50-jähriges Bestehen

Zentrum Familie: Richtig beraten in Erziehungsfragen

In den vergangenen 50 Jahren hat sich viel getan im Verständnis von Bildung, Familie und Kindern. Im Zentrum Familie des Hauses der Volksarbeit hat man diesen Wandel mit gestaltet.

Als die „Elternschule“ im Haus der Volksarbeit 1968 anfing mit Eltern und ihren Kindern zu arbeiten, da hieß es skeptisch: „Bei solchen Treffen da wird doch nur gequatscht.“ So beschreibt es die heutige Leiterin Barbara Stillger. Damals war das Konzept allerdings noch neu und nicht sonderlich bekannt. Daran hat sich im Laufe der Jahre aber einiges geändert. Wenn die Einrichtung in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, ist nicht nur der Name ein anderer, – „Zentrum Familie“ heißt sie heute – auch die gesellschaftliche Sicht hat sich gewandelt, was etwa genau unter Bildung zu verstehen ist oder wie sehr Erziehungsarbeit wertgeschätzt wird.

Ein Beispiel: „Noch Ende der 90er Jahre hielt man es für selbstverständlich, dass sich zwischen Eltern und Kindern eine enge Bindung aufbaut“, sagt Stillger. Auch an den Universitäten habe frühkindliche Bildung noch keine große Rolle gespielt. Heute verstehe man dagegen viel besser, was einer engen Eltern-Kind-Beziehung im Weg stehen könnte: Lange Arbeitszeiten etwa, großer psychischer Druck, durch Armut, aber auch Drogenabhängigkeit. Erst nach und nach habe sich so ein Verständnis dafür entwickelt, dass Mütter und Väter bei den Treffen und Veranstaltungen des Zentrums nicht nur Ratschläge in Sachen Erziehung bekommen und sich austauschen können. Sie werden auch in die Stadtgesellschaft eingebunden und werden, wenn es nötig ist, an Suchthilfeeinrichtungen vermittelt. Ebenso geht es um ganz praktische Fragen: Wie kann man sich auch mit sehr geringem Einkommen Ausflüge und Entdeckungstouren mit den Kinder leisten? (Beispielsweise in dem man auf der Besucherterrasse des Frankfurter Flughafens den Fliegern beim Starten und Landen zu schaut. Auch ist der Eintritt im Kobelt Zoo in Schwanheim frei, anders als der im Frankfurter Zoo.) „Familienbildung wirkt präventiv“, sagt Stillger. Sie setze an, bevor die Eltern nicht mehr ein und aus wüssten oder ihre Partnerschaften zerbrechen, weil Mama und Papa keine Zeit mehr für sich zu zweit finden.

In seinen 50 Jahren arbeitete das Zentrum Familie eben an solchen Themen. In den 80er Jahren richtete man sich an Alleinerziehende, dann Familien mit Adoptivkindern oder mit behinderten Kindern. 1 700Teilnehmer kamen damals zu den Angeboten des Zentrums. Später kamen weitere Konzepte dazu, mit denen schon in der Kita gewalttätigem Verhalten vorgebeugt werden sollte; auch wurde erklärt, wie sich ein offener Treff für mehrsprachige Familien organisieren lässt.

Daran arbeitete etwa Maria Tepper. „Als wir 2004 damit anfingen, waren die Vorbehalte groß“, sagt sie. Man habe geglaubt, die Menschen müssten erst einmal die deutsche Sprache lernen, einen offenen Familientreff auf türkisch, englisch, russisch oder spanisch habe da als kontraproduktiv gegolten. Dennoch startete das Zentrum Familie das Vorleseprojekt „Viele Sprachen – Viele Chancen“, bei dem ehrenamtliche Helfer Geschichten in mehreren Sprachen vorlesen. „Weil wir heute wissen, dass Integration nur mit einer positiven Haltung zur Kultur des Heimatlands gelingen kann“, sagt Tepper. Außerdem sollten auch die Kinder einen respektvollen Blick auf die Kultur ihrer Eltern erlernen.

Welchen Wert die Arbeit des Zentrums hat, erkannte auch die Stadt. Durch ihre Förderung ist das Zentrum heute in zehn Stadtteilen wie Nied, Griesheim oder Oberrad vertreten und wirkt dort direkt in die Gemeinschaften hinein. Und das nicht zu knapp. Über 17 000 Menschen nahmen 2017 die Angebote wahr.

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