Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
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Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Prozess

Zigarettendiebe verraten sich selbst

  • VonMatthias Gerhart
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Bei der Explosion des Zigarettenautomaten in Goldstein erbeuteten die Täter Zigaretten im Wert von 1200 Euro. Neben den drei Männern mussten sich auch zwei Frauen vor dem Amtsgericht verantworten.

In der Silvesternacht kurz nach 24 Uhr knallt und scheppert es gewöhnlich von allen Seiten – eine gute Gelegenheit, um mit einem Donnerschlag auch einen Zigarettenautomaten in die Luft zu jagen, wie es zum Jahreswechsel 2014/15 in der ansonsten so ruhigen Wohngegend in der Goldsteinsiedlung geschah. Dort detonierte der Automat unter dem Druck der Explosion eines in den Ausgabeschacht gesteckten Krachers. Und vom Inhalt entdeckte die Polizei am nächsten Morgen bis auf ein paar angekokelte Glimmstengel nicht mehr viel. Offenbar war den Tätern der große Aufwand wert, um preiswert an Zigaretten zu kommen.

Nun machte einer der Täter den Fehler, später mit einem Plastikbeutel voller Zigarettenschachteln durch die Gegend zu laufen und einem Bekannten auch davon zu erzählen, wie man in den Besitz der Glimmstengel gekommen sei. Dies hatte einen Anruf bei der Polizei zur Folge, die gleich eine ganze Gruppe mutmaßlicher Sprengstofftäter aushob. Gestern traf man sich vor dem Amtsgericht zum ersten Verhandlungstag – angeklagt waren drei junge Männer und zwei Frauen, jeweils zwischen 24 und 26 Jahre alt.

Keiner will es gewesen sein

Neben dem schwereren Vorwurf der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, der nur die drei Männer betraf, hatte die Staatsanwaltschaft auch Anklage wegen gemeinschaftlichen Diebstahls erhoben. Hiervon waren auch die beiden Frauen betroffen. In der von Richter Paul Dienstbach geleiteten Verhandlung stellte sich schnell heraus, dass die Beweisaufnahme keine ganz leichte Sache werden würde. Immerhin wurde das Verfahren gegen die Frauen bereits nach wenigen Stunden Verhandlung „wegen geringer Schuld“ gegen milde Auflagen eingestellt. Die drei männlichen Angeklagten schoben sich die Schuld an der Explosion jedoch gegenseitig in die Schuhe. Keiner will damit etwas zu tun gehabt haben. Der jeweils andere habe völlig von sich aus den Sprengkörper in den Schacht gesteckt.

Laut Anklage haben die Männer die Automatensprengung jedoch als „Mittäter“ begangen – das heißt, einer von ihnen steckte den Kracher in den Schacht und zündete die Lunte an, während die anderen beiden Männer zustimmend dabeistanden und sich später auch an der Beute gütlich hielten. Nach den Berechnungen der Staatsanwaltschaft hatten die gestohlenen Zigaretten einen Wert von rund 1200 Euro, während der Totalschaden an dem Gerät mit 1500 Euro zu Buche schlug.

Das Gericht wird also noch ein wenig in der Beweisaufnahme mit Zeugenvernehmungen verweilen. Voraussichtlich am 4. Februar aber soll dann ein Urteil verkündet werden.

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