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Dass sich hinter dieser Schmiererei politischer Protest verbergen soll, war für Benutzer des Fahrkartenautomaten am S-Bahnhof Frankfurt-West gestern kaum zu erkennen.

Vandalismus

Mit Zerstörungswut für kostenlosen Nahverkehr

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Mehrere Fahrkartenautomaten wurden gestern in Frankfurt gezielt beschädigt. Ein selbst ernanntes „Kollektiv freie Fahrt“ hat sich zu den Angriffen bekannt. Angeblich wollen sie gegen zu hohe Ticketpreise protestieren. Ihre Forderungen: kostenlose Bus- und Bahnfahrten und offene U-Bahnhöfe für Obdachlose.

In der Nacht auf Montag haben Politaktivisten Ticketautomaten an mehreren U- und S-Bahn-Haltestellen „mit Bauschaum, Hämmern, Farbe und Feuer unbrauchbar gemacht“. So stellen sie es zumindest in einem Bekennerschreiben dar, das auf der Internetseite de.indymedia.org veröffentlicht wurde und unsere Redaktion gestern per E-Mail erreicht hat. Unterzeichnet ist es mit „Kollektiv freie Fahrt“.

Die Zerstörungsaktion richtet sich demnach gegen die Preisgestaltung des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). Dessen Politik sei „nicht auf den Nutzen der Menschen ausgelegt“ sondern diene „lediglich einer Profitmaximierungsstrategie“, schreiben die Automatenangreifer. „Dem gegenüber setzten wir die Perspektive des kostenlosen Personen-Nahverkehrs, sozial verträglich und erschwinglich für alle!“ Getroffen habe es unter anderem die Stationen Frankfurt-West, Kalbach und Niddapark, heißt es in dem Schreiben.

Die städtische Nahverkehrsgesellschaft VGF teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass an zwei Fahrkartenautomaten an der U-Bahn-Station Kalbach Vandalismusschäden festgestellt worden seien. Zum genauen Ausmaß der Schäden könne allerdings noch nichts gesagt werden.

Bei der Deutschen Bahn (DB), die für den S-Bahn-Betrieb zuständig ist und einen Teil der Automaten betreut, wusste man gestern von nichts. „Uns ist kein absichtlicher Anschlag bekannt“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Vandalismus an Fahrkartenautomaten sei leider häufiger zu registrieren.

Mindestens ein DB-Automat war allerdings betroffen: An der S-Bahn-Station Frankfurt-West wurden der Geldschlitz und die Kartenausgabe mit einer hellen Masse verklebt. Parolen oder andere Hinweise auf den angeblichen politischen Hintergrund der Tat waren dort allerdings am Nachmittag keine zu entdecken. In seinem Bekennerschreiben gab das „Kollektiv freie Fahrt“ an, an den Automaten Schriftzüge hinterlassen zu haben, die aufzeigten, „dass Fahrkarten nicht die Lösung sind“.

Die Vandalismusaktion richtet sich angeblich auch gegen „das nächtliche Absperren aller U-Bahnstationen sowie deren Überwachung“. Obdachlosen werde es dadurch immer schwieriger gemacht, im Winter einen warmen, trockenen Schlafplatz zu finden, klagen die Verfasser des Schreibens.

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