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Helmut Schröder und Renate Söhns vom Heimat- und Geschichtsverein Rödelheim suchen nach der Perspektive, mit der ein Fotograf um 1930 das Bahnhofsgebäude mit seiner Kamera festgehalten hat. Die Aufnahme ist eine Abbildung im neuen Stadtteilkalender für 2019.

Zeitreise

Stadtteilkalender hält Erinnerungen an früher wach

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Der Stadtteilkalender 2019 für Rödelheim des Heimat- und Geschichtsvereins kommt in einer leicht veränderten Optik daher. Geblieben sind die Fotos in Schwarz-Weiß, mit denen die Erinnerungen an das Leben in vergangenen Zeiten wach gehalten werden sollen.

Beim Durchblättern der Seiten des neuen Stadtteilkalenders 2019 für Rödelheim bleiben Renate Söhns und Helmut Schröder bei der Abbildung für den Februar hängen. Darauf zu sehen ist das Bahnhofsgebäude – von außen und von innen mit dem dort früher betriebenen Bahnhofsrestaurant. Es sind zwei Fotografien, die um 1930 gemacht wurden.

Von welcher Seite die Außenaufnahme des Gebäudes fotografiert wurde, darüber sind sich die beiden Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Rödelheim unschlüssig. Gleise sind hierauf nämlich keine zu erkennen. Doch vielleicht wurden diese einfach nur wegretuschiert, mutmaßen sie. Es hilft nichts, ein genauer Blick auf den Bahnhof soll Abhilfe schaffen.

Richtige Perspektive

Es ist viel los. S-Bahnen fahren ein, Fenster des Gebäudes sind mit Folie verhangen. Renate Söhns und Helmut Schröder stellen sich zunächst auf die Seite des Bahnhofsgebäudes, die in Richtung Rödelheimer Bahnweg zeigt. Sie gleichen den Blick mit der alten Aufnahme ab und schlussfolgern, dass dies nicht die richtige Seite sein kann. „Es ist doch die Seite mit den Gleisen“, sagt Schröder, auch wenn auf der Fotografie keine Gleise zu sehen sind. Warum das so gemacht wurde, können sich die beiden auch nicht erklären.

Seit kurzem ist der neue Stadtteilkalender für Rödelheim in den Geschäften erhältlich und kommt mit frischerem Erscheinungsbild daher. „Wir haben den Kalender ein wenig moderner gestaltet“, sagt Renate Söhns und zeigt, was verändert wurde. So ist der Kalender auf anderem Papier gedruckt und mit einer Schutzfolie versehen, die über dem Deckblatt liegt. Auch das Stadtteilwappen von Rödelheim, das auf jeder Seite und dem Deckblatt abgebildet ist, gibt es durchweg in Farbe und nicht wir früher in Schwarz-Weiß. Nostalgisch sind die Fotografien weiterhin, die auf den Kalenderblättern abgebildet sind – natürlich in Schwarz-Weiß.

Jeden Monat ziert, bis auf den Februar, eine Abbildung, die Rödelheim so zeigt, wie es einmal war. Es sind Aufnahmen, die teils schon Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Die neuesten Fotografien wurden in den 70er und 80er Jahren gemacht. Sie zeigen im Monat Oktober das Petrihaus um 1970 und im Monat Dezember den Pavillon im Betranopark – komplett eingeschneit. Spannend sind die Aufnahmen, auf denen das Leben im Stadtteil abgebildet ist.

Geschäftsleben um 1910

So etwa der Blick auf die Lorscher Straße mit ihren damaligen Geschäften, die um 1930 gemacht wurde. Passanten laufen auf dem Bürgersteig oder queren die Straße, auf der nur wenige Autos fahren. Auf einer weiteren Fotografie, die des Monats August, ist die Nahaufnahme eines damals bekannten Geschäfts der Lorscher Straße zu sehen, gemacht um 1910: „Cigarren Louis Ley“. Die Feuerwehr ist auf dem Foto für den Monat im September im Einsatz – noch traditionell mit Leiterwagen. Im Mittelpunkt steht ein Gebäude in der Arnoldshainer Straße/Ecke Lorscher Straße um 1910.

Über rund 1500 alte Aufnahmen vom Stadtteil verfüge der Heimat- und Geschichtsverein. „Die Fotografien wurden mittlerweile alle digitalisiert“, erzählt Söhns, die in Rödelheim lebt und aufgewachsen ist. Seit 1998 ist sie Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein und schlug einst vor, einen Stadtteilkalender für Rödelheim herauszubringen. Der aktuelle ist mittlerweile der 19. Kalender: „Bei der Auswahl der Fotos wird darauf geachtet, immer andere Aufnahmen auszusuchen, die neue Perspektiven auf das alte Rödelheim zeigen.“

Sieben Euro kostet ein Exemplar des Kalenders, den es unter anderem bei Foto Köser, Alt-Rödelheim 23 und Pappmarché – Schreibwaren und Buchhandlung, Alexanderstraße 27, gibt.

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