuck verschwand, klassische Moderne und neue Sachlichkeit erhielten Einzug in die Innenstadt von Frankfurt. Aber nicht nur die Architektur änderte sich zwischen 1918 und 1933. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden viele derjüdischen Kaufhausbesitzer enteignet, sie mussten ihre Geschäfte verkaufen und erhielten meist nur eine extrem geringe Entlohnung. Viele der jüdischen Kaufleute wurden vertrieben, nicht wenige in Vernichtungslagern ermordet.

Luftangriffe auf Frankfurts Innenstadt treffen auch die Zeil

Eine erneute grundlegende Veränderung für die Zeil und die ganze Frankfurter Innenstadt brachten die Luftangriffe des Jahres 1944. Am 22. März 1944 wurde der Großteil der Gebäude auf der Zeil zerstört. Diesen Angriffen fielen ebenfalls mehrere historische Bauwerke auf der Zeil zum Opfer.

Im Zuge des Wiederaufbaus der Frankfurter Innenstadt veränderte sich die Zeil ein weiteres Mal. Denn im neuen Fluchtlinienplan der Stadt wurde beschlossen, die ohnehin schon breite Straße noch stärker zu weiten. Um acht Meter wurden die Fassaden zurückversetzt. Beim Baustil orientierten sich die Planer an Stahlbeton und Schnörkellosigkeit.

Die Zeil ist Verkehrsknotenpunkt in der Frankfurter Innenstadt

Mit der Eröffnung des Bahnhofs an der Hauptwache 1968 wuchs die Bedeutung der Zeil auch für den Schienenverkehr. Im selben Jahr rückte die Einkaufsstraße in der Innenstadt Frankfurts erneut in den Mittelpunkt des politischen Geschehens. Die Zündung von Brandbomben in einer Filiale der Warenhauskette Kaufhof und im Kaufhaus Michael Schneider gehörten zu den ersten Anschlägen von Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Beide gründeten später der Rote Armee Fraktion mit.

Noch in den 60ern war die Zeil eine normale Autostraße. In den 1970er-Jahren kam es zu zwei weiteren Wandlungen der Zeil, welche das Bild der Einkaufsstraße bis heute prägen. 1973 wurde der Teil der Frankfurter Innenstadt zwischen Konstablerwache und Hauptwache zur Fußgängerzone erklärt. Der Wegfall der vier Fahrbahnen veränderte den Charakter der Zeil erheblich. Zwar verkehrte noch die Straßenbahn, aber auch diese wurde ab 1978 vollständig von der U-Bahn ersetzt.

Die Zeil und die Frankfurter Innenstadt wird zur Fußgängerzone

Auch in den darauffolgenden Jahren kam es immer wieder zu kleineren baulichen Veränderungen. Den wohl größten Wandel brachte der Abriss des Fernmeldezentrums der deutschen Post. Noch bis 2004 hatte sich der Zweckbau mitten in der Innenstadt von Frankfurt befunden. An seiner Stelle wurde bis 2009 das Einkaufszentrum MyZeil errichtet. Ebenfalls 2009 wurde auch der letzte Abschnitt der Großen Eschenheimer Straße Richtung Roßmarkt an der Hauptwache geschlossen. Damit erhielt die Zeil einen autofreien Abschluss in Richtung Westen.

Ein neues Gesicht für die Zeil und Frankfurts Innenstadt

Nach und nach leitete der Bau des MyZeil eine architektonische Erneuerung der Zeil ein. Bis in die 2010er-Jahre war die Innenstadt von schlichtem Stil der Nachkriegszeit geprägt. Im Laufe des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts kamen weitere Fassadenumbauten hinzu. Die Zeilgalerie wurde komplett erneuert, an der Ecke Zeil und Liebfrauenstraße erfolgte ein Neubau. Außerdem wurden Gastrogebäude in der Mitte der Zeil errichtet.

Ein scharfer Kontrast herrscht noch immer zwischen dem westlichen Teil der Zeil zwischen Hauptwache und Konstablerwache und dem östlichen Abschnitt zwischen Konstablerwache und Pfingstweidstraße. Während der erste Teil Einkaufs- und Prachtstraße der Innenstadt ist, bleibt der zweite von eher niedrigpreisigen Geschäften und Verwaltungsbauten geprägt.

Die Zeil ist noch immer im Wandel

Ob es in diesem Abschnitt der Zeil in den nächsten Jahren zu einem grundlegenden Wandel kommt, bleibt abzuwarten. Eine Sperrung für den Autoverkehr scheint vorerst unwahrscheinlich, da es sich noch immer um eine wichtige Durchgangsstraße in Frankfurts Innenstadt handelt. Und so steht die Zeil symbolisch für ganz Frankfurt. Offenheit und Pracht auf der einen Seite, prekäre Verhältnisse in vielerlei Hinsicht auf der anderen.

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